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«Papa, nit grätla!»

Uhr
Oliver
Fischer

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Bei uns zuhause gibt es keinen Fernseher. Dafür mehrere Laptops, Smartphones, einen Desktopcomputer und ein Tablet. Und die werden rege genutzt, von allen Familienmitgliedern. Die Laptops ersetzen uns ab und zu den Fernseher, wobei dann nicht viel anderes als Nachrichtensendungen oder hin und wieder Sport läuft. Die Smartphones sind das, was sie heute wohl all ihren Nutzern sind: geistige Krücke, ständig vibrierende Aufmerksamkeitsfresser und scheinbare Drauf-rumdrück-Langeweile-Vertreiber. Das Tablet gehört zwar mir, ist aber tatsächlich primär in Kinderhänden.

Nun ist dieses ganze Mediennutzungsding eines der grossen Themen unseres Alltags. Sowohl die Nutzung des Kindes, vor allem aber auch unsere eigene als Eltern und Vorbilder. Bei der Mediennutzung des Kindes fällt es uns, zumindest in der Theorie, noch relativ leicht für uns sinnvolle Regeln aufzustellen. Wann, wie oft, wie lange und welche Inhalte sollte ein vier (bald fünf) Jahre altes Kind in Filmchen auf Youtube oder sonst einem Streaming-Dienst schauen dürfen?

«Gar nicht» ist in diesem Alter weder sinnvoll noch realistisch. Zudem ist es in gewissen Situationen einfach sehr praktisch, wenn man das Kind mit Kopfhörern und «Bob dem Baumeister» oder «Peppa Pig» oder «Bibi und Tina» beschäftigen kann. Wichtig ist uns dabei, dass das Kind weiss, welche Filme und Serien es schauen darf (und sich auch daran hält...) und dass akzeptiert wird, wenn wir es für genug halten (klappt so, naja).

Heikler wird das Thema aber sowieso, wenn man sich einmal ernsthaft mit dem eigenen «Grätli-Konsum» auseinandersetzt. Da macht man nämlich ganz schnell eine ganz schlechte Falle. Und dabei rede ich nicht vom abendlichen «Das-Kind-ist-im-Bett-wir-lassen-einfach-irgendwas-auf-Zattoo-laufen-Second-screening». Sondern Dinge wie, das Kind schaut seit einer Stunde «Lauras Stern» und ich habe in dieser Zeit auch nichts Gescheiteres zu tun gewusst, als in mein Smartphone zu glotzen und nicht mal zu merken wie die Stunde rumgegangen ist.

Oder wenn die Smartphones während des Znacht auf dem Tisch liegen oder im Hosensack sind und ich bei jedem Blinken und Vibrieren das Ding in die Hand nehme und nachschaue, welchen überflüssigen Push mir jetzt wieder ein einschlägiges Online-Medium geschickt hat. Und richtig übel wird es, wenn du im Kinderzimmer sitzt, darauf wartest, dass das Kind vom Klo zurückkommt, um eine Gute-Nacht-Geschichte zu hören und du währenddessen Twitter, Facebook oder Instagram checkst.

Ja, manchmal kommt es tatsächlich vor, dass uns etwas auf dem Smartphone erreicht, das mit der Arbeit zu tun hat und wirklich nicht lange warten kann. Aber das kann man an einer Hand abzählen – pro Monat. Einige Massnahmen habe ich für mich selbst getroffen: Facebook und Twitter gibt es nicht mehr auf dem Smartphone, Pushes sind bis auf einen alle abgestellt und zuhause ist das Ding inzwischen fast immer im Flugmodus.

Wir haben aber auch einige offizielle Regeln aufgestellt, was die «Grätli-Nutzung» zuhause angeht. Nur für uns Eltern.

  • Im Kinderzimmer herrscht «Grätli-Verbot». Das hält sich ziemlich einfach ein.
  • Am Esstisch herrscht, beim Essen, «Grätli-Verbot». Da besteht immer wieder mal Erinnerungsbedarf.
  • Wir haben eine offizielle «Grätli-Ablage», wo die Smartphones eigentlich immer dann hingehören, wenn wir sie nicht brauchen. Sagen wir grosszügig, wir schaffen etwa 50/50.

Das Kind hat ein «Grätli-Interventions-Recht», wenn wir uns nicht an unsere Regeln halten oder einfach seinem Empfinden nach zu lange drauf rumdrücken. Dann wird ein empörtes «Papa, nit grätla!» durch die Hütte gebrüllt. Kam zuletzt gar nicht mehr so oft vor.

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