×

Wann ist er so gross geworden?

Uhr
CHERYL HOLT / PIXABAY
Kristina
Schmid

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Eben lag er noch als Baby in meinen Armen, jetzt diskutieren wir darüber, ob er einen Pulli anziehen muss oder nicht. Wann ist es eigentlich passiert, dass er so gross geworden ist? Zu einer kleinen Persönlichkeit mit eigenem Kopf herangewachsen ist? Seine Spässchen mit uns treibt und uns laut zum Lachen bringt? Er ganz oft alles selber machen will? Und ein kleiner Meister im Nein-Sagen geworden ist? Wann ist es passiert, dass er so gross geworden ist?

Zwei Jahre sind es bald. Eigentlich eine sehr kurze Zeit, in der er bei uns ist. Und doch kann ich mir nur noch schwer vorstellen, wie es einmal ohne ihn war. Nie hätte ich mir unsere Reise so vorgestellt. So unbeschreiblich schön. Schliesslich wusste ich damals noch nicht, wie Zweijährige ticken. Was sie schon alles können. Und wie einmalig eine Reise mit Kleinkind überhaupt ist.

 «Es wird immer leichter.» Mit diesen Worten hatte mich meine Schwiegermama damals beruhigt. In jenen ersten Monaten, da es noch schwer war. Und sie hatte Recht. Die eigenen Mahlzeiten werden nicht mehr ganz so oft kalt, das Windelwechseln passiert förmlich im Vorbeigehen, der Schlaf wird länger – und der Vollzeitjob als Bodyguard wird langsam zur Teilzeitstelle.

Dass es leichter wird, vergisst man schnell einmal, wenn es nicht so leicht ist. Wenn einem alles zu viel wird und man sich nach mehr Freiraum sehnt, vergisst man schnell, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Dass es weiter geht. Dass Ist-Augenblicke nicht ewig währen.

Heute weiss ich das. Zwei Jahre vergehen im Eiltempo – und ich werde diese zwei Jahre nie mehr aufholen oder neu erleben können. Und genau das versuche ich mir jeden Tag aufs Neue bewusst zu machen, um die vielen Momente bewusst erleben zu können. Um dafür dankbar zu sein. Für den Moment, in dem er in meinen Armen seine Augen schliesst. Den Moment, in dem er mir in die Arme fällt, da er mich erblickt. Den Moment, in dem er seelenruhig in seinem Zimmer spielt und ich ihn dabei beobachten kann. Diesen Moment, in dem mein Herz fast platzt vor Liebe und Glück.

Zu oft lassen wir uns im Alltag ablenken. Zu oft vergessen wir, den Fokus auf das wirklich Wichtige in unserem Leben zu lenken. Auf unsere Kinder, unsere Familie und unsere wahren Freunde. Dabei ist die gemeinsame Zeit alles, was wir haben – und die Erinnerung daran alles, was uns eines Tages davon bleibt. Sie ist die Basis, auf der wir stehen, die uns trägt und die am Ende unsere Geschichte erzählt.

Kommentar schreiben

Kommentar senden