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Wer ist Adam Quadroni wirklich?

Die «Weltwoche» zeichnet ein etwas anderes, kritischeres Bild des Bündner Informanten. Sie hat mehrere hundert Betreibungen ausgegraben.

Südostschweiz
Donnerstag, 31. Mai 2018, 13:29 Uhr Neue Informationen auf dem Tisch
Die «Weltwoche» befasst sich in ihrer neusten Ausgabe mit dem Status von Adam Quadroni.
FOTO TITELBILD «WELTWOCHE»

«Falscher Heiliger», so titelt am Donnerstag die Weltwoche und lässt den Bündner Informanten Adam Quadroni vom Titelbild schauen. Er habe das halbe Tal über den Tisch gezogen und gar seine Geschwister um ihr Erbe gebracht, heisst es im Artikel.

Der Ramoscher Adam Quadroni ist seit einigen Wochen schweizweit bekannt. Der ehemalige Unterengadiner Bauunternehmer hatte 2012 die Untersuchungen der Wettbewerbskommission (Weko) im Falle der Bündner Preisabsprachen ins Rollen gebracht. Zuvor soll er bereits bei verschiedenen Amtsträgern bzw. Behörden mit seinem Wissen vorstellig geworden sein, ohne dass jemand reagiert haben soll. Dies ist derzeit Gegenstand von Untersuchungen. Klar ist jedoch: Die Weko büsste kürzlich mehrere Baufirmen mit insgesamt 7,5 Millionen Franken. Es handelt sich um den grössten Fall von Bauabsprachen, der bisher in der Schweiz aufgedeckt worden ist.

Aber zurück zum Artikel der «Weltwoche»: Das Onlinemagazin «Republik» habe Quadroni zur nationalen Lichtgestalt gemacht. Und auch die «Schweizer Illustrierte», die SRF-Sendung «Rundschau» und andere Medien hätten die «herzzerreissende Geschichte eines Aussteigers, der dem Baukartell mutig die Stirn bot und dafür brutal abgestraft wurde», den Lesern und Zuschauern vermittelt.

In der Folge startete ein Student im Internet gar eine Spendenaktion für den Mann, der gemäss eigenen Aussagen nur noch um seine drei Töchter kämpft. Noch zwei Tage verbleiben bis zum Ende der Aktion. Über 260'000 Franken sind bisher zusammengekommen. Der Student ist der Meinung, dass der Mann, der wegen des Bauskandals alles verloren hat, wenigstens seine Töchter wieder sehen soll. Unterstützt wird er dabei von Alt-Bundesrichter Giusep Nay, der für Quadroni «seine Hand ins Feuer» legen würde. Für den Mann, der wegen seines Informanten-Status Firma, Vermögen und Familie verloren haben soll und letzten Sommer – gemäss Quadronis eigenen Aussagen unbegründet – verhaftet und für vier Tage in die Psychiatrie eingewiesen wurde.

Unzählige Betreibungen

Die «Weltwoche» zeichnet ein anderes Bild: Der Konkurs seiner Firma und die Verhaftung im letzten Sommer seien nicht die Folge seines Informanten-Status. Die finanziellen Probleme würden lange vor dem Bekanntwerden der Bauaffäre liegen. Die Verhaftung sei die Folge von Drohungen an seine Frau und Kinder. Diese Informationen sind nicht neu, das Magazin hat aber noch etwas tiefer gegraben.

Nicht nur im Unterengadin, sondern auch von Chur bis nach Zürich und Bern finde man Geschädigte von Quadroni. Der Informant habe Lieferanten, Kunden und Arbeiter jahrelang um ihr Geld und ihren Lohn geprellt. Aber auch der Kanton, der Bund und die Sozialversicherungen seien um ihr Geld gebracht worden.

Die «Weltwoche» blickte für ihre Recherchen ins Betreibungsregister und ins Schuldenverzeichnis. Bereits 2001 musste sich Quadroni demnach mit 28 Betreibungen auseinandersetzen. Also 11 Jahre bevor die Weko überhaupt ihre Untersuchungen im Bauskandal startete. Und es wird noch düsterer. Zwischen 2001 und 2011 wurde die Firma von Quadroni laut «Weltwoche» über 270-mal betrieben. Es handelte sich um eine offene Summe von beinahe vier Millionen Franken. Dazu kamen gemäss den Recherchen des Magazins private Ausstände von mehr als einer Viertelmillion.

2014 ging die Firma von Quadroni schliesslich Konkurs. 2015 folgte der Privatkonkurs. Dennoch dürften viele betrogene Kleinunternehmer in der Region kaum mehr auf ihr Geld hoffen, wie es weiter heisst. In der Rangliste der Gläubiger stehen sie ganz hinten. (koa)

Welche Darstellung von Adam Quadroni findet Ihr glaubwürdiger?

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Geschätzte Redaktorinnen, Journalisten und Kommentatoren der Südostschweiz

Ihre Zeitung hebt einen Warnrufer mit Namen und Gesicht auf den medialen Präsentierteller, stellt dessen Glaubwürdigkeit in Frage und lässt per Mehrheitsabstimmung darüber befinden.

