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Wenn die glutenfreie Nusstorte gar nicht glutenfrei ist

Wenn die glutenfreie Nusstorte gar nicht glutenfrei ist

Glutenfreie Lebensmittel werden immer beliebter. Nicht immer sind sie aber gänzlich frei von Gluten, wie die Bündner Lebensmittelkontrolle kürzlich festgestellt hat.

Simone
Janz
15.06.21 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Nicht alle Bündnerinnen und Bündner können bedenkenlos essen: Wer an Zöliakie leidet, ist auf glutenfreie Alternativen angewiesen.
BILD PHILIPP BAER

Eine von 100 Personen in der Schweiz verträgt kein Gluten. Ihr Dünndarm reagiert mit Entzündungen auf das sogenannte Klebereiweiss, das in Körnern vieler Getreidesorten vorkommt. Die meisten Supermärkte und Bäckereien haben reagiert und bieten den betroffenen Personen Alternativen an: glutenfreie Produkte. Schwierig wird es nur, wenn da nicht drin ist, was draufsteht.

Das Bündner Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT) stellte Anfang Jahr bei einer Laboruntersuchung fest, dass eine als «glutenfrei» deklarierte Nusstorte keineswegs glutenfrei war. Sie enthielt deutlich mehr als die maximal erlaubten 20 Milligramm pro Kilo, die noch toleriert werden. Bei drei weiteren untersuchten Produkten war die Deklaration, also die Auflistung der Zutaten, Nährstoffe und die Bezeichnung des Lebensmittels, nicht korrekt. Insgesamt fielen vier von 20 untersuchten Produkten im Labor durch – das entspricht einer Beanstandungsquote von 20 Prozent.

Komplexe Gesetzgebung

Kleinere Betriebe seien mit der richtigen Deklaration oft überfordert, sagte Kantonschemiker Matthias Beckmann gegenüber Radio Südostschweiz. «Die Gesetzgebung ist in diesem Bereich sehr komplex.» So müssten gewisse Elemente unabhängig vom Lebensmittel immer auf der Verpackung des Produkts sichtbar sein – Sachbezeichnung, Zutatenverzeichnis und Angabe der Nährstoffe zum Beispiel. «Da scheitert es meistens schon an der richtigen Reihenfolge der Nährstoffe. Ganz zu schweigen von den Werten», sagt Beckmann.

Ein weiteres Problem ist die Produktion. Dort müsse man alles unternehmen, damit keine glutenhaltigen Zutaten in das betreffende Produkt geraten. «Mit zwei Produktionsschienen, einmal mit und einmal ohne Gluten, wird das schwierig.» Das bedeutet konkret: Damit es keine Kontamination gibt, muss die Produktion idealerweise in zwei verschiedenen Räumen stattfinden – für kleinere Betriebe, wo das nicht möglich ist, empfiehlt Beckmann eine zeitlich voneinander getrennte Produktion.

Ein grosser Aufwand für kleinere Betriebe, aber einer, der sich lohne: «Die Kundschaft, die nach glutenfreien Lebensmitteln verlangt, wächst stetig. Das ist ein gesundheitliches Problem unserer Gesellschaft.»

Kundschaft muss Deklaration vertrauen können

Bei den vier Betrieben, wo es bei den Kontrollen zu Beanstandungen kam, verfügte das ALT Massnahmen und Termine, wie Beckmann sagte. So habe der Produzent der Nusstorte diese sofort aus seinem Sortiment genommen. Die betroffenen Betriebe müssten aufzeigen, dass sie Wiederholungsfälle vermeiden könnten und dafür ihre Prozesse und Selbstkontrolle optimieren.

Nicht alle Betroffenen reagierten gleich stark auf Glutenpartikel bei verunreinigten Produkten, sagte Beckmann. Die Bandbreite sei relativ gross und reiche von Durchfall über Bauch- und Kopfschmerzen bis hin zu Muskel- und Gliederschmerzen oder Erbrechen. Man müsse sich aber an der empfindlichsten Bevölkerungsgruppe ausrichten: «Wenn jemand glutenfrei draufschreibt, muss man sich darauf verlassen können, dass wirklich kein Gluten drin ist.»

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Ich wäre als Zöliakiebetroffener sehr dankbar wenn auch erwähnt würde welche Produkte nicht richtig deklariert wurden und glutenhaltig sind !
Nur so kann ich eine unnötige Kontamination verhindern.