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Feminista goes Wifey

Feminista goes Wifey

Kristina
Schmid
vor 1 Monat in
BILD PIXABAY

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Du bist kein gutes Vorbild, sagen sie. Du lebst deinen Kindern ein verstaubtes und falsches Familienmodell vor, wenn du Zuhause bleibst.

Warum nur soll eine Frau Zuhause bleiben? Es gibt doch inzwischen so viele gute und verschiedene Betreuungsangebote für Kinder. Weshalb würde man als Frau nicht wollen, die eigenen Träume zu verfolgen? Weshalb würde man als Frau wollen, «nur» Mutter zu sein? Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt. Über all die Mütter, die sich bewusst dafür entscheiden, Zuhause zu bleiben. Dass man die Familienarbeit liebt, darf man fast nicht laut sagen, wenn man nicht abgestempelt werden will. Man wird richtig kleingeredet. Denn let's be honest: Eine Frau, die Zuhause bleibt, ist in unserer Gesellschaft nichts wert. Obwohl wir – als Mütter, als Väter, als Eltern – die Zukunft des Landes sichern, frage ich mich oft, warum das so ist?

Warum würde eine Frau das wollen? Bei den vielen Nachteilen, die für sie entstehen, wenn sie Zuhause bleibt: die fehlenden Beiträge in der Pensionskasse und AHV. Die Nachteile im Fall einer Scheidung – hat doch das Bundesgericht erst im März mit einer Serie von Urteilen verdeutlicht, dass die Ehe oder eine Familiengründung eben keine Lebensversicherung mehr ist für Frauen. Dass sie sich selbst um ihren Lebensunterhalt sorgen müssen.

Ich persönlich habe Journalismus studiert. Ich arbeite für die «Südostschweiz». Ich habe mit «Breistift» einen Blog, der mir viel Freude und Spass bereitet. Und doch bin ich hauptberuflich: Mutter. Ich und mein Ehemann leben in einer gleichberechtigten Beziehung. Und trotzdem erfüllen wir das klassische und typische Rollenbild: Die Frau bleibt mit den Kindern Zuhause, während der Mann arbeiten geht. Darf ich mich da überhaupt noch Feministin nennen?

In meinem Freundes- und Familienkreis gibt es viele Frauen um die 30 Jahre. Sie sind gut ausgebildet und selbstbewusst. Sie leben in gleichberechtigten Beziehungen. Sie sind emanzipiert, treffen Entscheidungen auf Grundlage dessen, was sie selbst für richtig halten. Sie sind Frauen, die wissen, was sie wollen und die sich ihrer Fähigkeiten bewusst sind. Frauen, die ihr Leben im Griff haben.

Solange, bis sie Mütter werden und sich dafür entscheiden, Zuhause zu bleiben.

Ist die Frage nach den tiefen Bedürfnissen von Mutter und Kind also so etwas wie Verrat an der feministischen Idee? Schliesslich bedeutet ein Kind in jeglicher Hinsicht Einschränkungen. Und in diesem Fall Einschränkungen für die Frau.

Doch was bedeutet Feminismus eigentlich? Mehr Gleichberechtigung? Mehr Rechte für die Frau? Mehr Entscheidungsfreiheit? Bedeutet Feminismus nicht auch, dass Frauen sich für jeden Weg frei entscheiden können sollen, unabhängig davon, wo sie dieser Weg hinführt?

Weibliche Selbstbestimmung kann eben auch bedeuten, sich für Kinder und Familie und gegebenenfalls gegen eine Karriere entscheiden zu dürfen, ohne deswegen verurteilt und abgestempelt zu werden. Für mich sind meine Kinder kein Hindernis dafür, mich selbst verwirklichen zu können. Und ich kann auch trotz – oder vielmehr mit meinen Kindern an meiner Seite meine Träume und Wünsche verfolgen.

Ich glaube, dass Frauen alles schaffen können. Sie müssen nur wissen, was das ist.

Wir Frauen haben heutzutage die Chance, unser Leben so frei wie noch nie zu gestalten. Es zu nutzen, wie wir wollen. Und wir sollten jede Frau dabei unterstützen. Ganz egal, welche Lebenspläne sie verfolgt. Ob sie kinderlos bleiben möchte oder sich eine Grossfamilie wünscht. Ob sie Top-Managerin werden möchte oder Vollzeitmutter. Gewiss, wir Frauen haben es auch im 21. Jahrhundert immer noch schwerer als Männer, all unsere Ziele zu erreichen. Aber wir dürfen nicht vergessen, wie weit wir schon gekommen sind. Und nur, wenn wir wagen, alles zu wollen, werden wir alles bekommen.

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