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«Arbeitslosigkeit ist kein Vergnügen»

Hotelleriesuisse Graubünden Präsident Ernst Wyrsch macht als Coach bei «SRF bi de Lüt – Hotel zum Glück» mit. Was ihn zu einer Teilnahme bewogen hat und was für ein Fazit er zieht, erfahrt Ihr hier.

Fadrina
Hofmann
Donnerstag, 16. Januar 2020, 04:30 Uhr Wyrsch bei SRF bi de Lüt
Hotelleriesuisse Graubünden
Hotelleriesuisse Graubünden Präsident Ernst Wyrsch macht als Coach bei «SRF bi de Lüt – Hotel zum Glück» mit.
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Ernst Wyrsch, Sie haben jahrelang das Hotel «Belvédère» in Davos geführt und sind Präsident von Hotellerie Suisse Graubünden. Was hat Sie dazu bewogen, als Coach bei «SRF bi de Lüt – Hotel zum Glück» mitzumachen?

Der Haupttreiber war für mich das Sendekonzept: Leute zu stärken und zu unterstützen, die nicht immer am Überfluss des Lebens teilgenommen haben. Ich hätte nicht mitgemacht, wenn es eine Sendung gewesen wäre, bei der sich die Zuschauer am Versagen der Protagonisten belustigen. Also, wenn ich die Rolle des Besserwissers und Klugscheissers hätte übernehmen sollen. Aber bei «Hotel zum Glück» möchte man den Leuten eine Chance geben und sie zu einem Erfolgserlebnis führen. Das ist meine Aufgabe und das mache ich natürlich gerne, denn das ist mein Beruf. Arbeitslosigkeit ist kein Vergnügen: Es fällt einem die Decke auf den Kopf, es nimmt einem die Würde. Diesen Menschen wieder mehr Selbstwertgefühl zu geben, ist eine schöne Aufgabe.

Was ist Ihr Fazit, nachdem Sie nun ein paar Wochen in der «Chesa Salis» in Bever die fünf Protagonisten der Sendung erleben durften?

Das erste Fazit ist erstaunlich positiv. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel eine Person über zwölf Jahre lang keine Stelle mehr hatte, ist es nicht selbstverständlich, dass diese den Arbeitsrhythmus annehmen kann, dass sie die Aufgabe bewältigen kann. Natürlich gibt es Probleme und Konflikte, auch zwischenmenschlich. Aber wir haben das immer wieder gemeinsam hinbekommen. Es müsste jetzt zu einem guten Ende gelangen.

Heisst das im Endeffekt: Bei der richtigen Einstellung könnte jeder und jede Hotelier oder Hotelière werden?

So weit würde ich nicht gehen. Aber wenn die richtige Begleitung dabei ist, wenn man einen Sparringpartner oder einen Coach hat, dann ist tatsächlich viel möglich. Allerdings geht es bei diesem Projekt um eine Zeitspanne von zwei Monaten. Den Alltag haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sendung noch nicht richtig erlebt. Ich will auch nicht sagen, dass jeder Hotelier sein kann. Es braucht sehr viel dazu. Das haben auch die Protagonisten und Protagonistinnen gemerkt. Man wird in der Sendung sehen, dass in der Hotellerie ein extrem breites Wissen notwendig ist. Man braucht sehr viele Eigenschaften, man ist vom Seelsorger bis zum knallharten Manager, vom Marketingmensch bis zum Motivator und Kämpfer. Ich rate dringend ab, diese Aufgabenstellung auf die leichte Schulter zu nehmen, aber mit der richtigen Haltung kommt man tatsächlich sehr weit. (fh)

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