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Roffler: «Als Bauer arbeitet man sehr viel, das ist Realität»

Trotz strengem Arbeitsalltag auf dem Bauernhof: Die Zahl der Lehrlinge in Glarus und Graubünden ist konstant. Aber die Ausbildner haben noch Hausaufgaben zu erledigen.

Simone
Zwinggi
Dienstag, 27. März 2018, 13:48 Uhr Strenge Ausbildung
Das Leben als Landwirt ist von viel und harter Arbeit geprägt. Das lernen die angehenden Landwirte schon in der Lehre.
ARCHIV/MONTAGE: SO.CH

«Dass die Arbeitsbelastung der Landwirte sehr hoch ist, ist keine neue Erkenntnis», sagt Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbandes. Er reagiert scheinbar gelassen auf die Artikel im «Blick» über Lehrabbüche in der Landwirtschaft. Die Lehrlinge seien von ihren Lehrmeistern ausgenützt worden, 55 Arbeitsstunden pro Woche und mehr seien keine Seltenheit gewesen, heisst es dort.

Realitätsnahe Ausbildung

Die meisten Landwirte seien selbstständig erwerbend, führt Roffler aus. Man arbeite mit eigenem Eigentum, was oft grossen Einsatz erfordere und zeitintensiv sei. «Deshalb wäre es nicht richtig, wenn in der Ausbildung ein falsches Bild des Landwirte-Berufs vermittelt würde. Man arbeitet als Bauer sehr viel, das ist einfach Realität.»

Ist es also ein Vorteil, wenn man das Bauernleben von klein auf kennt? «Wir verzeichnen in Graubünden eine starke Zunahme von Lehrlingen, die nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen sind», hält Roffler fest. Dies seien starke junge Leute, die aus Eigeninitiative diesen Beruf erlernen würden. «Vermehrte Lehrabbrüche gibt es bei diesen Personen nicht zu verzeichnen.» Die Ausbildungszahlen seien insgesamt erfreulich, so Roffler.

«Nicht in dieser Intensität»

Auf etwa 175 beziffert Thomas Vetter die Anzahl Landwirte-Lehrlinge in Glarus und Graubünden. Vetter ist Bereichsleiter Bildung und stellvertretender Direktor am Plantahof, der Ausbildungsstätte für Landwirte in Glarus und Graubünden. Diese Zahl entspreche einem langjährigen Mittel. Die hohe Arbeitsbelastung sei auch an der heutigen Lehrmeister-Tagung ein Thema. «Die Landwirte-Ausbildung ist schweizweit geregelt. Wir vom Plantahof setzen Vorgaben und Standards um, die für alle gleich sind», so Vetter. Auch in die Kontrolle dieser Vorgaben ist Vetter involviert. Pro Jahr gebe es etwa vier Fälle, wo ein Eingreifen nötig sei.

Auch Vetter hat Kenntnis über die im «Blick» thematisierten Lehrabbrüche aufgrund der hohen Arbeitsbelastung. «Dieses Thema nehmen wir hier aber nicht dieser Intensität wahr», betont er. In Glarus und Graubünden sei dieses Thema nicht so brisant, wie es derzeit in den Medien erscheine. «Hausaufgaben haben aber auch wir zu machen», sagt er abschliessend.

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