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Mit zarten 17 hinters Steuer

In einem Jahr dürfen bereits die 17-Jährigen Auto fahren – wenn auch nur in Begleitung. Von dieser Änderung in der Fahrausbildung halten die Fahrlehrer nicht viel, sie sei nicht im Sinn der Verkehrssicherheit.

Marco
Lüthi
Freitag, 17. Januar 2020, 04:30 Uhr Nur in Begleitung
Früher, dafür länger: 17-Jährige dürfen ab dem nächsten Jahr Autofahren lernen, das L müssen sie aber zwölf Monate behalten.
SASI SUBRAMANIAM

Sehnlichst warten viele Jugendliche jeweils auf ihren 18. Geburtstag. Sie sind dann volljährig und können einen Lernfahrausweis beantragen. Ab dem nächsten Jahr dürfen Jugendliche schon ab 17 mit dem Auto rumkurven, um so das Fahren zu erlernen. Im Gegenzug sind sie aber zu einer einjährigen Lernfahrzeit verpflichtet, bevor sie an die praktische Prüfung dürfen. Dies gilt für jeden angehenden Autolenker unter 20 Jahren.

Ziel der neuen Regelung ist es, dass Junglenker, die erstmals alleine mit dem Auto unterwegs sind, mehr Fahrpraxis haben. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) sind junge Erwachsene auf Schweizer Strassen besonders gefährdet: 32 Todesopfer werden jährlich im Schnitt bei den 18- bis 26-Jährigen verzeichnet, 450 werden bei Verkehrsunfällen verletzt.

Damit die Jungen künftig sicherer Auto fahren, optimierte der Bund vor zwei Jahren mit einem Revisionspaket die Fahrausbildung.

Kein Gehör für Anliegen der Fahrlehrer

Gegen die Änderungen in der Fahrausbildung wehrten sich die Schweizer Fahrlehrer. Dem Bundesrat sei eine günstige Ausbildung wichtiger als die Sicherheit, so ihre Kritik 2017 in der Vernehmlassung. Beim Bundesamt für Strassen (Astra) fanden ihre Anliegen kein Gehör.

Vom Lernfahrausweis mit 17 halten die Fahrlehrer nach wie vor nicht viel. «Die 17-jährigen Junglenker werden die ersten paar Monate mit Begleitpersonen herumfahren und sich erst kurz vor Ablauf der zwölfmonatigen Frist noch bei einer Fahrschule anmelden», so die Befürchtung von Sepp Landolt. «Andersrum wär es wünschenswert.»

Der Näfelser Fahrlehrer und Geschäftsführer des Verkehrszentrums Glarnerland glaubt zudem, dass die 18- bis 20-Jährigen durch die neue Regelung stark eingeschränkt werden. «Diese Altersgruppe kann nicht mehr innerhalb von ein paar Monaten den Führerschein erlangen, was unter anderem berufliche Einschränkungen zur Folge haben kann.»

Sepp Landolt denkt aber auch an jene für die Eltern: «Sie haben bestimmt keine Freude, wenn sie ein Jahr lang mit der Jungmannschaft üben müssen.»

Eine verlängerte Lernphase bedeutet aber nicht, dass die Fahrschüler künftig mehr Fahrstunden nehmen müssen, betont Landolt. Eine vorgeschriebene Mindestanzahl von Fahrstunden gebe es lediglich bei der Motorradausbildung.

Mit 16 alleine mit dem Töff auf die Autobahn

Nicht nur beim Autofahren, auch auf dem Töff wird ab dem nächsten Jahr das Mindestalter gesenkt. 16-Jährige dürfen ab dann Motorräder der 125er-Klasse mit maximal 14 PS fahren. Das heisst, sie dürfen dann unbegleitet auch die Autobahn benutzen. Dies schon bei Prüfungsreife mit dem L. Für die Schweizer Fahrlehrer ist auch diese neue Bestimmung nicht im Sinne der Verkehrssicherheit und damit ein Dorn im Auge. «16-Jährige gehören nicht auf die Autobahn», so Landolt. Die Jugendlichen seien dort stark gefährdet.

Ganz anders ist die Sichtweise des Astra: «Die Kategorie A1, die 16-Jährige künftig erwerben dürfen, beinhaltet Motorräder, welche sich für längere Autobahnfahrten bei hohen Tempi nicht eignen. Im Agglomerationsverkehr, etwa auf Autobahnumfahrungen mit reduziertem Tempo, sind hingegen keine Nachteile für die Verkehrssicherheit zu erblicken», schreibt das Astra im Juni 2019 dem Schweizerischen Fahrlehrerverband in einer Stellungnahme zur Führerausweisrevision.

Diese Antwort sei «sehr unbefriedigend», so Landolt. «Früher oder später wird es bestimmt zu einem tragischen Unfall mit einem 16-jährigen Motorradfahrer auf der Autobahn kommen.» Die Fahrlehrer befürworten deshalb die Einführung des Mindestalters 18 für Motorradfahrer auf Autobahnen.

32 Todesopfer im Alter zwischen 18 und 26 Jahren werden jährlich im Schnitt auf den Schweizer Strassen verzeichnet.

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Wenn man so die Fahrlehrer anschaut, frage ich mich schon, ob es gut ist, wenn die Fahrschüler zuerst mit ihnen fahren. Mir ist lieber, unser Sohn lernt es wirklich und versteht die Verkehrsregeln. Leider gibt es nicht viele echt gute Fahrlehrer!

Die Probleme beginnen viel früher.
-Waren die Eltern 18 Jahre lang schlechte Vorbilder, kann kein Fahrlehrer dies in ein paar Std korrigieren.
- das Strassenverkehrsamt StVA verlangt keine wirkliche Theoriekenntnis mehr !
Früher konnte man 2 x an die Theorieprüfung TP, danach gab es Auflagen vom Amt.
Seit ein paar Jahren sind die Fragen und Antworten erhältlich und man kann so oft an die TP wie man will. Die Folge: Die Neulenker haben keine Ahnung mehr vom Strassengesetz wie Vortritt, Vollgrün usw.
aber. und das ist ganz wichtig, das StVA macht viel mehr Geld mit den TP !!!
Das es schlechte Fahrlehrer gibt ist unbestritten, aber in welcher Berufsgattung gibt es keine schwarze Schafe ?
Das die Auflagen für Neulenker massiv gelockert wurden haben wir der abtretenden Doris zu verdanken.
Das es mehr verunfallte Jugendliche Töffler geben wird ist jedem langjährigen Motorradfahrer klar.
Die betroffenen Familien sollen sich dann bitte nicht wieder über die schlechten FL beklagen, sondern direkt zur Doris gehen.

Was ist ein guter FL ?
Einer der möglichst nichts kostet ?

Eltern investieren oft sehr viel Geld in ihren Nachwuchs für Ausbildung, Nachhilfe usw.
wenn es aber um Leben und Tod auf der Str geht, das es nichts kosten !

In jeder Berufsgattung gibt es schwarze Schafe. Oder kennt Jemand eine Berufsgattung ohne solche ?
Am besten ist Referenzen einholen bei anderen Fahrschülern aber nur wenn sie keine Provision für die Vermittlung bekommen.

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