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Lametta fürs Seelenheil

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PIXABAY
Single
Bock

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

«Weihnachten als Single». Das war hier vor einem Jahr auch schon mal Thema. Die Kollegin Single-Böckin hat damals ihren Verflossenen und deren Weihnachtsgeschenken nachgetrauert und sich gefragt, ob sie, statt keinem, nicht lieber das falsche Weihnachtsgeschenk unter dem Baum liegen haben möchte (Metapher Weihnachtsgeschenk -> Freund…is klar…ne?). Da haben wir das Problem auch schon umzingelt. Die Weihnachtszeit verleitet uns Einzelkämpfer*innen dazu, verklärt in irgendwelchen abgelaufenen Beziehungskisten zu schwelgen und uns mit der ganz grossen Kelle das Selbstmitleid anzurühren. Wir sitzen dann gerne daheim, verfluchen das Netflix-Programm und finden alle Pärchen doof, die Arm in Arm am Weihnachtsmarkt an uns vorbeischlendern. «Single» und «Grinch» sind im Moment wohl synonym zu verwenden.

Dabei gäbe es doch so viele Möglichkeiten, die Adventszeit als Single zu geniessen und die eine oder andere Flirterei anzureissen. Eine Anleitung in drei Schritten.

Mit den ganzen Weihnachts-Rom-Coms oder -Serien, die zurzeit das TV-Programm oder den Streaming-Dienst des Vertrauens fluten, kann man sich wunderbar in eine kitschig-erwartungsvolle Grundromantik b(r)ingen (Badumm-Tss). Danach begibt man sich auf den Weihnachtsmarkt des Vertrauens und trinkt sich mit einem Glühwein den nötigen Mut für die Flirt-Offensive an. Ab jetzt wird es eigentlich einfach: Ausschau halten nach Menschen des bevorzugten Geschlechts, die alleine rumstehen, vom Glühwein-Mut-Antrinken schon eine rote Nase haben und suchend in der Menge umherblicken.

Es ist mir klar, dass das so eigentlich nur in den oben erwähnten Filmen oder Serien funktioniert. In aller Regel tummeln sich an Weihnachtsmärkten gestresste Familien mit quengelnden Kindern, die Musik-Combo der Heilsarmee und Gruppen von Büro-Gemeinschaften beim Vorglühen auf die Buden-Weihnacht. Da hat man als suchender Single womöglich auf der Rolltreppe des lokalen Einkaufszentrums mehr Erfolgschancen.

Bleiben wir also bei den Variablen, die wir ohne grossen Aufwand selber beeinflussen können. Ob wir uns selbst bemitleiden wollen, ob wir die ganze Welt auf ihrer rosaroten Weihnachts-Glitter-Wolke verfluchen wollen oder ob wir uns selbst gut genug lieb sind, können wir selber steuern.

In diesem Sinne: Holt das Lametta hervor, macht euch eine Tasse eures liebsten Heissgetränks, zündet die Kerzen des Adventskranzes an, deckt euch mit Weihnachtsguatzli oder Popcorn ein, und lest ein schönes Buch oder zieht euch das TV-Weihnachtsprogramm rein. Hier ein paar meiner Favoriten:

  • Die Serie «Weihnachten zu Hause» auf Netflix, in der wir die norwegische Krankenschwester Johanne kennen und lieben lernen.
  • «Love Actually» halte ich immer noch für einen der sehenswertesten Filme überhaupt – schon nur wegen Hugh Grants Tanz-Szene zu «Jump» von den Weather Girls.
  • Der TV-Klassiker schlechthin: «Drei Nüsse für Aschenbrödel», dessen Story allgemein bekannt sein sollte.
  • Stirb Langsam 1: Bruce Willis zündet statt einer Kerze ein Hochhaus an.
  • Das Buch «Weihnachten auf der Lindwurmfeste» macht sich auf herrlich amüsante Weise lustig über «Hamoulimepp», ein Fest, das sehr stark an unser Weihnachtfeiern erinnert.

Macht euch eine frohe Adventszeit und lasst euch auf die vorweihnachtliche Kitsch-Flut mit Kerzenschein, Zimtsternen und Lametta-Glitzer ein. Lasst eure Seele baumeln und versorgt euren Grinch dieses Jahr auf dem Estrich.

Frohes Bingen, Euer Singlebock

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