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Steh auf und lebe Deine Träume

In Landquart haben Jugendliche mit Spraydosen ihre eigenen Kunstwerke erschaffen. Grund dafür war ein Graffiti-Workshop mit dem Churer Künstler «Bane».

Am Graffiti-Workshop in Landquart entstanden zahlreiche bunte Kunstwerke. VIDEO SUEDOSTSCHWEIZ.CH
Aktionstage Psychische Gesundheit

«As goht üs alli a» – über 60 Veranstaltungen in Graubünden.

Weitere Informationen finden Sie auf: www.bischfit.ch

Am Wochenende vom 19. und 20. September hat in Landquart im Rahmen der Aktionstage Psychische Gesundheit ein zweitätiger Graffiti-Workshop mit Fabian «Bane» Florin stattgefunden. Die Botschaft des Workshops lautete «Steh auf und lebe Deine Träume». Ziel des Workshops war es, dass die Teilnehmer auf kreative Art und Weise lernen, ihre Identität zu finden und ihre Persönlichkeit zu entwickeln, ohne dabei arge Grenzüberschreitungen zu begehen.

Grenzen setzen, um zu schützen

Für die Entwicklung im leben eines Jugendlichen sind Freiräume unabdingbar. Genauso wichtig sind aber auch Grenzen, an denen sich die Jugendlichen verorten können. Sie sorgen für ein funktionierendes Zusammenleben aller - also auch etwa für Eltern, Lehrpersonen und Sporttrainer.

Grenzen sind aber auch da, um vor Gefahren zu schützen. Sie dienen zur Vermittlung von Normen und Werten und durchlaufen mit der Zeit auch Anpassungen an neue Umstände oder Umgebungen. Pubertierende Jugendliche lehnen sich oft gegen genau solche Grenzen auf. Auch das gehört zum Entwicklungsprozess. Wichtig ist es in diesem Prozess vor allem, dass die Jugendlichen diese Grenzen mit sich und den eigenen Normen und Werten vergleichen können, um zu sehen, ob die Grenzen zu der eigenen Haltung passen. Grenzüberschreitungen gehören daher auch zur Entwicklung der Jugendlichen - sie sind für die Persönlichkeitsentwicklung und die Identitätsfindung sogar von äusserster Wichtigkeit.

«Ohne Scheitern entwickeln wir uns nicht weiter»

Wiebke Schwing, Leiterin der Jugendarbeit Landquart, erklärt im Interview, weshalb es für Jugendliche wichtig ist, Grenzen zu haben, diese auszuloten und ab und zu auch zu scheitern.

Wie erleben Sie grenzüberschreitendes Verhalten bei Jugendlichen?

Ich stelle in meiner Arbeit und meinem Lebensalltag fest, dass andauernd Grenzen überschritten werden. Und zwar von Personen aller Altersklassen. Erwachsene, die eigentlich als Vorbild dienen sollten, sind damit eingeschlossen.
Deswegen frage ich mich, warum wir Fachpersonen aber auch die Gesellschaft mit Grenzüberschreitungen im Jugendalter stets eine Negativbrille aufsetzen, im Sinne von: Jugendliche gefährden sich oder andere.
Es gibt durchaus positive Seiten bei Grenzüberschreitungen, die notwendig sind, damit Jugendliche zu selbstbewussten und verantwortungsvollen Erwachsenen werden.
Zum Beispiel Jugendliche, die über sich hinaus wachsen und plötzlich überraschende Erfolge feiern (Schule, Sport oder im kulturellen Bereich wie Musik, Kunst und so weiter).
Die Jugendarbeit Landquart bietet mit dem Graffiti-Workshop Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Kultur so auszuleben, dass das Besprayen von Fassaden von der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen wird.

Was macht eine Jugendarbeitsstelle, wenn Sie Grenzüberschreitungen bei Jugendlichen feststellt?

