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«Ghosting»

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Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Dass sich Dating in der Neuzeit krass verändert hat, ist nichts neues mehr. In Zeiten von Tinder und jede der anderen hunderttausenden Dating-Apps geht die Romantik flöten, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

Ein weiteres Problem, dass sich dank dem digitalen Zeitalter herauskristallisiert hat, ist die Thematik von «Ghosting». Selbst wenn einem der Ausdruck kein Begriff ist, bin ich mir sicher, dass jeder von uns auf die eine oder andere Weise bereits Opfer (oder Täter) davon wurde.

«Ghosting bedeutet, dass jemand von dem du dachtest, dass er dich mag, plötzlich und ohne Vorwarnung aus deinem Leben verschwindet. Keine Nachricht, Anruf oder sonstige Kommunikation.»

Hört sich schrecklich an? Es ist auch ein schreckliches Gefühl. Wieso aber machen es Menschen, obwohl sie genau wissen, dass der andere dabei verletzt wird?

Durch Online-Dating hat sich auch die Kommunikation zwischen den Partnern verändert. Es ist viel einfacher, nicht mehr miteinander zu sprechen, denn wenn man nicht mehr will, dann schreibt man einfach nicht mehr zurück. Problem «gelöst».

Sobald es einem zu ernst wird und man Gefahr läuft, tatsächlich Liebe zu finden, ist es natürlich viel angenehmer, den anderen aussen vor zu lassen und jeglichen Kontakt abzubrechen. Es könnte ja sein, dass es ernst wird und dazu sind wir nicht mehr fähig. Wegrennen ist viel attraktiver.

Es ist die feige Methode, sich passiv aus der sich entwickelnden Beziehung zurück zu ziehen, der Konfrontation aus dem Weg zu gehen und das beste am Online-Dating? Der «Nachschub» ist nur ein «Swipe» entfernt und dann kann man das Ganze wieder von vorne beginnen, denn es ist so. verdammt. einfach.

Es hat durchaus etwas Traumatisches, «gehosted» zu werden. Vor allem, wenn es sich wiederholt. Zuerst fragt man sich, ob dem anderen etwas zugestossen ist und nach zwei Wochen ohne Kontakt kommt dann schnell die Realisation, dass er aus deinem Leben verschwunden ist.

Das Vertrauen wird schwindend klein und die Angst vor dem Verletzt werden, massiv grösser. Vielleicht haben wir deswegen alle Bindungsprobleme?

Nicht nur fühlt es sich an wie ein Messer ins Herz, man fühlt sich auch so dumm. Dumm, sich darauf eingelassen zu haben, dumm der einzige mit Gefühlen zu sein und dumm, dass man den anderen vermisst.

Der Fakt, dass man nie einen klaren Abschluss hat, einen Grund wieso es nicht funktioniert, macht das drüber hinwegkommen um ein Vielfaches schlimmer. Man beginnt, nicht nur die Beziehung die man hatte zu hinterfragen, man hinterfragt auch sich selbst. Was habe ich getan? Was ist falsch mit mir? Wieso? Was muss ich tun, dass es nicht nochmals passiert? Und wenn man sonst schon wenig Selbstbewusstsein hat (hello, it’s me), dann fühlt es sich gleich noch zehnmal schlimmer an.

«Ghosting» ist die ultimative Form des «Silent Treatments», also dem nicht zurückschreiben und bitte, bitte, bitte lasst einfach beides sein. Zeigt wenn ihr euch mögt, schreibt euch, ruft an, und um Himmelswillen: KOMMUNIZIERT MITEINANDER! Interesse zeigen, indem man kein Interesse zeigt, ist absoluter Schwachsinn und führt nur dazu, dass man verletzt wird.

Falls ihr also jemals Opfer von «Ghosting» wurdet: Lasst euch durch das toxische Verhalten eines Manipulanten nicht unterkriegen, denn ihr habt absolut nichts falsch gemacht! Ganz viel Liebe für euch, ihr seid super!

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