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«Früher war Familie Privatsache»

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Oliver
Fischer

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

«Man kann nicht alles haben: drei Kinder, ein Verwaltungsratsmandat und eine politische Karriere. Man kann sich auch selber überfordern.» Diese Aussage stammt von Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Sie tätigte sie gegenüber den FDP-Frauen im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Elternzeit (anstelle des heutigen Mutterschaftsurlaubs und des wohl bald Tatsache werdenden Vaterschaftsurlaubs von zwei Wochen).

Nun hat Keller-Sutter explizit «man» gesagt und nicht «Frauen». Sie könnte also durchaus alle Schweizerinnen und Schweizer gemeint haben. Das anzunehmen, ist aber leider naiv und realitätsfremd. Denn ein Blick auf den aktuellen National- und Ständerat zeigt, dass sehr viele Männer offenbar völlig problemlos zig Kinder, mehrere (!) Verwaltungsratsmandate und ihre politische Karriere stemmen können. Für Männer hat ihre Aussage also ganz offensichtlich keine Gültigkeit – womit sie entweder keine Ahnung von dieser Realität hat – was ich nicht annehme – oder sie hat eben doch die Frauen gemeint. Und dann ist ihre Aussage eine Katastrophe.

Und zwar nicht, weil jedermann all das braucht, drei Kinder, ein (mehrere) Verwaltungsratsmandat(e) und eine politische Karriere. Sondern, weil sie damit suggeriert, dass man sich so oder so entscheiden muss, dass man entweder Familie oder Karriere hat – zumindest einer der beiden Elternteile – und in unserer Gesellschaft ist es immer noch mehrheitlich die Frau, die sich dann für das eine oder andere entscheidet.

Dieser scheinbare Zwang ist es aber genau, der so grundlegend falsch ist. Es muss in der Schweiz möglich sein, dass zwei Menschen eine Familie gründen und trotzdem beide ihre berufliche und/oder politische oder sonst wie geartete Karriere verfolgen können. Ohne dass beide ungebremst in ein Burnout rasen. Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere für BEIDE Elternteile muss jedem Paar offen stehen.

«Früher war Familie Privatsache» sagt Keller-Sutter weiter – und ich komme nicht umhin in diese Worte einen wehmütigen Klang hinein zu hören. Ja, früher mag die Familie reine Privatsache gewesen sein, FRÜHER. Wir leben aber nicht mehr im Jahr 1970. Und heute sind Familien nunmal nicht mehr nur Privatsache, sondern ein gesamtgesellschaftlich eminent wichtiges Thema. Die Babyboomer Generation geht in Pension. Wer genau soll eigentlich deren AHV finanzieren? Wir beklagen heute in zig Branchen Fachkräftemangel und wollen es uns trotzdem weiterhin leisten die Hälfte der Bevölkerung zwar teuer und gut auszubilden, dann aber dieses ganze Wissen und diese Arbeitskraft vom Markt zu nehmen?

Ganz abgesehen davon, dass sehr viele Familien entweder schlicht darauf angewiesen sind, dass beide Elternteile 70, 80 oder mehr Prozent arbeiten oder, dass ganz einfach Vater und Mutter gerne arbeiten und auch mit einer Familie nicht aufhören wollen. Und genau diesen motivierten, engagierten (und wahrscheinlich gut ausgebildeten) Menschen wollen wir weiterhin so viele Steine wie möglich in den Weg legen und ihnen sogar sagen: «Sorry Leute, ihr habt jetzt Familie. Ihr müsst euch entscheiden. Einer arbeitet und darf Karriere machen, für die andere ist es das jetzt gewesen.»

Wenn das dann für ein Paar der Weg ist, den es gehen will (egal wer seine Karriere opfert), dann soll es das tun dürfen, keine Frage. Aber es kann und darf nicht länger sein, dass man die Alternative als Ding der Unmöglichkeit hinstellt. Stattdessen müssen endlich die nötigen politischen Schritte unternommen werden, um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere für Vater und Mutter gleichzeitig und uneingeschränkt zu ermöglichen. Denn wir als Gesellschaft werden sie brauchen.

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Mann schreibt man mit 2n und nicht mit Einem!
Sich so an diesem "man" aufzuziehen und diesen ellenlangen, sinnlosen Beitrag zu schreiben, ist überflüssig!
Es wäre interessanter, sillvollere Berichte zu schreiben, als Oberstehenden.