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Achtung, fertig, Handy

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VIDIMIR RAIC / PIXABAY
Kristina
Schmid

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Es geschah im Sommer dieses Jahres. In einem gemütlichen Restaurant in der Churer Altstadt. Eine Mutter zückte im Anschluss an das Essen ihr Handy aus der Tasche, reichte es ihrem Sohn, der sich fortan darauf Videos ansah. Die Mutter widmete sich wieder ihrem Ehemann und den gemeinsamen Freunden am Tisch.

«Ich würde meinem Kind niemals das Handy geben, nur damit es im Restaurant Ruhe gibt», sagte eine Freundin, während sie das Kind mit dem Handy in der Hand beobachtete. Zustimmendes Nicken von den anderen. Ich schwieg. Weshalb? Ich weiss es nicht. Ich hatte nicht den Mumm zu widersprechen. Vielleicht nicht die nötigen Argumente. Es war ein rarer Moment meiner Zurückhaltung. Aber es hat mich seither nicht mehr losgelassen.

War das wirklich so falsch von dieser Mutter? Würde ich wirklich niemals so etwas tun? Der Punkt ist: Es spielt absolut keine Rolle, was ich davon halte und was ich getan hätte. Es ist nicht mein Leben. Nicht mein Kind. Und ich habe auch absolut keine Ahnung, was diese Mutter an diesem Tag bereits alles durchgemacht hat. Vielleicht nichts. Vielleicht war es aber auch ihre erste ruhige Minute an diesem Tag. Fakt ist: Ich weiss es nicht.

Ähnlich wie bei den Themen Stillen und Impfen, gehen die Meinungen beim Thema Bildschirm-Zeit auseinander. Und wie wir alle wissen: Ist in der Gesellschaft erst einmal etwas verpönt, glaubt jeder Mensch auf dieser Welt, damit das Recht zu besitzen, jene Eltern zu verurteilen, die ihre Kinder immer noch «falsch» erziehen. In diesem Falle, fernsehen lassen. 

An dieser Stelle möchte ich kurz festhalten: Welche Entscheidung Du auch immer für Deine Familie triffst, ist zu 100 Prozent Deine Angelegenheit. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass es ungesund ist, wenn Kinder zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Das hat aber mehr damit zu tun, wovon der Bildschirm unsere Kinder fern hält – und weniger mit dem gezeigten Trickfilm. Kinder sollten Bücher lesen, Verstecken spielen, «Theäterla» und auf Bäume klettern. Sie sollten schaukeln, spielen und singen. Sie brauchen ihre Eltern, die sie nach ihrem Tag fragen und die ihnen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Kinder sollten bedeutende Beziehungen mit den Menschen in ihrem Leben aufbauen und nicht Abhängigkeiten von iPads oder TV-Geräten.

Da dies nun gesagt ist: Manchmal braucht Mama einfach eine ver****te Pause. Vielleicht will Mama nach einem langen Tag einfach in Ruhe das Abendessen zubereiten. Vielleicht will Mama auch nur in Ruhe einen Arzttermin vereinbaren oder wichtige und dringliche Telefonate in Ruhe führen. Und vielleicht will sie auch einfach durchatmen und im Restaurant ein gutes Gespräch mit Freunden führen. Und wenn das bedeutet, dass das Kind die nächsten 27 Minuten seinen kleinen Hintern vor das iPad setzt: Dann ist es halt so. 

Mein Sohn ist 16 Monate alt und verbringt keine Zeit vor dem Bildschirm. Ein Bildschirm interessiert ihn nicht. Er läuft daran vorbei. Ich habe eine Freundin. Ihre Tochter ist ein Jahr alt. Sie darf täglich eine halbe Stunde am Handy Videos schauen. Ich habe eine Freundin. Ihr Sohn ist fünf Jahre alt. Er darf einmal die Woche zehn Minuten Fernsehen. Ich habe eine Freundin. Ihre Tochter ist drei Jahre alt. Sie schaut jeden Abend einen Trickfilm. Was ich davon halte? Es spielt keine Rolle. Es sind ihre Kinder. Und die Mütter geben alle ihr Bestes. Also lassen wir das. Das mit dem urteilen und verurteilen.

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