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Die Frage aller Fragen

Uhr
Oliver
Fischer

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Das Kind ist ja jetzt doch schon fünf Jahre alt und geht seit bald einem Jahr in den Kindergarten. Es ist aufgeweckt und neugierig und interessiert am Leben und der Welt um es herum. Was es aber nie war, ist ein «Warum-Kind». Eines, das einen stundenlang mit einer unendlichen Abfolge an «Warums» auf jede weitere Antwort löchern konnte. Was nicht heisst, dass es keine Fragen stellte. Aber schon relativ früh waren das ziemlich konkrete Fragen zu Themen, von denen man jetzt nicht sofort annehmen würde, dass sie ein drei-, vier- oder fünf-jähriges Kind beschäftigen würden.

Es zeigte sich mir, rsp. uns Eltern, so, dass das Kind, nicht um des Fragens Willen fragte, sondern aus echtem Interesse an Dingen und Zusammenhängen. «Warum fliegen Astronauten in der Raumstation herum?» - wir schauten uns einmal eine Zeit lang viele Youtube-Videos der Nasa an. Auf die Antwort: «Weil die im Weltalt sind und dort gibt es keine Schwerkraft», kam kein simples «Warum?» zurück, sondern zum Beispiel ein «Was ist Schwerkraft?» oder «Kann ich dann im Weltall auch fliegen?» Aus diesen Gesprächen resultierte dann eine Weile lang der Berufswunsch Astronautin.

Was mir bisher auch erspart blieb, waren die unpassenden Fragen in den unpassendsten Momenten. Ihr wisst schon: Dinge wie in voller Lautstärke durch den Coop zu brüll-fragen: «Papa, wieso stinkt Gaggi?» Oder ein sorgenfreies: «Warum isch dä Maa dötta so tick?» Wobei ich sagen muss, ich halte Geschichten über solche Fragen ja oft für «urban legends» oder Zitate irgendwelcher Comedy-Programme, die man kürzlich gesehen hat.

Manchmal belustigend, manchmal eher nervend - wobei das vor allem von meiner Stimmung abhängt - empfinde ich mehr oder weniger sinnbefreite (aus meiner Sicht zumindest) Fragen wie: «Warum fahrt dia Frau so schnell Velo?» oder «Mit wem telefoniert de Maa dött ufam Bänkli?» Für meine, mal schmunzelnde, mal hilflose, mal genervte Antwort: «Woher soll ich das wissen, ich kenne den Mann/die Frau ja nicht» ernte ich meistens ein Augenrollen und ein nicht minder genervtes «Ou-kay». War wohl doch keine sinnbefreite Frage ...

Spannend wird es dann, wenn Fragen scheinbar völlig unvermittelt auftauchen, aber das Kind offensichtlich ernsthaft beschäftigen. So hat es kürzlich am Tisch gefragt: «Isch Dabetis eigentlich schlimm?» Nach kurzen Nachhaken wurde uns klar, dass es um Diabetes geht und dass eines der Kinder im neuen Kindergarten offenbar Diabetiker ist. Daraus wurde ein ausführliches Gespräch über diese und Krankheiten im allgemeinen, wie man damit umgeht, wie schlimm diese Krankheit ist und, ob man denn nie mehr Süsses essen dürfe mit «Dabetis». Das Schönste an dem Gespräch: das besagte Kind kommt uns bald zum Zmittag und Spiele-Nachmittag besuchen.

Und dann gibt es ja auch noch diese Cliché-Fragen, die Über-Fragen, die Fragen aller Fragen, die Mutter aller Fragen. Und die ist gefallen: «Warum isch eigentlich a Banana krumm?»

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