Die Jugendarbeit ist in erster Linie ein Mittel, um zu Jugendlichen Vertrauensbeziehungen aufzubauen. Diese Beziehungen entstehen nicht einfach von heute auf Morgen. Beziehungsarbeit braucht viel Zeit und Geduld. Durch das Vertrauen erzählen die Jugendlichen häufig von ihren Grenzerfahrungen oder wir bekommen sie durch andere Jugendliche mit.
Wir schauen sehr genau hin und beurteilen, was für Grenzen überschritten wurden. Vielleicht nehmen die Jugendlichen sie gar nicht wahr. Wir führen mit den Jugendlichen zum Beispiel immer wieder Gespräche über ihren Sprachgebrauch.
Grenzüberschreitungen finden aber auch in Rahmen statt, in denen die Ordnung und Sicherheit gestört wird. Die Situationen sind sehr vielfältig und brauchen entsprechend unterschiedliche Herangehensweisen.
In den meisten Fällen sind unerwünschte Verhaltensweisen oder Grenzüberschreitungen Bagatellen und wir können das zwischen Tür und Angel mit den Jugendlichen klären.
Ist ein grösserer Schaden absehbar oder bereits entstanden, führen wir zuerst mit der Person ein Gespräch, die uns von dem Vorfall erzählt hat oder die wir unmittelbar in der Situation angetroffen haben. Jugendliche stehen bei uns dabei im Fokus. Wir tun alles dafür, dass wir ihr Vertrauen nicht missbrauchen, denn Vertrauen ist ein zentraler Aspekt unserer Arbeit.
Im Gespräch entscheiden wir immer gemeinsam mit den Jugendlichen die nächsten Schritte. Wichtig ist, so schnell wie möglich weitere Betroffene ins Boot zu holen und das Problem zu klären (etwa Eltern, Schule, Geschädigte und so weiter).
Wir sind allerdings keine Beratungsstelle, sondern erst einmal ein freiwilliges Freizeitangebot für Jugendliche. Aber wegen unserer niederschwelligen Arbeit, bewegen wir uns unmittelbar im Alltag der Jugendlichen und nehmen häufig Grenzüberschreitungen schneller wahr als andere Stellen.
Jugendliche sind meistens froh und erleichtert, wenn wir ihnen Begleitung und Unterstützung anbieten.

Wie können Jugendliche auch ohne Grenzüberschreitungen ihre Identität finden und ihre Persönlichkeit entwickeln?

Es geht nicht ohne Grenzen. Grenzen sind für die Entwicklung und für das Lernen unentbehrlich. Ohne Scheitern entwickeln wir uns nicht weiter. Ohne das Gefühl, etwas Unerreichbares geschafft zu haben, fühlen wir uns klein und nutzlos. Was wir aber tun können, sind unnötige Grenzen für Kinder und Jugendliche zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen. Dadurch geben wir ihnen mehr Raum zur Entfaltung ihrer Ideen und zur Entwicklung von Bewältigungsstrategien. Im Klartext heisst das, dass erwachsene Schlüsselpersonen und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger Strukturen in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen öffnen sollten, um sie für mehr Mitsprache und Mitgestaltung zu gewinnen. Beim unserem Graffiti-Workshop findet so eine Öffnung statt und Jugendliche werden positiv wahrgenommen und erhalten durch ihre Arbeit, und vor allem auch durch die öffentliche Wahrnehmung, Wertschätzung und Selbstbewusstsein.

«Ich möchte Motivation spenden»

In seinen Graffiti-Workshops zeigt Fabian «Bane» Florin den Jugendlichen, wie man mit einer Kunstform, die aus einer rebellischen Bewegung heraus entstand, auf legale Art und Weise kreativ sein kann, ohne dabei anderen zu schaden. Graffiti ist mehr als Farbe auf Mauern - sie ist die urbane Kunstform, die es jedem Erlaubt, sich in bunten Bildern oder Schriftzeichen auszudrücken. Im Vorfeld des Graffiti-Workshops haben wir mit Fabian «Bane» Florin über seine Intention hinter dem Workshop sowie über die Arbeit mit Jugendlichen gesprochen.

