×

Kirche und Tourismus

Uhr
Gedenkstein. BILD ZVG
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Neulich hatten wir bei Bever einen ganz speziellen Alphorn Einsatz. Vor exakt 50 Jahren hatte ein St. Moritzer Stammgast dort durch einen Flugzeugabsturz seine erste Familie verloren: Seine Frau und die beiden Kinder waren tot, und er selber kämpfte in der Folge mehrere Jahre um sein seelisches Überleben. Heute hat er eine neue Familie mit Frau, vier Kindern und vier Enkeln.

Zur Erinnerung an die drei Verstorbenen und den damaligen Schicksalsschlag enthüllte er nun an der Absturzstelle einen Gedenkstein in Anwesenheit seiner jetzigen Familie und Freunden. Michael Landwehr, der evangelische Pfarrer von Samedan, gestaltete die schlichte Feier; wir spielten Melodien aus Schubert's Deutscher Messe und Brahms' erster Sinfonie samt Schweizer Chorälen ...

Während hierzulande die Kirchen aller Konfessionen gegen Besucherschwund kämpfen, ist die Nachfrage nach kirchlicher Betreuung und Dienstleistung seitens Feriengäste in den letzten Jahren eher angestiegen.

Sinnstiftendes Reisen und spiritueller Tourismus liegen im Trend: Pilger- und Wallfahrtsorte verzeichnen Rekordfrequenzen: Oberammergau, Jakobsweg, Assisi, Rom, Mekka - um nur einige zu nennen.

Die Schweiz ist als Heiratsland beliebt, was gerade St. Moritz immer wieder in

die Schlagzeilen bringt. Angebote wie «Kirchen am Weg der Grand Tour of Switzerland» oder der Herzroute, Gottesdienste im Grünen oder Weißen sind thematische Plattformen, auf denen ein reger Austausch zwischen touristischen und kirchlichen Akteuren stattfindet.

Das hat Anfang Februar auch dazu geführt, dass in Bern ein Verein «Kirchen & Tourismus Schweiz» gegründet wurde. Michael Landwehr ist Präsident, Kollegen aus Kirche und Tourismus aus allen Landesteilen stellen den Vorstand, u.a. auch Prof. Christian Cebulj, Rektor der Theologischen Hochschule Chur.

Die Schweiz ist ein Tourismusland par Excellance. Es steht ihr gut an, mit diesem Einbezug der Kirchen in die touristische Realität eine Pionierrolle zu spielen.

Die oben geschilderte Gedenkfeier ist ein Beispiel für den Bedarf und die Wirkung solcher Einsätze. Der Stammgast, der heuer 80 wird und seine Ferien seit über 60 Jahren im Engadin verbringt, war bewegt und glücklich nach dem kleinen Gottesdienst. «Jetzt bin ich meiner geliebten Ferienheimat emotional nochmals näher gerückt», vertraute er mir später an. Das ist Musik in den Ohren eines Touristikers. Ferien sind ein sehr emotionales Geschäft, bei dem der Seelsorge durchaus eine bedeutsame Rolle zukommen kann.

Kommentar schreiben

Kommentar senden