×

Du, ich und die Kommunikation

Uhr
PIXABAY
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich habe letztens ein Buch gelesen, das mich seit langem wieder zum Nachdenken angeregt hat. Im Grunde ging es darum, dass ein Ehepaar gemeinsam eine Therapie besuchte, um ihre Beziehung zu retten. Dabei lernten die Eheleute, dass sie eigentlich komplett aneinander vorbeigelebt und in den Jahren der Beziehung gar nicht gemerkt haben, wie sehr der jeweils andere eigentlich leidet.

Das Buch konnte ich nur schwer weglegen und habe es innerhalb von einem Tag quasi verschlungen. Es ist nicht direkt die Geschichte, die einen so fesselt, vielmehr ist der Leser fasziniert, wie schwierig es den Beiden fällt, offen miteinander zu reden.

Es ist fast schon frustrierend zu lesen. Ich habe das Verlangen, die Eheleute einmal so richtig durchzuschütteln und ihnen begreiflich zu machen, dass sich ihre Probleme in Luft auflösen würden, wenn sie sich doch nur gegenseitig aktiv zuhören würden.

Der Leser schaut hilflos dabei zu, wie das Paar immer wieder an denselben Punkten scheitert und sich im Kreis zu bewegen scheint. Das Kernproblem dabei? Die Kommunikation.

Als ich die letzte Seite dann gelesen habe, musste ich erstmal leer schlucken. Steve und Charlotte sind nicht die einzigen, denen das ehrliche Kommunizieren schwerfällt. Ich gehöre definitiv auch dazu und mag es wagen zu behaupten, ein Grossteil von euch ebenfalls.

Aber warum fällt es uns so unglaublich schwer, miteinander zu reden?

Als erstes: Wir sprechen nicht gerne über negative oder schwierige Themen.

Diese schwierigen Gespräche umschiffe ich gerne gekonnt, indem ich auf etwas Banaleres ablenke. Oftmals benutze ich auch die Worte: «Ist schon okay», wenn überhaupt nichts okay ist. Nur, um das wirkliche Problem nicht ansprechen zu müssen.

Zweitens: Vertrauen macht verletzlich.

Um ehrlich kommunizieren zu können, muss man vertrauen wollen. Du vertraust der Person, dass sie dir alles bedingungslos mitteilt und vice versa. Schön und hässlich, gut und schlecht.

Ehrlichkeit und Offenheit machen verletzlich und ja, der Gedanke daran jagt mir eine Heidenangst ein.

Drittens: Es kann weh tun.

Unter die Kategorie «ehrliche Kommunikation» gehören natürlich auch die schönen Sachen wie Komplimente oder Liebesgeständnisse, aber genauso wichtig sind die Schattenseiten. Die nicht so guten Seiten des Partners, Probleme und Unzufriedenheit anzusprechen, kann den jeweils anderen verletzen und das macht (hoffentlich) niemand gerne.

Einen Guide zur richtigen Kommunikation habe ich nicht. Vielleicht hätte das ein Therapeut und davon bin ich meilenweit entfernt.

Ich möchte mir selbst aber für meine nächste Beziehung vornehmen, mich das eine oder andere Mal dazu durchzudringen, etwas Unschönes anzusprechen und es nicht einfach unter den Tisch zu kehren. Eine Sache auch einmal auszudiskutieren, so mühsam und schwer es auch sein mag und nicht einfach klein beigeben, um dann im Stillen weiter wütend zu sein oder inmitten des Gesprächs aus dem Raum zu stürmen.

Natürlich muss nicht jede Kleinigkeit angesprochen werden, aber bei den wichtigen Dingen aktiv aufeinander zugehen, scheint mir wichtiger denn je. Wer weiss, vielleicht ist das ja der Schlüssel zu einer erfolgreichen Beziehung, den ich so lange gesucht habe?

Ich werde es euch wissen lassen und bis dahin: liebt euch selbst ein bisschen!

PS: Das Buch heisst «Liebe ist die beste Therapie» von John Jay Osborn. Sollte sich jemand gerade inspiriert fühlen, sich ebenfalls durch Steves und Charlottes Geschichte zu lesen.

Kommentar schreiben

Kommentar senden