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Heidi und St. Moritz

Heidi und St. Moritz

Hans Peter
Danuser
17.08.21 - 04:30 Uhr
Die Heidihütte wird heuer 230 Jahre alt.
BILD: GIANCARLO CATTANEO

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

1977 drehte das Schweizer Fernsehen mit internationaler Beteiligung die 26-teilige TV-Serie über die Heidigeschichte im Engadin. Dazu brachten die Schreinermeister (und Skilehrer) Romano Pedrini und Koni Freund einen Stallbau aus dem Bergell nach Albanas ob Chamfèr und bauten ihn dort zur Heidihütte der Filmserie aus, die seit 1978 mit grossem Erfolg in der Schweiz und vielen anderen Ländern ausgestrahlt wurde.

Die aus dem Revolutionsjahr 1791 stammende Hütte wird heuer 230 Jahre alt und fand nach einigem Hin und Her ihren heutigen Standort, wo sie bei Kindern, Familien und Schulklassen sehr beliebt wurde. Etwas weiter unten verläuft seit einigen Jahren Heidis Blumenweg etwa 2000 m ü. M. von Chantarella unter das Zielgelände der Ski-WM, wo der Schellenursli-Weg - geschmückt mit vielen Holzskulpturen - ins Dorf hinunterführt. Die Figuren stammen vom Engadiner Holz- und Eiskünstler Reto Grond, der nun auch für die Heidihütte Skulpturen von Heidi, dem Alpöhi und weiteren Sujets aus der bekannten Geschichte geschaffen hat.

Die Affinität von St. Moritz zu Heidi hat mit einer weiteren TV-Serie zu tun, die 1974 in Japan als Trick-, bzw. Anime-Film produziert wurde und mit gewaltigem Erfolg zuerst in Asien und dann weltweit ausgestrahlt wurde. Er machte Heidi zum Superstar und einer global bekannten «Ikone der Moderne».

Als dem St. Moritzer Kurdirektor 1978 auf der ersten Promotionsreise Graubündens nach Asien die dortige Popularität von Heidi auffiel, kreierte er die Marke «Heidiland» und liess sie 1979 für den KVV St. Moritz schützen, was sich - zusammen mit dem Glacier Express - positiv auf die Gästezahlen aus Fernost auswirkte.

Heute steht die Heidigeschichte vor einer weiteren Renaissance und Aufwertung. Seit 2020 erörtert ein «Heidi/Spyri Network» das wissenschaftlich/literarische Potenzial Heidis und der Spyri-Archive, die primär in Zürich lagern. 

Die Führung des Netzwerks liegt bei der Universität Zürich (Prof. Dr. Christine Lötscher). Es umfasst 14 Institutionen in der Schweiz, Japan und USA, die Heidi und Spyri tragend verbunden sind und die wichtigen Jubiläen sowie Aktivitäten der nächsten zehn Jahre miteinander koordinieren wollen.

Etwa den 200sten Geburtstag von Johanna Spyri und den 150sten der Heidi-Geschichte.

Dank der restaurierten Heidihütte und Heidis Blumenweg wird auch St. Moritz von der Aufwertung und Aktualität Heidis profitieren. Beispiel: Diesen Herbst erscheint im Somedia-Verlag der Band «Graubünden in 100 Geschichten». Eine davon trägt den Titel «Heidi - Weltliteratur aus der Schweiz».

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