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Cannabis – Heilpflanze und Rauschmittel

Cannabis – Heilpflanze und Rauschmittel

Cannabis, lateinisch für Hanf, ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit und wird für die Herstellung von Seilen, Textilien oder Kosmetika ­verwendet.

Davoser
Zeitung
18.11.21 - 06:18 Uhr
Aus dem Leben
Hoher Cannabiis-Konsum kann schädlich sein. 
zVg/unsplash

 

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren spezielle Cannabissorten mit ihren rund 400 verschiedenen Inhaltsstoffen aufgrund ihrer entkrampfenden, angstlösenden und entzündungshemmenden Wirkung in vielen Medizin­präparaten weit verbreitet.

In einigen Hanfsorten ist das ­psychoaktive Cannabinoid Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz THC, höher ­konzentriert. Laut Schweizer Gesetz gilt ein Hanfprodukt mit einem THC-Gehalt von über ein Prozent als Betäubungsmittel. Der Handel und Anbau ist strafbar, der Konsum wird üblicherweise mit 100 Franken gebüsst. Cannabis ist in der Schweiz und weltweit die am häufigsten konsumierte illegale Droge.

Die Wirkung des Cannabis

THC ist für die Rauschwirkung des Drogenhanfs (auch Marihuana, Gras oder «Weed» genannt) verantwortlich. Als Joint geraucht oder in Hasch-Keksen ­gegessen, gelangt das THC über den Blutkreislauf von der Lunge oder dem Magen-Darm-Trakt ins Gehirn, wo es seine biochemische Wirkung entfaltet. THC wirkt auf die Stimmung, die Wahrnehmung und das Verhalten. Die Folgen sind ein verändertes Bewusstsein, Lach- und Rededrang, intensive, euphorische oder negative Gefühle, Entspannung, aber auch längere Reaktionszeiten (besonders gefährlich im Strassenverkehr), Müdigkeit und Antriebslosigkeit, eingeschränkte Merkfähigkeit und Konzentrationsschwäche, bei hohen Dosierungen bis hin zu Desorientierung, Verwirrtheit und Angstzuständen.

Folgen vor allem für junge Menschen

Das Gehirn von Jugendlichen befindet sich noch in der Entwicklung, es passieren wichtige neu­rologische Umbauprozesse. Chronisch hoher Konsum im Jugendalter beeinflusst die sich entwickelnde Hirnstruktur und kann die Lernfähigkeit und kognitive Leistungsfähigkeit längerfristig beeinträchtigen. Ebenso ist es möglich, von Cannabis sowohl körperlich wie auch psychisch abhängig zu werden. Die verbreitete Sorge, dass Cannabis eine Einstiegsdroge für härtere Drogen sei, ist wissenschaftlich hingegen nicht bestätigt. Ein hoher Cannabiskonsum wird auch in Verbindung mit psychischen Problemen gebracht, ob als Folge oder als Ursache, ist jedoch meist unklar. Cannabiskonsum kann die Entwicklung von Psychosen und Schizophrenie begünstigen, allerdings muss dafür eine genetische Vorbelastung bestehen.

Warum kiffen Jugendliche?

Jugendliche haben ein grosses Interesse an neuen Erfahrungen. Sie werden risiko­bereiter, experimentieren und orientieren sich mehr an der Gruppe der Gleich­altrigen als an den Eltern, während sie ihre Selbständigkeit entwickeln. Das Erlebnis des Rausches, meist in der Gruppe, und die Erfahrung, mit psychotropen Substanzen Stress abzubauen, tragen dazu bei, sich selber besser kennenzulernen.

Cannabis als Stressbewältigung

Wenn sich jemand nur noch mit Cannabis entspannen oder unbeschwert fühlen kann, sollten die Alarmglocken klingeln. Wird Cannabis zur Stress- und Emotionsregulierung gebraucht, verpassen Jugendliche wichtige Gelegenheiten, Kompetenzen aufzubauen, um schwierige Situationen ohne Substanzkonsum zu bewältigen. Cannabis darf kein Anti-Stress-Mittel sein.

Die Rolle der Eltern

Eltern können ihre Kinder dabei begleiten, andere, gesündere Wege zu finden, um Stress abzubauen oder positive ­Gefühle zu erlangen. Es ist wichtig, das Gespräch zu suchen und zu erklären, ­warum der Konsum unter 16 Jahren besonders risikoreich ist. Eltern sollten ihre eigene Haltung zu Cannabis vermitteln, den Jugendlichen aber auch mitteilen, dass sie nicht verurteilt werden. Wichtig ist, den Grund herauszufinden, der hinter dem Cannabiskonsum steckt, und mit den Jugendlichen andere Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln. Ebenso wichtig ist es, dass sich Eltern ihrer Vorbildrolle bewusst sind und ­reflektieren, wie sie selber mit Stress ­umgehen und wie sie Rauschmittel konsumieren.

Wann wird es gefährlich?

Aktuell gibt es auf dem Markt synthetische, also künstlich hergestellt Cannabinoide, auch «Spice» genannt. Der Konsum von synthetischen Cannabinoiden birgt grosse Risiken, die vom Kreis­laufstörungen bis zum Tod führen können. (pd) 

Die Fachpersonen der Suchtberatung,des Jugendtreffs und der Schulsozialarbeit stehen für mehr Informationen oder eine kostenlose, anonyme Beratung gerne und unkompliziert zur Verfügung.

suchtberatung@davos.gr.ch oder 081 414 32 01

info@jugendtreff-davos.ch oder 079 888 00 36

schulsozialarbeit@davos.gr.ch oder 081 414 32 11

 

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