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Der 11. Mai könnte dann bitte mal kommen

Uhr
Oliver
Fischer

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Seit vier Wochen sitzen wir mehrheitlich zuhause rum. Ihr erinnert Euch, Mitte März sind wir umgezogen, von Chur nach Winterthur. Am Montag, 16. März hätte das Kind zum ersten Mal in den neuen Kindergarten gehen sollen. Bekanntermassen wurde daraus nichts, denn ab genau diesem Datum waren alle Schulen und Kindergärten per Notrecht geschlossen. Seither heisst es bei uns, wie bei so vielen anderen, Homeoffice und Homeschooling. Wobei das bei Kindergärtnern natürlich nicht heisst Englisch, Mathe oder Geschichte sondern Malen, Backen oder Turnen.

Jetzt ist aber nicht nur das Kind immer zuhause, sondern damit zwangsläufig auch immer mindestens jemand von uns Eltern. Weil wir beide relativ problemlos im Homeoffice arbeiten können, sind wir auch oft alle drei daheim, wobei zwei arbeiten sollten und jemand gleichzeitig bespasst werden will. Und jetzt mal im Ernst: Wer sagt, im Homeoffice nebenher noch ein bisschen ein Kind (oder Gott bewahre mehrere Kinder) zu betreuen, das sei ja jetzt nicht so eine Sache – erst recht nicht für ein paar popelige Wochen – der kennt weder das eine (Homeoffice) noch das andere (Kinderbetreuung).

Acht bis neun Arbeitsstunden verteilt man da problemlos auf eine Zeitspanne zwischen sechs Uhr morgens und elf Uhr nachts – und fertig ist man dann nur mental und körperlich, aber sicher nicht mit der Arbeit. Und ich kann noch von Glück reden: Wir haben wie gesagt keinen Schulstoff in zig Fächern, den wir mit dem Kind auch noch durchbringen müssten. Wobei, wenn das Kind einigermassen selbständig an seinen Aufgaben arbeiten könnte, dann hätte man währenddessen ja womöglich selbst Zeit konzentriert zu arbeiten – ach was red ich da: «Hätte, wäre, Fahrradkette...» – oder so.

In normalen Zeiten ginge das Kind ja auch noch an drei Tagen pro Woche in die KiTa. Und die wäre im Prinzip ja auch geöffnet. Hat der Bundesrat so gefordert, weil systemrelevant. Weil aber bitte nur Kinder von Eltern in systemrelevanten Branchen hingehen sollen (dürfen), müssen wir uns nun eben anderweitig organisieren. Und Grosseltern sollen und wollen wir natürlich nicht beanspruchen.

Läuft also wieder auf Homeoffice und parallele Kinderbetreuung raus. Und ganz ehrlich: Darunter leiden nun wirklich alle. Wir Eltern, das Kind und unsere Jobs. Eine ziemliche «lose-lose-lose-Situation».

Nun bin ich ja weder Statistiker noch Epidemiologe noch sonst irgendwie ein Fachmann für Pandemien und das Coronavirus. Aber ich masse mir an, zu behaupten, ich hätte in den letzten Wochen sehr viel darüber gehört und gelesen – von den tatsächlichen Fachleuten und nicht von profilierungsneurotischen Politiker*innen und Unternehmer*innen. Und auch wenn mir klar ist, dass wir (also die Menschheit so als ganzes) noch immer ziemlich wenig über das vermaledeite Virus wissen, so scheinen mir die Argumente, warum die Schulen überhaupt erst komplett dichtgemacht wurden, schon nicht ganz schlüssig (und mit den meisten neuen Erkenntnissen ehrlich gesagt immer weniger). Wenns nach mir ginge, könnte der 11. Mai also gerne auch schon nächsten Montag sein.

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