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«Papa spielsch mit miar?»

Uhr
Oliver
Fischer

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Ich mag den Herbst (knapp vor dem Winter) von allen Jahreszeiten ja am liebsten. Das Klima, die Stimmung, das Essen, die Mode – alles ist einfach um Welten besser als im überhitzten Sommer. Die Welt ist gemütlicher, kuschliger – die Dänen nennen es hygge – und friedlicher. Es gibt allerdings einen ganz gewichtigen Nachteil, den der Herbst gegenüber dem Sommer für mich hat: das Programm für meinen freien Tag mit dem Kind verschiebt sich immer öfter nach drinnen und dann heisst es alle fünf Minuten «Papa spielsch mit miar Familia?» Und ich muss gestehen: Ich. Kann. Rollenspiele. Nicht. Ausstehen. Es ist kein «Ich-geh-mal-kurz-Zigis-holen-und-komm-nie-wieder»-Hass, den ich auf Rollenspiele hätte – aber um es Deutsch und deutlich zu sagen: «I finda Rollaspieli würklich ziemlich Scheisse.» (Sag ich dem Kind natürlich nie)

Im Sommer ist das einfach: Sonne und warm, ab in die Badi, oder auf den Spielplatz, oder in den Wald; Hauptsache nach draussen. Rumrennen, rumturnen, bädala, Bäche stauen – alles super. Aber jetzt: kalt und nass, Badis zu, Indoor-Programm; Rollenspiele.

Eine Sache gibt es immerhin, die mich an kindlichen Rollenspielen fasziniert: die Erzählweise, wie Kinder die zu spielenden Szenen und Geschichten erklären. Ich nenne es den Konjunktiv 3 oder «Konjunktivus infantilis spielii», und tönt dann in etwa so: «Du wärst der Krippen-Mann gewesen und ich hätte dann die Kinder gebracht und würde ins Büro gegangen sein – ich bin Projektleiter – und dann würde ich die Kinder wieder abholen und du hättest mit erzählen müssen, was sie heute gemacht gehabt hätten und Luke hätte sich angeschlagen gehabt und es wäre aber schon wieder gut gewesen und sie hätten es sonst uh lustig gehabt.» Seid ihr mitgekommen? Ja, ich auch nicht … Aber sprachlich ist es hohe Schule, immerhin.

Aber um das klar zu stellen, ich spiele natürlich sehr gerne mit meinem Kind; Kartenspiele, Brettspiele, Würfelspiele, Gesellschaftsspiele; ich zeichne oder male gern – auf Basteleien kann ich hingegen eher wieder verzichten (wobei, dieses Kügalibahn-Projekt müsste ich jetzt endlich mal angehen) – und ich könnte Stunden lang vorlesen. Alles super, alles gern – bloss lass mich in Ruhe mit diesen vermaledeiten Rollenspielen.

Und wenn gar nichts mehr hilft, ziehen wir halt die Regenklamotten an und springen auf dem Spielplatz in Pfützen rum. Wenn du dann nass, verschwitzt und frierend nach Hause kommst, sind der Tee und das Buch unter der Kuscheldecke auf der Couch nämlich nicht nur bei mir ganz hoch im Kurs.

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