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Der Unistart ist manchmal hart

Letzten Montag fing der Ernst des Lebens wieder an. Die Uni.

Südostschweiz
Samstag, 19. September 2020, 04:30 Uhr Semesterstart
Schier unendliche Sitzreihen: Der Blick aus den hinteren Reihen eines Hörsaals.
NATHAN DUMLAO / UNSPLASH

Von Lexy

Naja. So ernst wie das Studentenleben halt so ist. Nachdem das gesamte letzte Semester ab März nur online stattgefunden hatte, vermisste ich den farbenblind-machenden Gummibärlisaal der Universität Zürich und die Aura aus Kaffee, Stress, rumschwebendem Wissen und Müdigkeit fast ein bisschen. Aber die Uni ist ja auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Neu gibt es nämlich nicht nur hybride Autos, sondern auch hybride Universitäten. Das tönt modern, innovativ und nach einer fancy Sache. Hybride Studiengänge sind – Fazit nach einer Woche – leider nicht ganz so cool.

Wobei das zugegebenermassen vielleicht nicht immer nur an der Uni liegt. Die Tatsache, dass ich inzwischen ein einigermassen aktuelles iPhone, ein iPad und einen Laptop besitze, ändert nichts an meinem inneren digitalen Neandertaler. Noch dazu bin ich als Chaosqueen schon im reellen Leben, wo man die Dinge noch anfassen kann, heillos mit meiner Unordnung überfordert. In der digitalen Welt funktioniert das entsprechend katastrophal. Die Kurzfassung: Auf meinem Desktop sind so viele Dateien abgespeichert, dass ich gar nicht mehr alle sehe und ich bin der absolute Profi im Passwörter neu aufsetzen. Meine drei Microsoft-Konten, zwei Zoom-Accounts und drei Dropbox-Benutzernamen blockieren sich immer mal wieder gegenseitig, wenn ich wieder die alten Passwörter verwende oder das Zeugs vertausche. Alles was nicht gerade mit seriösen Dingen wie Arbeit und Steuern zu tun hat, fliegt halt irgendwo in diesem digitalen Weltall herum.

Dementsprechend überfordert war ich während meines ersten Seminartreffens über eines dieser einschlägigen Videokonferenz-Tools. Nachdem ich sage und schreibe 15 Minuten lang verwirrt und ahnungslos irgendwelche E-Mail-Adressen angegeben, Passwörter erfunden, Datenschutzbestimmungen bestätigt, Codes eingegeben und gefühlt im Google-Hauptsitz nach der Besenkammer gesucht habe, gelangte ich endlich (natürlich mit inzwischen zehn Minuten Verspätung) in das virtuelle Vorzimmer.

Einfach mal in den Vorlesungssaal reinhuschen und diskret die Unterlagen auspacken, kann man bei diesem digitalen Zeugs vergessen. Dank der chinesisch-amerikanischen Überwachungs- und Kontrollmentalität muss der Dozent jeden verpeilten und verspäteten Studenten einzeln in diesen Raum reinlassen. Türsteher in Clubs sind harmlos dagegen.

Endlich in diesem virtuellen Klassenzimmer angelangt, versuchte ich, so unauffällig wie möglich, endlich die Ansicht zu finden, bei der ich den Dozenten dann tatsächlich auch sehen konnte. Unelegant bin ich durch das Zimmer gestolpert, habe ein paar Mal rumgeklickt in der Hoffnung, dass ich nicht gerade die Vorlesung vom Prof beende, seine Powerpoint-Präsentation unbeabsichtigt bearbeite und mich blamiere, weil ich in die falschen Chats schreibe. Nebenbei hätte ich noch die IT-Probleme von einer Studienkollegin lösen und einen Live-Chat für eine andere Kollegin führen sollen, die die Zugangsschlüssel nicht erhalten hatte.

Aber alles hat wie immer auch seine Vorteile. Zum Beispiel, wenn die Post gleich während der ersten Vorlesung noch das neue Bett liefert oder man in der 15-Minuten-Pause noch kurz eine Yogasession einbauen möchte.

Wieso dass das ganze übrigens hybrider Modus heisst, obwohl alles online stattfindet, weiss ich nicht. Ich nenne das lieber den Tesla-Modus, der fährt genau wie mein Studium auch ausschliesslich elektrisch. Zudem fressen alle meine digitalen Geräte in etwa gleich viel Strom, wie so ein Luxusschlitten. Und auch wenn ich Elon Musk nicht mag, ist ein Tesla wenigstens fancy.

Lexi ist das Pseudonym einer 20-jährigen Molliserin, die einen Internet-Blog in Jugendsprache führt: lexilike.blogspot.ch.

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