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Die «glorreichen Sechs»

Die «glorreichen Sechs»

Hans Peter
Danuser
03.08.21 - 04:30 Uhr
Sommerplakat St. Moritz 2021 «Stazersee-Life» BILD ZVG

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Gut sechs Stunden nonstop unterwegs mit einem britischen TV-Team – das war für mich 30 Jahre lang Routine. Aber heute, 13 Jahre später, bin ich danach «klinisch tot». Crackit Productions dreht im Auftrag des populären Channel 5 eine Doku über die «6 most desirable destinations in the world/ die sechs begehrtesten Ferienorte der Welt»: Monaco, St. Moritz, St. Tropez, Marbella, The Hamptons/NY und St. Barts. Jeden Ort stellen sie in einer 90-Minuten-Doku aufwändig vor. Die Serie dürfte weltweit auf Interesse stoßen. Warum wählen die «Royals and the rich/die Gekrönten und die Reichen»  seit Jahrzehnten gerade diese sechs Orte für Ihre Ferien aus?

St. Moritz ist zusammen mit Monaco am längsten in diesem Club (1856) und als einziger in den Bergen - 1856 m ü M, «Top of the World». Die anderen Fünf liegen am Meer und verfügen über Yacht-Häfen und Traumstrände. Alles dreht sich um die Frage, warum ein Bergdorf mit 5000 Einwohnern seit gut 150 Jahren die verwöhntesten Gäste aus aller Welt anzieht und seine Podestposition halten kann.

Meines Erachtens liegt es an wesentlichen Faktoren und Alleinstellungsmerkmalen, die in diesem Mix weltweit einmalig sind:

Erstens

Die Lage im Hochtal Engadin, auf dem Dach Europas, zwischen Zürich, Mailand und München, in grossartiger Gebirgslandschaft mit 90 Seen, viel Raum und Ruhe.

Zweitens

Gute Verkehrsanbindung in jeder Richtung auf Straßen, ÖV und Europas höchstgelegenem Flughafen.

Drittens

Qualität in Service und Infrastruktur, zum Beispiel mit acht Luxus- und Grand-Hotels in und um St. Moritz.

Viertens

Global bekannte und anerkannte Qualitätslabel in touristisch wichtigen Angebotsbereichen: Natur/Landschaft/Kultur (Unesco-Welterbe der RhB-Strecken Albula und Bernina), Sport (Olympia-Stätten 1928, 1948 und 2020) sowie 3500 Jahre Heiltradition der Mineralquellen, bestätigen St. Moritz in der «Champions League» der Ferienwelt.

Fünftens

St. Moritz hat als einzige der sechs Orte zwei Saisons im Jahr, die sich komplett unterscheiden:

Die weisse im Winter, mit Spitzenangeboten in Sport und Extravaganz: Ski-, Lang- und Eislauf, White Turf, Polo, Cricket, Bobsleigh und Skeleton ... 

Die grüne im Sommer mit Bergsport, Segeln, Surfen, Kiten im kühl prickelnden Champagnerklima, Wandern im einzigen Nationalpark der Schweiz ...

Zudem einzigartige Kombi-Angebote wie den Glacier Express zum Matterhorn, den Bernina Express nach Italien, in 70 Min. zum Comersee mit Auto oder Vespa: «von den Gletschern zu den Palmen».

In beiden Saisons Kunst in über 50 öffentlichen Gallerien, Bibliotheken und Archiven, ein feines Casino und ein bekanntes Heilbad für die Gesundheit.

Sechstens

Die Weltmarke St. Moritz. Die Qualität und Verlässlichkeit dieses Angebot hat St. Moritz in den vergangenen gut 150 Jahren zur Nummer 1 der Ferienorte in den Bergen gemacht. Die Marke St.Moritz wird seit 1930 professionell gepflegt und hat Markengeschichte geschrieben. Das Sonnensymbol wurde 1937 als erste touristische Bildmarke geschützt, «St. Moritz» 1985 als erster Ortsname der Welt gesetzlich registriert. Die Bekanntheit und Substanz sowie der Wert der Marke St.Moritz sind in der Branche weltweit einzigartig.

Siebtens

Die St. Moritzer Gäste. Wenn die «Rich and Royals» in den anderen fünf Orten (und anderswo) mal Lust auf Bergferien haben, denken sie wohl zuerst an St. Moritz, weil sie hier wieder ihresgleichen treffen. So tragen sie zum wahrscheinlich faszinierendsten Gäste-Mix aller Orte bei, was durchaus als prägende Angebotsstärke des Engadins gilt. Dass das auch in Krisen zutrifft, zeigen die Frequenzen des Flughafens Samedan in Corona-Zeiten. Sie weisen aber auch darauf hin, dass das Tal von diesen Gästen allein nicht leben kann und sehr stark von offenen Grenzen abhängt. St. Moritz ist manchen Schweizern zu kosmopolitisch, extravagant und teuer geworden. Die Sehnsuchtsmarke «Engadin» federt diese Imagewerte etwas ab - die gegenseitige Ergänzung der beiden Marken ist perfekt: St. Moritz als Herz, Motor und schicker Leuchtturm des Engadins, dieses als grüne und inspirierende Lunge des Ganzen.

Billig ist St. Moritz nie, aber den verlangten Preis durchaus wert. Er ist Teil der Marke und deren Glaubwürdigkeit. Die Kosten sind auf 1856 m ü M höher als in tieferen Lagen. Und es gibt nichts, was es in St. Moritz nicht gibt.

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Oje, Herr Hans Peter Danuser, "Ariel wäscht nicht nur sauber, sondern rein". Peinlich, vorgestrig, falsch, finde ich Ihre Werbelitanei für das "weltberühmte St. Moritz" – "Verkehrsanbindung in alle Strassenrichtungen (von den Gletschern zu den Palmen mit der Vespa), den höchstgelegenen Flughafen Europas gleich nebenan – aber andererseits die Ruhe selbst".
Dieser Widerspruch erinnert mich an die weltberühmte Stressklinik in Susch bzw. meinen weltberühmten Kommentar: «Seit 50 Jahren», schreibt die SO, will man in Susch bereits verkehrsleidend die Umfahrung. Das muss ein gesunder Ort sein. Die «Stressklinik Holistica» (zu deutsch: Ganzheitlich) wirbt sogar selbst, guterreichbar am Verkehrsknotenpunkt von/in alle Welt zu liegen. Emissions- statt standesgemäss direkt an dem Kantonsstrassen-Highway, unweit von Railway, Baselgia catolica Susch sowie Baselgia evangelica reformada Susch (Kirchenglocken in Stereo), einem Sport- oder Tennisplatz etc.
Ich frage Graubünden und die Welt: Können Plattitüden Fantasielosigkeit heilen, Einfaltsreichtum Einfallslosigkeit?
Mein Befund: Heute zählen Zeit, Gesundheit. Was nicht mehr zählt: siehe meinen Kommentar 4.8.2020:
Sorry, oder nicht sorry, Herr HPD (…) Top-of-the-Bottom St. Moritz. Beispielsweise, weil Sie bzw. Ihre Nachfolger es eben nicht schaff(t)en, vom wie ich finde geistlosen Statussymbole- zum (wahren) Gesundheitstourismus zu turnarounden?
Zitat aus Song von Frank Tovey (Fad Gadget):
Luxury:
Diamonds and pearls /
Champagne and caviar /
Cigars and girls /
A private plane, a shiny car (Ausbau statt Schliessung des Flughafens Samedan)
Siehe meinen Kommentar:
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2021-08-01/auto-ueberschwemmu…
https://turnaround-to-eden.webnode.com/