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Applaus den Kindern

Uhr
WESTFALE / PIXABAY
Kristina
Schmid

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Fest. Ganz, ganz fest vermisst unser Kleiner zurzeit sein Nani und seinen Neni. Kein Wunder. Vor diesem Corona-Albtraum war er jede Woche einen ganzen Tag bei ihnen. Manchmal auch noch am Wochenende. Jetzt hat er sie 20 Tage am Stück nicht mehr gesehen. Und diese 20 Tage sind wohl erst der Anfang.

Er freut sich riesig, wenn Nani und Neni über Facetime das «Kasperli-Theater» aufführen. Ihm per Videochat all seine Autos, Helikopter und Traktoren zeigen. Und er mit ihnen telefonieren kann. Wenn wir das Gespräch aber beenden, wird er ab und zu traurig. Manchmal muss er auch weinen.

Bei all dem Leid, den das Coronavirus mit sich bringt, vergessen wir vielleicht am ehesten noch die Kinder, die unter dieser Situation ebenfalls sehr leiden. Kitas, Kindergärten und Schulen sind geschlossen. «Gspönli» sieht man nicht mehr. Spielplätze sind zu. In manchen Gemeinden gar abgeriegelt. Krabbelgruppe, Babyschwimmen – all das ist nicht mehr. Und zu all dem kommt noch hinzu: Die Kinder müssen Zuhause bleiben.

Wir Erwachsenen verstehen das noch irgendwie. Dass es halt sein muss. Dass es irgendwann vorbei sein wird. Aber Kinder? Die Kleinen unter ihnen haben noch nicht einmal ein Zeitgefühl. Unser Sohn ist zwar noch so jung, dass er noch gar nicht richtig begreift, wie sehr er eigentlich eingeschränkt wird. Aber all den älteren Kindern muss das wie eine Strafe vorkommen, obschon sie nichts verbrochen haben.

Wie ist es eigentlich, wenn man fünf Jahre alt ist - und niemand kommt zum Geburtstag? Wie ist es eigentlich, wenn man wochenlang keine anderen Kinder sieht, weil man ein Einzelkind ist? Wie ist es eigentlich, sich selbst und ganz alleine beschäftigen zu müssen, weil beide Eltern arbeiten müssen, obschon sie eigentlich Zuhause wären? Wie versteht ein Kind das?

Ich finde, nicht nur das Gesundheitspersonal, das sich zurzeit im Kampf gegen das Virus aufopfert, hat einen Applaus verdient, sondern auch jedes Kind da draussen. Denn wenn ich spazieren gehe, höre ich noch immer Kinder laut lachen, kreischen und singen. Und das erfüllt mein Herz. Mit Freude. Mit Stolz. Und mit Liebe. Sie machen das so gut, in einer Situation, die ihnen ebenfalls unendlich viel abverlangt. Sie machen das so gut, die Kleinen! Lasst uns ihnen dabei helfen, diese Situation auch weiterhin mit einem Lächeln auf den Lippen zu bewältigen.

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Natürlich machen es die Kinder toll keine Frage. Aber nicht nur die Kleinen. Habt ihr euch schon einmal gefragt wie es für Menschen mit einer Behinderung ist im Heim zu sein und an den Wochenenden nicht zu Ihrer Familie nach hause zu können? Umd auch für die Familie zuhause?

Liebe Frau Schmid,
Das empfinde ich genau so. Als Vater eines 10-jährigen Sohnes, stelle ich mit tiefer Befriedigung fest, dass sich unser Sohn und auch ganz viele seiner gleichaltrigen Gspänli und seine Teamkameraden seines Fussballteams sehr konsequent und vorbildlich an die Regeln halten und die Situation sehr ernst umsetzen. Ich applaudiere mit Ihnen gerne mit, in der Hoffnung, dass wir sehr bald wieder Kinder überall spielen sehen, und wir Erwachsene uns dann nicht mehr am Kinderlärm stören werden.....

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