Fabian Florin, Ihr Workshop läuft unter dem Titel «Steh auf und lebe Deine Träume». Wie meinen Sie das?

Die Aussage ist selbsterklärend. In der heutigen Zeit gibt es im Alltag viel Ablenkungen, die einen daran hindern, seine Träume zu leben. Ich bin der Meinung, dass Ziele erreichbar sind, wenn man aufsteht und einfach mal macht.

Was möchten Sie den Jugendlichen mit diesem Workshop mitgeben?

In diesem Workshop fungiert Graffiti - also die Kunst, mit der ich unter anderem meinen Lebensunterhalt verdiene - als reines Werkzeug, als Motivation. Mich hat die Kunst motiviert, damit zu arbeiten und besser zu werden. Und diese Motivation möchte ich weitergeben, sodass die Teilnehmer diese in sämtliche Lebensbereiche, sei dies Sport, Bildung oder auch ein anderes Hobby, einfliessen lassen können.

Haben Sie Ihre Träume schon immer bewusst gelebt, oder gab es einen Moment in Ihrem Leben, in dem Ihnen bewusst wurde, dass sie aufstehen müssen?

Nein, auch ich habe in der Vergangenheit meine Träume nicht immer gelebt. Dies hat mich mitunter an Punkte im Leben gebracht, an denen ich nie sein wollte. Irgendwann kreuzte die Graffiti-Kunst mein Leben und ich konnte mich darin verwirklichen - und beginnen zu leben. 

Was ist das Faszinierende an der Graffiti-Kunst?

Faszinierend an der Kunst ist sicher, dass man grossflächig arbeiten kann. Die Spraydose an sich ist ein «grobes» Werkzeug, welches rein vom Aufbau her seinesgleichen sucht. Mit der Dose kann man gleichwohl die kleinsten Details als auch die grössten Wände bemalen. Zudem fasziniert mich an der Graffiti-Kunst natürlich die ganze Kultur um die bemalten Wände – also Musik, Tanz, das Gemeinschaftsgefühl.

Sie arbeiten sehr oft mit Jugendlichen. Was lernen Sie bei Dieser Arbeit für sich selbst?

Einerseits sind die Jugendlichen unsere Zukunft und sind in vielen Angelegenheiten näher am Puls der Zeit als wir Erwachsenen. So lerne ich fortlaufend, was bei der jungen Generation gerade die Hauptthemen sind. Ich lerne viel über die aktuelle Jugendkultur. Dies gibt mir sehr viel und steigert mein Verständnis für die Generation an sich. Zudem habe ich dank der Workshops immer wieder Begegnungen mit einzelnen Individuen, über welche ich doch immer wieder Dinge erfahre, die ich auf mich projizieren kann. So reflektiere ich meine Arbeit und mein Leben oft durch diese Begegnungen. Daher denke ich, dass die Workshops für alle ein Gewinn sind.

Ausstellung
Die Kunstwerke der Jugendlichen werden am 24. September an der Informationsveranstaltung «Voll stark voll drauf» im Katholischen Pfarreizentrum Landquart ausgestellt (Veranstaltung 20 bis 21.30 Uhr). Mehr Informationen dazu gibt es unter bischfit.ch/aktionstage.

Eindrücke vom Graffiti-Workshop

Der Graffiti-Workshop in Landquart war ein voller Erfolg. BILD SUEDOSTSCHWEIZ.CH
Die Teilnehmer lernten mit der Spraydose umzugehen. BILD SUEDOSTSCHWEIZ.CH
Die Dose fungiert beim Graffiti als Pinsel. BILD SUEDOSTSCHWEIZ.CH