Gewiss ist die Mehrheit im Allgemeinen ein guter Gradmesser, quasi ein mehrfach erweitertes Vieraugenprinzip. Wie treffsicher ist sie hier, in Sachen Baukartell? Eine Mehrheit von Bauunternehmern hat jahrelang die Allgemeinheit um 100 Millionen geschädigt, von der Mehrheit der Behörden unentdeckt. Was haben diese Mehrheiten zur Wahrheitsfindung beigetragen?

Wissen oder ahnen Sie, was es bedeutet, aus so einem System auszusteigen, für eine heimatverwurzelte naturverbundene Familie, die in zweiter Generation in dörflichem Umfeld ein Baugeschäft betreibt? Seit 15 Jahren, das ist die Dauer einer ganzen Kindheit. Was denken Sie, was in diesen Jahren an Existenzdruck, Destabilisierung, Kettenreaktionen und Wechselwirkungen auf eine fünfköpfige Familie einwirkt?

Bitte: hier hat ein System versagt. Aufarbeitung heisst, dessen Wirkmechanismen anzuschauen und die menschlichen sowie sozialen Schädigungen nachhaltig einzudämmen. Wählen Sie dafür die richtigen Leute!

Dass das SVP-Zentralorgan "Weltwoche" das Ganze "etwas anders zeichnet" oder vielmehr viel mehr anders zeichnet - wen wunderts?
Dass die Unterengadiner Baufimen plusminus nicht gerade Überhochkonjunktur haben, schrieb doch sinngemäss bereits Masüger. Aber wieviele Betreibungen welche Baufirma gehabt haben soll, lenkt weg vom Thema - ein alter Kniff gewisser "Lenker" - das Entscheidende ist: 1. Der Whistleblower hat den Skandal aufgedeckt, 2. Warum hat niemand sonst das aufgedeckt (und die Missstände liefen lange, es kann also niemand sagen, ICH meldete es nicht, weil ich gerade Mittagsschlaf machte). 3. Die Kantonspolizei unter -Kommandant Schlegel machte offenbar eine Bestrafungsaktion aus der Festnahme, denn warum man mit x-Polizisten in Kampfmontur sich auf einen einzigen einzelnen alleinigen "unbewaffneten Nichtterroristen" stürzen muss mit derartigen wie im BLICK geschilderten Schäden (Unverhältnismässigkeit, "mit Kanonen auf Spatzen schiessen"?) - was offenbar sogar dem Bezirksarzt auffiel, denn offenbar deswegen forderte er Quadroni auf, zu sagen, die Verletzungen stammen von seiner Frau statt von der Polizei, wodurch dieser Arzt ebenfalls "sich positionierte"... was mich ans Vergissmeinnicht (nein, das vergess ich nie) erinnert, wo "die Obrigen" zusammenhielten gegen die Schwächeren (Zufall, dass beides im Unterengadin sich abspielt?):
Siehe Kommentar:
http://www.feglufficialsurselva.ch/leserbriefe/2018-05-21/regierungsrat…
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2018-05-17/deja-vu
https://www.suedostschweiz.ch/panorama/2015-06-08/center-da-sanda-engia…
Übrigens, die Weltwoche scheint "Skandale" immer so aufzudecken, dass es zugunsten der Starken/Reichen geht.
DAS sollte das Entscheidende für die Leserschaft und Nichtleserschaft der Weltwoche sein.

Der grundlegende Fehler der Weltwoche liegt darin, dass sich Adam Quadroni ab 2003 aus dem Baukartell, der durch die Weko nicht als gesetzwidrig betrachtet wurde, zurückzog. Deshalb begannen seine grossen finanziellen Schwierigkeiten bereits hier (!) und nicht erst 2012, als die Weko mit ihrer Untersuchung der Jahre 2004 bis 2012 begann. Der umfassende Bericht auf republik.ch legt den Zusammenhang zwischen diesem Schritt und seinem schliesslichen Konkurs klar dar. Dass jemand, der in Konkurs fällt, viele Betreibungen hat und dass Gläubiger dann zu Schaden kommen, ist nichts aussergewöhnliches. Wie hoch der Schaden sein wird, wird sich erst weisen, da auch nach 4 bzw. 3 Jahren das Konkursverfahren noch nicht soweit gediehen ist, dass das gesagt werden könnte. Das Gleiche gilt für die zwei einzelnen Strafklagen gegen ihn, die noch nicht an die Hand genommen wurden. Ach gegen Herrn Qudroni muss die Unschuldsvermutung gelten, die symptomatischerweise bei Whistleblowern nie - wie sonst streng gehandhabt und es journalistische Pflicht ist - Erwähnung findet. Nachtrag: Was die Weltwoche schreibt, ist weniger als die halbe Wahrheit und damit sind es Lügen. Sie zählt alle längst erledigten Betreibungen auf, ohne diese ganz wesentliche Tatsache zu erwähnen. Adam Quadroni wird sich zu wehren wissen. Auch mit diesen allen Anschwärzungen erleidet er das leider ganz typische Schicksal eines Whistleblowers und er braucht daher um so mehr die Hilfe mit dem Crowdfunding "Hilfe für Whistleblower" auf wemakeit.ch.

