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520 Blogs sind fast genug

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BILD ARCHIV
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Als der Chefredaktor der Südostschweiz mich vor 10 Jahren aufforderte, einen wöchentlichen Blog zu schreiben, musste ich zuerst meine Frau fragen, was denn das sei. «Eine Kolumne im Netz», erklärte sie.

Wir einigten uns darauf, alternierend jeden Dienstag eine solche zu liefern: die ersten Jahre inhaltlich völlig offen unter dem Motto «Zeitzeichen», später «Engadin direkt» und immer weniger alternierend, da Amelie immer weniger Zeit hatte, während ich mit 70 ernsthaft eine Pensionierung in Betracht zog. 

Gut 500 Blogs sind inzwischen online gegangen, was eigentlich reicht. Um einen «harten Entzug» zu vermeiden, wechselt die Kadenz ab Oktober bis Mitte 2022 vom Wochen- zum Monatsrhythmus.

10 Jahre sind im Internet eine unüblich lange Zeit, was auch ein Blick auf die Entwicklung der suedostschweiz.ch-Website zeigt. Sie war anfangs inhaltlich geprägt von der Finanzkrise mit all ihren Verwerfungen und heute von der Corona-Plage, die sich vorher kaum einer je vorstellen konnte.

Dazwischen kam es auch in der Familie zu Zäsuren, die die Blogs geprägt haben: Deutsche Bank, ETH-Lehrauftrag, Heirat, drei Monate Nordamerika ohne Trump and Corona, später Nachwuchs, «St. Moritz einfach», mehr Comersee, faszinierende Beratungs- und 'Spassmandate' - vielleicht mein bestes Jahrzehnt bislang...

Für eine Bilanz ist es zu früh, aber ein lockeres Fazit lässt sich sicher ziehen – weniger über die letzten zehn, als über die vergangenen 40 bis 50 Jahre. Schließlich habe ich 1963 als Hilfsdachdecker in Davos erstmals AHV-Beiträge bezahlt – aus heutiger Sicht ein wirklich 'guter Deal'.

Was ich später beruflich auch immer gemacht habe: Die Kommunikation ist als Teil davon oder begleitend immer wichtiger geworden. Professionell und 'seriell' gepflegt habe ich sie seit meinem Start als Kurdirektor von St Moritz im August 1978 mit den monatlichen KVV-Bulletins, Newsletters, wie sie heute heißen: 30 Jahre lang an die Mitglieder und wichtigen Partner des Kur- und Verkehrsvereins.

Ergänzt habe ich sie von 1983 bis 2008 mit den Kolumnen «Neues vom Kurverein» in der «Engadiner Post», stets auf der zweiten Seite oben rechts, 25 Jahre lang, jede Ausgabe, dreimal die Woche.

Parallel dazu erschienen meine Kolumnen während etwa 15 Jahren im Bündner Tagblatt, Travel Inside, der Schweizer Bauernzeitung ... gut 4600 Rundschreiben, Kolumnen und Blogs sind so in den letzten 40 Jahren zusammengekommen - mehr als 100 pro Jahr.

In der gleichen Zeitspanne erfolgten gegen 4000 Alphornauftritte, gut 2500 zusammen mit dem Alphorn-Ensemble Engiadina St. Moritz, seit 1991, die anderen solo seit 1982, beruflich wie privat.

Jedes Medium hatte ein spezifisches Zielpublikum und einen klaren Zweck: möglichst lückenlose Vorab-Information der KVV Mitglieder über die Ziele und Aktivitäten des Vereins im Ort, Tal, In- und Ausland; Information und Sensibilisierung der Talbevölkerung über St. Moritz und das Engadin als FERIENregion, damit nicht alle jammern, schimpfen und griesgrämig den Gästen begegnen; Meinungs- und Unterhaltungstexte in Form regelmäßiger Kolumnen und Blogs für LeserInnen in ganz Graubünden und der Südostschweiz - journalistisches 'Kurzfutter' ohne literarischen Anspruch.

Die Alphorneinsätze dienten in den 80er und 90er Jahren ausschließlich touristischen Zwecken: Gewinnung von Aufmerksamkeit, Interesse, Sympathie und Goodwill bei aktuellen und potenziellen Gästen, Medien, VIPs ... - positiver Image-Transfer vom einzigartigen, in Form, Ton und Tradition unverwechselbaren Nationalinstrument der Schweiz auf St. Moritz, das Engadin, den Glacier- und Bernina Express, Graubünden, Heidiland, (Lindt-)Schokolade,...- ganz nach der Devise: Es gibt ein Angebot erst wenn man es kennt!

Mittlerweile ist mir das Alphorn mit seinem beruhigenden Ton so ans Herz gewachsen, dass die täglichen 30 Minuten Üben sowie etwa ein Konzert- Auftritt pro Woche viel mehr Freude und Kür bedeuten als Pflicht. Ohne meine 'Swiss Lady' hätte ich den beruflichen Leistungs- und Kommunikations-Stress kaum ohne größere Kollateralschäden überstanden.

Zudem sorgte das Alphorn zusammen mit meinen Bläser-Kollegen dafür, dass ich trotz extravagantem St. Moritz nie die Bodenhaftung verlor. Ein Kurdirektor mit Alphorn hebt nicht ab, wie auch mein geschätzter Kollege Theo Schnyder im Entlebuch bestätigt.

Was mich heute und in den nächsten Jahren neben Familie und Alphorn noch auf Trab hält, sind Heidi und Johanna Spyri, die Eisenbahn-Lücke Mals-Scuol (26 km), die Schweiz per E-Bike (über 1000 km Herzroute und -Schlaufen zwischen Boden- und Genfer See sowie der Gesundheitstourismus im Oberengadin (Santasana St. Moritz).

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