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Auf ein ernstes Wörtchen, liebe Väter

Uhr
Oliver
Fischer

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Guten Morgen Ihr Bald- oder Seit-Kurzem-Väter da draussen.

Die folgenden Zeilen richten sich in erster Linie an Euch – aber auch Ihr Bald- oder Seit-Kurzem-Mütter dürft das natürlich gerne lesen, vielleicht hilft es Euch dabei, Eure Männer zu managen. Um loszulegen empfehle ich Euch als erstes, (noch) einmal die Worte meiner Mama-Blog-Kollegin Kristina Schmid von letzter Woche zu lesen.

Warum? Weil sie Euch sehr klar und anschaulich beschreibt, was Mutter zu werden für eine Frau bedeutet, was es mit ihr macht. Und dann lasst das einmal richtig sacken, denn von alldem wisst Ihr lieben Bald- oder Seit-Kurzem-Väter nichts.

Euch wurde mit Sicherheit schon Dutzendfach gratuliert, auf die Schulter geklopft, Bier- und andere Flaschen wurden geöffnet und euer Bald- oder Seit-Kurzem-Vater-Sein wurde ordentlich gefeiert. Das ist auch völlig in Ordnung, nur bildet Euch bloss nicht zu viel darauf ein. Denn geleistet habt ihr dafür, wenn wir ehrlich sind, noch herzlich wenig. Vor plus/minus acht bis elf Monaten während etwa zwei bis (sind wir grosszügig) 15 Minuten – das wars. Seither habt Ihr Eure Vaterschaft einzig Euren Frauen zu verdanken.

Während Eure Frauen also neun Monate Schwangerschaft, eine zig Stunden lange Geburt und eine hormonelle Achterbahn vor oder hinter sich haben, wird sich in den Tagen, Wochen und Monaten nach der Geburt zeigen, zu welcher Gattung Vätern Ihr taugt. Jetzt könnt Ihr Euch endlich beweisen, könnt etwas leisten, könnt euch die ganzen Schulterklopfereien und Gratulationen nachträglich auch noch wirklich verdienen.

Früher wäre das noch einfach gewesen. Da hätte es ausgereicht, schön brav fünf Tage arbeiten zu gehen, Geld ranzuschaffen und sich abends von Eurer Frau ein warmes Essen auf den Tisch stellen zu lassen. Tempi passati, meine Lieben, Tempi passati. Ich erinnere noch mal an den Text «Heldin Mama» von letzter Woche. Eure Frauen machen eine körperlich, emotional und psychisch enorm anstrengende, in ganz vieler Hinsicht wunderschöne aber eben auch manchmal extrem schwierige Zeit durch.

Das Letze was sie brauchen können, ist ein Kerl, der sich auf seinem Geldverdiener-Dasein ausruht. Seid nicht gelegentliche Wickel-Assistenten, Müll-Raustrager, Wochenende-Spaziergänger und Junior-Partner in Eurem Leben. Seid Männer, seid Mit-Denker, seid gleichberechtigte Partner in diesem Abenteuer, das Ihr vor acht bis elf Monaten mit Euren Frauen zusammen gestartet habt und sich Familie nennt.

Das heisst, dass Ihr halt am Abend, auch wenn Ihr müde von der Arbeit kommt, den Wäschekorb nehmt und eine Wäsche macht, den Geschirrspüler ausräumt, Essen kocht, das Kind betreut, wickelt, tröstet – ungefragt. Denn eines garantiere ich Euch: Eure Frau hatte gerade einen mindestens gleich anstrengenden Tag hinter sich wie Ihr. Und alles, was am Abend zuhause noch anfällt, liegt genauso in Eurer Verantwortung, wie in der Eurer Frau.

Also wartet nicht darauf, dass sie Euch um irgendeinen kleinen Helferdienst bittet. Macht Eure Augen auf und nehmt Euren Teil der Pflichten in Eurer und für Eure Familie wie echte Männer und Väter wahr. Stürzt Euch sehenden Auges auf den stinkenden Windelkübel, nehmt Eurer Frau das weinende Kind einfach ab, damit sie, wenigstens eine Weile lang, sich um sich selbst und ihre Bedürfnisse kümmern kann, und schaut selbst im Bad, in der Küche und im Kinderzimmer nach, was Ihr am nächsten Tag auf dem Nachhauseweg noch einkaufen gehen müsst, um wenigstens das nicht auch noch am Wochenende erledigen zu müssen.

Bekommt Eure Ärsche hoch, nehmt die Finger raus und werdet die besten Väter, (Ehe-)Männer und Partner, die Ihr für Eure Frau und Euer Kind sein könnt. Das ist alles andere als ein lockerer Schoggi-Job. Oft werdet Ihr am Ende sein, übermüdet, kaputt, ausgelaugt (willkommen in der Welt jeder Mutter) – aber und auch das garantiere ich Euch: In der Summe wird es Euch zu glücklicheren, erfüllteren und besseren Menschen machen.

Gera gscheh.

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Hallo Oliver
Wenn ich das Foto anschaue musst Du der Sohn von Urs sein.
Urs ist ein langjähriger Schulkollege von mir.Er hat Mediziner studiert und ich Apotheker.
Deine Texte lese ich in Santos 🇧🇷und sie begeistern mich.
Weiter so und liebe Grüsse an Urs,wenn er dann tatsächlich Dein Vater ist.

Silvio Andres

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