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«Abstand halten» für Davoser Asylunterkunft unmöglich

«Social Distancing» ist für rund hundert Menschen, die in der Asylunterkunft Laret Landhaus in Davos leben, ein Ding der Unmöglichkeit. Der Verein IG offenes Davos fordert den Kanton umgehend zum Handeln auf.

Südostschweiz
Sonntag, 29. März 2020, 14:26 Uhr Angst und Verzweiflung
Asylanten
In der Asylunterkunft Laret Landhaus leben rund 100 Menschen auf engstem Raum zusammen.
ARCHIV

Die Coronakrise hält die ganze Welt in Atem. Über 30'000 Menschen sind an den Folgen des Coronavirus weltweit gestorben. In der Schweiz sind es gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 257 Tote (Stand Sonntagmittag). Diese ausserodentliche Lage zwingt die Bevölkerung sich «vorbildlich» zu verhalten. Dass dies aber nicht immer möglich sei, zeigt ein Beispiel aus Davos. Wie der Verein IG offenes Davos in einem Schreiben vom Samstag bestätigt, sei die Situation der Geflüchteten in der Asylunterkunft Laret Landhaus sehr besorgniserregend. Im fast vollbelegten Heim leben rund hundert Jugendliche und Familien auf engstem Raum zusammen. Es sei für die Asylunterkunft ein Ding der Unmöglichkeit, die vom Bundesrat angeordneten Sicherheitsmassnahmen einzuhalten. «Zu Hause bleiben» sei ein Risiko und besonders bedrohlich für die in den Zentren lebenden Personen der Risikogruppen. 

«Wenn eine Person krank wird, dann werden die anderen Leute auch krank», schreibt Jürg Grassl vom Verein IG offenes Davos in der Mitteilung, und zitiert somit die Bewohner und Bewohnerinnen der Unterkunft. Es sind deutliche Worte, die uns der Verein nicht vorenthalten möchte: «Corona ist uns näher als ein Wimpernschlag. Wo sind die Beamten? Oder sind wir Flüchtlinge und ist egal wenn jemand stirbt?» Der dritte verzweifelte Hilferuf im Schreiben handelt davon, dass wir alle Menschen sind und ein Recht darauf haben, wie alle anderen behandelt zu werden. 

Forderung an den Kanton

Eine Problematik, die nicht nur auf Davoser Gebiet anzutreffen ist. Deshalb hat der Verein zusammen mit anderen Bündner Freiwilligenorganisationen einen Aufruf für sichere Unterbringung der Geflüchteten an die Verantwortlichen des Amt für Migration gerichtet. Einerseits fordert der Verein vom Kanton umgehend Massnahmen zu ergreifen, er hat dem Kanton aber auch die eigene Unterstützung bei der Entschärfung der Situation anerboten.

Gegen Ende des Schreibens erinnert der Verein daran, die grundlegendsten Schweizer Werte in dieser schweren Zeit nicht zu vergessen und zitiert den Schlussteil des Vorworts der Schweizer Bundesverfassung:«.... die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen." (huj)

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