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Das Raumwunder Engadin

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Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

 

Dr. Hans Peter Danuser von Platen, 29. Januar 2020

 

Wer mehrere Winterdestinationen kennt und miteinander vergleicht, erlebt das Engadin als Raumwunder. Dieses Jahr noch ausgeprägter als sonst: 

Die schwarz-gefrorenen St. Moritzer und Silser Seen bescherten den zahlreichen Eisläufern, Wanderern, Kitern und anderen Sportlern ein unvergleichliche Raumgefühl – die grosse Freiheit in tiefer Stille. Raum und Ruhe sind gefragte Luxusangebote unserer Zeit, Balsam für gehetzte Seelen.

Vergleichbar grossartig ist das optische Raumempfinden beim Polo-Turnier auf dem gefrorenen St. Moritzersee, wenn auch viel lauter und spannender.

Seine Eisfläche ist etwa 35 Zentimeter dick und liegt 1770 m ü. M. auf dem 40 m tiefem Wasser. Das ganze Polofeld musste diesen Winter komplett mechanisch beschneit werden, ebenfalls das Geläuf für die nachfolgenden Pferderennen.

Wie gut das den verantwortlichen 'Infra-Leuten' gelungen ist, zeigten die äusserst schnellen Einsätze der vier Mannschaften – ein Schneepolo-Happening vom Feinsten, im 'Festsaal der Alpen', auf dem weiten 'Dach Europas'.

Ähnlich üppig erleben wir den Raum bei den Pferderennen, die im Februar seit über 100 Jahren auf dem See stattfinden, der längsten und flachsten Rennbahn der Schweiz. Gut 70 Zelte zählt das Festgelände, über 1000 Gedecke warten auf den verwöhnten Teil der 10 bis 15 000 Zuschauer pro Renntag.

Während Polo und White Turf perfekt zur Extravaganz von St. Moritz passen, ist der Engadin Skimarathon seit gut 50 Jahren ein Spitzenanlass, der exakt zum Engadin passt und dessen Raumweite richtiggehend zelebriert: 42 Kilometer über gefrorene Seen, durch lauschige Wälder, festliche Dörfer und dem höchstgelegenen, offen daliegenden Flughafen entlang.

Dieses gewaltige Feld ist für mich der Inbegriff des Raumwunders Engadin und sollte in seiner Natur möglichst so belassen werden, wie es heute ist.

Dass der Flughafen baulich optimiert und die Landepiste allenfalls den modernen Anforderungen angepasst werden muss, leuchtet ein.

Dass aber der ganze Platz mit einem 3 Kilometer langen , hässlichen, über drei Meter hohen Stacheldrahtzaun samt neuer Unterhaltsstrasse für fast 3 Mio. Franken vom übrigen Tal abgesperrt werden soll, ist in jedem Falle zu verhindern. Das mag zu einer Kaserne oder einem Gefängnis im Unterland passen, aber sicher nicht ins Feriental Engadin.

Ferien heißt immer auch Freiheit. Halten wir allen den Blick frei über und auf die prachtvolle Flugplatzebene von Samedan! Für uns Einheimische und unsere Gäste, die diesen Zaunfrevel an unserer Landschaft nie verstehen würden.

Weder das Schweizer Luftamt noch die Zollverwaltung verlangen diesen Zaun. Von den gut 50 Flugplätzen der Schweiz sind nicht einmal die Hälfte eingezäunt, und ausgerechnet das Engadin soll jetzt zäunen. Seit 60 Jahren ist auf dieser Ebene kein relevanter Unfall wegen Fussgängern oder Wild bekannt. Die Straßen und RhB-Trassees sind viel gefährlicher und auch nicht eingezäunt.

Ein solcher Zaun ist immer auch ein negativ belastetes Symbol für Zwang, Einschränkung und Lager aller Art, mit oder ohne Wachtürme. Und gleich daneben die UNESCO-Welterbe-Strecke der RhB! Dieser Zaun passt einfach nicht ins Engadin und zerstört optisch und mental viel mehr als dass er nutzt.

Wie oben gezeigt, ist das Engadin ein Raumwunder und hat diese wichtige Qualität allen anderen Feriendestinationen in den Bergen unkopierbar voraus.

Halten wir Sorge dazu, und setzen wir unsere Landschaft nicht fahrlässig aufs Spiel!

 

PS: Ab heute werden Unterschriften für eine Petition gegen den Samedaner Flughafenzaun gesammelt: info@forum-engadin.ch und Tel. 081'854 3762.

Die Schweizer Stiftung für Landschaftsschutz, Pro Natura und WWF unterstützen die Petition. Gestern Abend hatte die Gemeinde Bever das Thema traktandiert, Samedan folgt am 17. Februar.

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Finde ich super. Als Giubiler des Engadin Skimarathon werde ich die Petition gegen den Zaun unterstützen. Kann ich das als Nordbündner mit meiner Unterschrift auch? Ist es möglich dass die 175 Giubilers aus den übrigen Kantonen auch eine Unterschrift leisten könnten. Ich würde mich hier gerne aktiv einbringen.

„Ein solcher Zaun ist immer auch ein negativ belastetes Symbol für Zwang“!

Da hat der „Mister St. Moritz“ wieder einmal recht! Da gibt es Leute, die mehr kaputtmachen was andere während Jahren aufgebaut haben. Man sollte einfach mehr solche Leute wie Danuser haben, dann wäre die Welt in Ordnung. Ein solcher Zaun darf nicht als Fremdkörper dastehen, da kann man nicht einfach irgendetwas hinstellen, was nicht passt! Schliesslich ist die Natur das Kapital, nicht nur von St. Moritz sondern der ganzen Schweiz. Da kann man nicht einfach irgendetwas hinstellen, was nicht passt!

Ich beobachte in letzter Zeit vermehrt, dass der moderne Mensch verblödet, hauptsächlich deshalb, weil er es zu bequem hat, weil er zu faul und zu feige ist, sich selbst auf die Suche nach seinem eigenen Wissen und seiner eigenen Intelligenz zu machen. Vielen Leuten wird in dem letzten Jahrzehnt folgendes Phänomen nicht verborgen geblieben sein: Der Großteil der Menschheit verblödet zunehmend und das schlimme ist, kaum jemand stört sich daran! „Heute haben wir es oft mit Artificial Stupidity als mit Artificial Intelligence zu tun. Zitat: Andreas Hieke, derzeit kritischster Physiker des Silicon Valley.“

Wir leben in einer eigenartigen, auch faszinierenden Zeit. Gegenüber dem Schönen scheint das Böse immer mehr die Oberhand zu gewinnen.
Also sollten wir die Stimme erheben... Wir brauchen wieder mehr Mut, um solche Schandtaten zu verhindern.
In diesem Sinne Hut ab Mister Danuser, genau diesen Pioniergeist vermisse ich je länger desto mehr.

Giacumin Bass 7537 Müstair