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«Das Personal soll nicht bluten müssen»

Der öffentliche Verkehr in Graubünden nimmt langsam aber sicher wieder Fahrt auf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das bedeutet für die Mitarbeitenden wieder mehr Arbeit aber auch neue, ungewohnte Umstände mit denen sie umgehen müssen.

Nadine
Hinder
Dienstag, 02. Juni 2020, 04:30 Uhr Arbeiten im öffentlichen Verkehr
Schutzmasken sind das A und O im öffentlichen Verkehr um sich und andere zu schützen.
KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Die Rhätische Bahn teilte am Donnerstag mit, dass sie ab dem 8. Juni ihr touristisches Angebot, wie auch den regionalen Personentransport wieder aufnimmt respektive weiter ausbaut. Lange wurden die öffentlichen Verkehrsmittel von vielen mit einem unguten Gefühl genutzt oder gar gemieden, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden.

Das schöne Wanderwetter

Nun lockert sich die Lage wieder und das schöne Wetter zieht die Menschen nach draussen und in die Bündner Berge. Entsprechend voll sind die Postautos, die die Reise in diese Regionen ermöglichen. «Auch in Graubünden hat die Auslastung der Postautos gemäss einer Schätzung noch keine 50 Prozent der Werte erreicht, die vor der Coronakrise erhoben wurden», erklärt Urs Bloch von Postauto. Es sei aber klar, dass an Wochenenden oder an Feiertagen auf gewissen Linien wieder mehr Fahrgäste unterwegs sind, um beispielsweise zum Ausgangspunkt einer Wanderung zu gelangen. «Wenn immer möglich, verstärken wir diese Kurse mit zusätzlichen Fahrzeugen, um mehr Platz anbieten zu können», so Bloch. Ab Chur sind das vor allem die Linien Richtung Lenzerheide oder Richtung Flims.

Die vollen Busse erschweren es dem Fahrpersonal allerdings, die Schutzmassnahmen einzuhalten und sich selber zu schützen. Dieses Problem ist bekannt und man versucht Lösungen zu finden. «Schon Mitte März haben wir beschlossen, die Fahrertüre beim Postauto geschlossen zu halten, den Ticketverkauf beim Fahrer einzustellen und die vorderste Sitzreihe abzusperren. Das schafft auch eine gewisse Distanz zwischen Fahrpersonal und Fahrgästen», erklärt Urs Bloch von Postauto. Weiter sagt Markus Cadosch von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) in Chur: «Es geht ja nicht darum zu sagen, dass die Leute draussen bleiben müssen.» Man appelliere an die Eigenverantwortung der Leute, dass sie Masken dabei haben und diese auch tragen, wenn nötig.

Das Problem mit den Masken

Doch genau diese Masken sind oft nicht vorhanden oder werden nicht getragen. «Wenn ich als Passagier eine Maske trage, schütze ich die Mitreisenden und das Personal», so Cadosch. Das fordert die Gewerkschaft auch mehr von den Politikern und den Unternehmen, dass diese die Öffentlichkeit mehr darauf sensibilisieren, wie wichtig es ist im öffentlichen Verkehr, eine Maske dabei zu haben. «Wir fordern keine generelle Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Das wäre übertrieben, weil, wenn man die Distanzen einhalten kann, braucht man sie nicht. Aber man soll eine dabei haben, damit man sie anziehen kann, wenn es eng wird, um die anderen zu schützen», so Cadosch.

Die schweizerische öV-Branche hat unter der Leitung der SBB und Postauto und in Absprache mit den Bundesämtern für Verkehr (BAV) und Gesundheit (BAG) ein Schutzkonzept für die aktuelle Situation erstellt. «In diesem Schutzkonzept wird den öV-Benutzern dringend empfohlen eine Schutzmaske zu tragen, wenn der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann», sagt Yvonne Dünser von der Rhätischen Bahn (RhB). Sie betont ausserdem, dass sie die Öffentlichkeit offensiv darüber informieren und dafür alle Kommunikationskanäle an den Bahnhöfen, Schaltern, Haltestellen, in den Zügen sowie online nutzen. «Mit Plakaten, auf den Bildschirmen, mit Zugdurchsagen, in den Social Media Kanälen, in unseren Newslettern und online werden die Fahrgäste sensibilisiert und darauf aufmerksam gemacht, dass die Schutzmassnahmen für den öffentlichen Verkehr sowie die Hygienevorschriften des BAG eingehalten werden sollen», so Dünser. Auch Bloch von Postauto sagt, dass das Schutzkonzept seit Mitte Mai von der breiten Kampagne «So schützen wir uns» begleitet werde. In den kommenden Tagen folge die zweite Kampagne.

Mehr Busse zur Entlastung

Um die Busse etwas zu entlasten, versuche man das Angebot an den jeweiligen Tagen auszubauen. Man könne aber nicht unbeschränkt den Takt erhöhen, sagt Cadosch. «Dafür braucht man zusätzliche Busse und zusätzliches Personal, das ist nicht einfach so möglich.» An Wochenenden werde das aber schon gemacht und die Situation werde ständig im Auge behalten und es wird entsprechend reagiert, in dem man beispielsweise Mitarbeitende und Busse auf Reserve bereit hält.

Sicher reisen im öffentlichen Verkehr

Die öffentlichen Verkehrsmittel werden zurzeit ausserdem noch intensiver gereinigt, als unter normalen Umständen. Dabei trägt das Personal Schutzmasken, Handschuhe etc., wie es das Schutzkonzept vorsagt, um sich und andere zu schützen. Dabei gelte es zu betonen, dass reisen mit dem öffentlichen Verkehr grundsätzlich sicher sei. «Durch diese Massnahmen wird das Reisen im öffentlichen Verkehr einfach noch sicherer. Die Mitarbeitenden setzen das entsprechend auch gut und gerne um», erklärt Cadosch.

Sorgen bestehen trotzdem

Durch all diese Massnahmen, die getroffen wurden, mussten die Leute nicht Zuhause bleiben, erklärt Cadosch weiter. «Es soll nicht das Personal bluten müssen für die Massnahmen, die angeordnet wurden und die nicht das Personal verursacht hat. Das ist eine Sorge, die das Personal hat, dass sie plötzlich Minusstunden haben oder zu viel arbeiten müssen.» Hier werden nach Lösungen gesucht, die für alle stimmen. Das heisst, es wird entweder geschaut, dass sie Recht auf Kurzarbeit bekommen oder dass von Seiten des Bundes und des Kantons andere Zahlungen erfolgen, so Cadosch.

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