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Übergewichtige Kinder brauchen viel Unterstützung

Stigmatisierung wirkt sich auch auf die Psyche aus. Dicksein ist nicht gerade attraktiv. Dicksein bietet viel Angriffsfläche. Doch wer übergewichtig ist, kennt die Vorurteile. Und: Die meisten Betroffenen leiden, entwickeln psychische Störungen und werden auch in der Schule & im späteren Berufsleben diskriminiert. Man darf sie nicht stigmatisieren.

Südostschweiz
Montag, 30. März 2020, 00:00 Uhr Sponsored Content
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Wenn Kinder übergewichtig werden, hat das diverse Ursachen: genetische Gründe (übergewichtige Eltern, Grosseltern), Umweltfaktoren, der Lebensstil der Familie, das Freizeitverhalten und das Essverhalten. «Man sagt oft, dass übergewichtige und adipöse (hohes Übergewicht) Kinder willensschwach, undiszipliniert und bewegungsfaul sind. So einfach ist es jedoch nicht», relativiert Roman Spring, Psychotherapeut der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden im Therapiehaus Fürstenwald in Chur.

Dicke Kinder und Jugendliche schämen sich oft, sie werden von anderen Gspänli gehänselt, kämpfen mit Vorurteilen. Dies hat Auswirkungen auf ihr Verhalten, ihre Psyche und ihre Entwicklung. Einige entwickeln depressive Erlebens- und Verhaltensmuster mit Traurigkeit und Selbstabwertung.

Da braucht es fachliche Unterstützung in psychotherapeutischer und ernährungstechnischer Art. Auch von der Familie. Bewegung ist ein wichtiger Faktor. «Bei Übergewicht macht es jedoch wenig Spass, zu turnen, Velo zu fahren oder zu laufen», sagt Roman Spring. «Vielmehr ziehen sich betroffene Kinder und Jugendliche zurück, widmen sich lieber Computerspielen oder anderen Medien. Ein Teufelskreis beginnt.

Eine Chance, trotz Dicksein akzeptiert zu werden, besteht für diese Kinder dann, wenn sie in der Schule eine Nische finden, in der sie Spezielles leisten. «Wenn etwa jemand gut singt, ein Musikinstrument spielen kann oder wenn ein Kind andere Qualitäten hat, wird das Übergewicht für das Umfeld zweitrangig und die Akzeptanz des Kindes steigt», so Spring. «Kann sich ein Kind auf diese Art nicht beliebt machen, bietet es schnell eine grosse Angriffsfläche. Und dann kann es richtig schwierig werden».

Was tun?

«Übergewichtige, adipöse Kinder brauchen eine regelmässige Begleitung von Fachpersonen. Die Eltern müssen unbedingt mit einbezogen werden. Gute Erfahrungen machen wir u.a. mit Gruppenprogrammen, wie sie etwa der Verein Unbeschwert anbietet und mit Unterstützung von Psychotherapeuten und Ernährungsspezialisten», erklärt Roman Spring. «Um das Gewicht in Griff zu bekommen, sind normale Diäten nicht geeignet. Besser ist es, die Alltagsgewohnheiten in kleinen Schritten zu ändern und damit die Ernährung, die Bewegung und den Lebensstil».

Wichtig ist immer auch die Frage nach der Funktion des Essens. Esse ich, um mir etwas Gutes zu tun? Um mich zu beruhigen? Hier können neue Möglichkeiten gefunden werden. «Denn auf das Essen folgt meist die Beschämung und das schlechte Gewissen. Das sind Muster, die auf seelischer Ebene relevant sind», erläutert Spring. «Gute Erfolge erzielen wir in Zusammenarbeit mit den Eltern, den Fachspezialisten und der Etablierung neuer Gewohnheiten».

Eltern übergewichtiger Kinder obliegt eine wichtige Aufgabe. Manchmal fällt es ihnen schwer, strenger zu sein. «Solche Themen besprechen wir mit den Eltern. Gemeinsam können alte Muster aufgelöst und neue etabliert werden».

Roman Spring, Psychotherapeut bei der KJP: «Kinder unterstützen, nicht stigmatisieren».

Anlaufstelle PDGR
Die den Psychiatrischen Diensten Graubünden (PDGR) angegliederte Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (KJP) bietet psychotherapeutische Unterstützung für übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche an.