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Wohin in die Ferien?

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«Muttergottes vom Felsen», Gospa od Skrpjela, Perast, BILD ZVG
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Wer knapp unter der Waldgrenze wohnt, sehnt sich nach einem langen Winter voller Eis, Schnee und Corona-Problemen nach einem Tapetenwechsel in Wärme, Ruhe und Sicherheit. Meine Empfehlung für dieses Jahr ist Montenegro an der Adria zwischen Kroatien/Dubrovnik und Albanien. Warum gerade dieses kleine Land mit gut 600'000 Einwohnern auf einer Fläche, die etwa einem Drittel der Schweiz entspricht?

Dafür gibt es sachliche und persönliche Gründe.

Zuerst zu den Facts: Montenegro verzeichnete 2019 den größten Gästezuwachs aller Länder in Europa: + 21,4 Prozent! Das Land ist für jeden Touristiker eine Entdeckung und Überraschung in seiner Vielfalt, Authentizität und Gastfreundschaft. Die gegen 300 Kilometer Adriaküste bieten Traumstrände bis zu 13 Kilometer lang und ohne Rummel – sind aber erst der Anfang.

Die tiefblaue Bucht von Kotor ist der südlichste Fjord Europas - ein landschaftliches Juwel. Dazu kommen die historischen Küstenstädtchen mit UNESCO Welterbe-Stätten und Romantik. Zehn Prozent der Landesfläche sind National Pärke, teils ebenfalls mit UNESCO Label geadelt.

In den letzten zehn Jahren hat Montenegro seine touristische Infrastruktur und Dienstleistungen sorgfältig ausgebaut und systematisch weiterentwickelt. Einer der frühen Investoren, der mittlerweile auch einen Montenegriner Pass hat, ist der Ägypter Samih Sawiris, der in der Schweiz durch sein erfolgreiches Engagement in Andermatt und der Skiarena mit Sedrun und bald auch Disentis bekannt ist.

Sein Hotel Resort 'The Chedi Lustica Bay' ist heute eine Art Flaggschiff des modernen Montenegro und gleichzeitig die wohl erste Resort-Adresse der gesamten Adria. Sawiris selbst ist einer der glaubwürdigsten Botschafter seiner Wahlheimat am Mittelmeer, der auch mich schon vor Jahren überzeugt hat, Montenegro ins Visier zu nehmen.

Tatsächlich war ich vor 50 Jahren bereits einmal dort: als Rucksacktourist per Autostopp. Zwischen zwei Militärdiensten war ich drei Monate unterwegs in etwa 15 Ländern des östlichen Mittelmeers.  Bis Dubrovnik kam ich locker, aber weiter gab es im Mai keine Privatautos mehr. Folglich war ich fortan auf Bus, Zug und Schiff angewiesen.

So lernte ich Montenegro als richtiges Gebirgsland kennen, das mir vor allem durch seine aufgestellte, freundliche und offene Bevölkerung in Erinnerung geblieben ist. Die Flaniermeile desCorso' in der Hauptstadt Titograd, heute Podgorica war unvergesslich: Bis Mitternacht sass ich in einem Strassenbistro und erlebte eine fröhliche, jugendliche Flanierszene, wie ich sie auf jener Reise nur noch in Tel Aviv am Diessengoff Square und in der Altstadt von Bozen genossen hatte. Die Leute waren im damaligen Jugoslawien zwar arm, aber äusserst lebensfroh, spontan und interessiert.

Seither ist Montenegro für mich eine Art «Südtirol der Adria». Die Landessprache ist uns zwar fremd, doch schon damals sprachen viele ganz gut Englisch ...

So unbekannt und exotisch uns Montenegro heute noch ist, so einfach ist es erreichbar. Zwischen Zürich und Podgorica hat die staatliche Montenegro Airline eine Luftbrücke etabliert, die im Winter dreimal und im Sommer sechsmal wöchentlich verkehrt; Flugzeit: 1 Std. 45 Min. Preis: 167 Franken, online gebucht für Retour-Ticket, Catering und Gepäck. Dazu gibt es günstige Familientarife.

Wer mehr Zeit und Muße hat, sollte den «Königsweg» nach Montenegro wählen: mit dem Auto oder Kamper via Istrien auf der alten Küstenstrasse entlang der Adria über Dubrovnik in die Bucht von Kotor und weiter zu den touristischen «Filetstücken» dieser neuen Traumdestination. Gute Reise!

 

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