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Mal wieder zum Teenager werden

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Die Auswahl an Facepalm-Bildern ist irgendwie nicht sonderlich gross.
Single
Bock

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Kennt ihr das, wenn Ihr plötzlich wieder wie Teenager seid und es Euch schwerfällt, vernünftig, gelassen und überlegt zu handeln? Ist mir letzthin passiert. Ich hatte ein Date. Nach einem Tinder-Match.

Nach rechts gewischt hatte ich, weil mir ihre Bilder gefallen haben und insbesondere, weil sie in ihrem Profil darauf hingewiesen hat, dass sie gute Rechtschreibung mag. Das finde ich übrigens auch sehr wichtig und darum hier schon der erste Aufruf des heutigen Blogbeitrags: Verhindert Schreibfehler in euren Profilen. Profile mit mangelhafter Orthografie und Grammatik sind mir ein Gräuel. Da helfen auch die schönsten Strandbilder und Top-Class-Selfies nicht mehr weiter.

Zurück zum Thema. Ich habe den Steilpass aufgenommen. (Zweiter Aufruf: Liebe Damen, gebt uns die Chance, auf Euer Profil zu reagieren. Ihr könnt nicht mehr als ein «Hoi» oder «Hallo» verlangen, wenn Euer Profil so aussagekräftig ist, wie die Schauspielkünste von Adam Sandler). Ihre Antwort liess nicht lange auf sich warten. Sie schrieb, dass es lustig sei, mich nach so vielen Jahren hier wieder zu treffen. Ich stand auf dem Schlauch und ging in Gedanken alle Damen durch, die ich von früher kannte und die den gleichen Namen hatten, wie mein Match. Nach ein-zwei weiteren Hinweisen ihrerseits fiel dann auch bei mir der 20er und ich erkannte sie wieder. Längere Haare, aber immer noch das verschmitzt-charmante Lächeln.

Das letzte Mal hatten wir uns vor einigen Jahren an einem Festival getroffen, uns danach aber wieder aus den Augen verloren. Wie dem auch sei. Wir schrieben hin und her und erzählten uns, wie es uns in der Zwischenzeit ergangen war. Da ich auf meinem Tinder-Profil mit meinen Kochkünsten prahle (also einfach mit einem Gericht, das ich wirklich gut kochen kann), sprach sie mich darauf an und verlangte nach einem Beweis. Kurze Zeit später hatten wir uns für ein Date bei mir zuhause verabredet.

Und damit begann ich, wie ein Teenager zu denken und zu handeln. Ich stellte eine Einkaufsliste zusammen (Wein nicht vergessen) und überlegte mir, wie vorzeigbar meine Wohnung ist. Ich sollte auch noch den Staubsauger behände durch meine zweieinhalb Zimmer schwingen. Mich selbst beobachtend und amüsiert beschrieb ich ihr auch alle einzelnen Schritte des Kochvorgangs und des parallel dazu verlaufenden Putzprogramms. Als ich mich dabei ertappte, wie ich mit dem Handbürsteli die Zahnpaste-Resten von meiner elektrischen Zahnbürste putzte intervenierte mein Erwachsenen-Ich (Die Transaktionsanalyse von Eric Berne lässt grüssen – #Klugscheisser) und bremste mich.

Da stand ich nun also. Das Essen köchelte vor sich hin, die Wohnung war sauber, das Bett frisch angezogen (man weiss ja nie) und ich war gewaschen, rasiert und nervös. (Frage: schneidet man sich beim Rasieren eigentlich nur, wenn man nicht übermässig viel Zeit hat?) Sie sass im Zug und sollte demnächst ankommen.

Als sie dann da war, verschwand mein Teenager-Ich – oder zog sich zumindest weitestgehend zurück. Und das lag in erster Linie an ihr. Sie gab mir keinerlei Anhaltspunkt, wegen irgendwas nervös zu sein. Wir redeten, assen und tranken. Dazwischen rauchten wir gemeinsam auf dem Balkon und sie klärte mich darüber auf, dass das, was ich seit Jahren für den Kleinen Wagen hielt eigentlich die Plejaden sind (danke Star-Walk-App). Wir sangen Lieder von Queen, den Backstreet-Boys und Jean-Jacques Goldmann. Kurz: Toller Abend.

Wir schreiben uns noch und wenn die Tinder-Götter es wollen, finden wir auch einen Termin für ein nächstes Date. Was ich aber eigentlich sagen wollte – und damit komme ich zum kurzen Sinn der langen Rede (oder Schreibe): Herzlichen Dank liebes Tinder-Date. Dafür, dass ich im Geiste zum Teenager wurde und mich dann dank Deiner Art wieder gefangen habe. Das passiert irgendwie zu selten.

Ihr hört von mir, Euer Singlebock

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