Nachtrag: Was die Weltwoche schreibt ist weniger als die halbe Wahrheit. Sie zählt alle längst erledigten Betreibungen auf, ohne diese ganz wesentliche Tatsache zu erwähnen- Adam Quadroni wird sich zu wehren. Auch mit diesen allen Anschwärzungen erleidet er das leider ganz typische Schicksal eines Whistleblowers und er braucht daher umsomehr die Hilfe mit dem Crowdfundig "Hilfe für Whistleblower auf wemakeit.ch.

Kommentar von Cla Quadroni, eingefügt von unserem Online-Mitglied Claudio Candinas im Auftrag:

Richtig Herr Nay, in der Weltwoche steht tatsächlich weniger als die halbe Wahrheit. Einfach, weil die ganze Wahrheit unerträglich ist.

Wahr ist auch, dass Adam Quadroni bereits Ende der 90er Jahre Geld aus der Pensionskasse unseres Vaters für sich beanspruchte und nie zurückzahlten konnte und sich dann 2002 ohne das Wissen seiner Geschwister, sämtliche Liegenschaften und Grundstücke der Familie als Erbvorbezug sicherte. Diese bis unter sDach und darüber belastete und deswegen auch mit Banken im Rechtshändel stand.

In den Folgejahren zahlte er trotz gutem Geschäftsgang die Steuern und Sozialleistungen in jährlich gut sechsstelliger Höhe nicht. Als Folge bekam er von der öffentlichen Hand keine Aufträge mehr. Um wieder offerieren zu können konstruierte er jeweils nach Bedarf neue Firmen.

Adam hätte uns Geschwister laut Erbvertrag einen festgelegten Betrag für die Aktien zahlen müssen - diese hat er inzwischen laut Blick verkauft.

Ein grösseres Darlehen erschlich er sich 2012 von mir unter dem Vorwand noch offene Debitoren zu haben. Später bestritt er je Geld erhalten zu haben. Der unterschriebene Vertrag sei nur ein Entwurf gewesen... Vor dem Richter hatte diese Lüge keinen Bestand.

Adam hat sich immer gut um die Eltern gekümmert. Unschön nur, dass er zuletzt auch noch unsere Mutter in die Insolvenz trieb und ihr persönliches Erbe veruntreute.

Dies war der Grund weshalb ich Mutters Erbe ausschlug.

Im Bericht der Republik ist „das Baumeister-Kartell“ Nebensache.

Dafür werden Geschichten, in denen entscheidende Details fehlen aufgebauscht.

Herr Durband hat mehrfach in der SO über die Preisabsprachen und auch über die häusliche Gewalt berichtet, doch das Interesse war gering.

Die WEKO hatte sich der Sache ja schon angenommen, der Polizeieinsatz war einer von vielen und die verschiedenen Konkurse hat Adam selbstverschuldet.

Wir alle sind auf AQ hereingefallen - das gibts - und nun verteidigt ein ehemaliger Bundesrichter sein Tun und stellt die Geschädigten in ein schlechtes Licht.

Wieviel Unrecht haben Sie wohl mit dieser Haltung in Lausanne gesprochen?

Sämtliche Belege sind vorhanden und einsehbar.

Aktuelle Forderungen von Sozialleistungen sind im Kantonsblatt GR publiziert.

Man könnte auch meinen "wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen" oder "ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt sich's ungeniert". Mit meiner übrigen Meinung möchte ich nicht nach aussen gehen!

Oh weh Oh weh Der Glanz von Hr. Quadrone blättert langsam ab, 270 Betreibungen sind schon deftig, da kommt doch der Verdacht auf, das es sich bei dem Herrn um einen Wirtschafts Betrüger handelt, der Arglistig Leute täuschte. Als I Tüpfelchen kammen noch enorme Spendengelder zustande, die man meiner Meinung den Leuten sofort wider zurückbezahlen sollte. Ich nehme mal an das,das zuständige Betreibungs und Konkursamt die Vorwürfe näher Anschaut wie ggf, gegen den Herrn Quadroni eine Strafanzeige einreicht. Man kann gespannt sein was die Medien noch weiter über Hr. Quadroni herausfinden wie berichten. War am Schluss der Polizei Eiinsatz gar gerechtfertig,, Oh Mann dann hätte Ja Hr. Quadroni fast jeden getäuscht, Ich möchte nicht daran denken, was dann für rechtliche Schritte von Seiten der Justizbehörden folgen könnten.

Noch interessanter ist, dass die Bündnerpresse von dem nichts wusste und nun die verhasste Weltwoche, so wie es aussieht in die ganze Quadroni Sache Licht bringt und einem Professor bald die Hand abbrennt. Es kommt mir halt leider der bekannte Spruch eines Dichters in den Sinn, wenn man ins Bündnerland kommt, beginne nun das Land der Räuber und Banditen, hat was sehr wares dran. Jeden Tag neue Räuber und Banditen Geschichten. Der Imageschaden???????

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