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Wie ich mich fomos selber sabotiere

Wie ich mich fomos selber sabotiere

vor 2 Monate in
Blogs
Smombies in freier Wildbahn.
SYMBOLBILD/PIXABAY

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich bin ein Freund von Wortspielen. Das geht wohl einher mit meiner Tätigkeit als Schreiberling. Warum ich Euch das erzähle? Nun, man könnte meinen, dass sich im Titel zu meinem heutigen Beitrag ein Schreibfehler eingeschlichen hat. Dem ist nicht so. «Fomo» steht für «fear of missing out». Gemäss Wikipedia «eine Form der gesellschaftlichen Beklemmung/Angst/Besorgnis. Das Phänomen beschreibt die zwanghafte Sorge, eine soziale Interaktion, eine ungewöhnliche Erfahrung oder ein anderes befriedigendes Ereignis zu verpassen und nicht mehr auf dem Laufenden zu bleiben.»

Die Angst, etwas zu verpassen ist im Moment wohl vernachlässigbar – zumindest flirttechnisch. Es läuft ja eh nix im Moment. Das übliche Real-Life-Flirt-Revier ist ausgestorben.

Fomo hat für mich aber noch einen weiteren Aspekt, der zum Thema des Singleblogs passt. Seit jeher rede ich mir immer wieder ein, mich nicht auf eine Beziehung einlassen zu können, weil da ja noch was Besseres, Schöneres, Atemberaubenderes kommen könnte. Das war so, als ich in meinen Teenager-Flegeljahren war – damals ging es mehr um Ferienflirts und die Überlegung, vielleicht doch noch bei der Bikini-Strandschönheit landen zu können – und ist irgendwie auch heute noch so.

Vor kurzem hat ein Freund die Vermutung geäussert, dass ich irgendwie nach einem Playmate (für die jüngeren Leser*innen: so nannte man die Damen, die im Playboy abgelichtet waren. Das war noch vor der sexuellen Reizüberflutung im Internet. UND die Artikel und Reportagen in der Zeitschrift waren und sind im Fall wirklich sehr spannend und gut geschrieben). Mein Freund vermutet also, wohl zurecht, dass ich mich zu sehr nach einem Superschuss (meine Mutter nennt meine präferierte Zielgruppe «Feenwesen») sehne und dabei die tollen Frauen verpasse, die vielleicht auch Interesse an mir hätten.

Wie der geneigte Singleblog-Leser weiss, hat sich noch kein Playmate nachhaltig für mich interessiert. Ich will gar nicht wissen, wie viele Interessentinnen ich verpasst habe, weil ich falsch fokussiert war.

Es ist ja so ein Ding mit uns Singles. Wir lamentieren darüber, unsere grosse Liebe nicht zu finden. Wir ziehen unsere Runden im Selbstmitleids-Pool (davon habe ich hier auch schon berichtet) und sehen nicht, wenn die genau richtige Frau am erwähnten Pool steht und uns die Hand reicht, um auszusteigen.

Fomo ist nicht unbedingt eine Erscheinung der heutigen Zeit. Die Angst, etwas zu verpassen, gab es auch schon früher. Durch digitale Medien, unsere Timelines und Swipe-Apps ist das Phänomen noch grösser geworden. Unser Smombie-Dasein (Smartphone-Zombie) sorgt nicht nur dafür, dass wir aus Unachtsamkeit häufiger in Laternenmasten laufen und öfter überfahren werden, sondern auch dafür, dass wir eben genau unser Leben und die Chance auf die wirkliche grosse Liebe verpassen. Das grössere Glück könnte ja nur einen Swipe weit entfernt sein.

Fuck you fomo. Ich versuche, ab sofort mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen. Ich entschuldige mich bei allen Mädchen und Frauen, die ich nicht richtig wahrgenommen habe und ich bitte sie gleichzeitig darum, mir vielleicht hin und wieder mit dem Vorschlaghammer bewusst zu machen, dass sie da sind. Es könnte ja sein, dass ich auf meinem Handy grad die Wetter-App checke.

In diesem Sinne: Augen auf beim Über-die-Strasse-Gehen. Wir könnten die Liebe unseres Lebens verpassen – und überfahren werden. Beides blöd.

Passt auf Euch auf

Euer Singlebock

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