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Frühlingsgefühle?

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PEXELS
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Das Thermometer steigt, der Schnee auf den Berggipfeln schmilzt langsam aber sicher dahin und in der blühenden Natur hört man wieder das Zwitschern der Vögel. Der Frühling kündet sich aber nicht nur draussen in der Natur an, auch bei vielen Menschen wird diese Jahreszeit mit positiveren Gefühlen verbunden. Bei mir als Winterkind zwar nicht direkt, trotzdem habe ich in den letzten Jahren immer wieder das Phänomen erlebt, dass sich auch bei mir Frühlingsgefühle breitgemacht haben.

Frühling wäre die Zeit, wo man wieder vermehrt nach draussen strömt, wo die Abende zu Nächten werden und man einfacher Leute kennenlernt. Man hätte das Gefühl, Pärchen würden nur so aus dem Boden spriessen, als wären alle aus dem Winterschlaf erwacht. Es wäre auch die Zeit, in der sich meine Sehnsucht nach einer Partnerschaft verstärken und ich mich wieder auf ein bis zwei (sehr wahrscheinlich erfolglose) Dates einlassen würde. Aber eben: wäre und hätte.

Die momentane Lage macht dem Frühling einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Während die Bäume blühen und die Sonne geniessen, tun das die Glücklichen unter uns auf einem Balkon oder bei einem einsamen Spaziergang – immer mit möglichst viel Abstand. Diesen Abstand habe ich auch zu meinen Frühlingsgefühlen, die sich bisher sehr bedeckt halten.

Vielleicht liegt es daran, dass ich im Moment kaum Zeit habe, gross an etwas anderes als das Virus und das ganze Drumherum zu denken. Vielleicht auch, weil ich die Zeit alleine gerade sehr geniesse und merke, dass es mir mit mir selbst eigentlich ganz gut geht, was unglaublich schön ist. Ich hätte auch gar nicht die Möglichkeit, mich mit jemandem auf ein Date zu treffen. Ausser ich würde es virtuell tun und dafür ist mir der erste Eindruck dann doch zu wichtig.

Meine Frühlingsgefühle scheinen also noch im Winterschlaf zu schlummern und das ist okay so. Das Alleinsein ist mir selten so leichtgefallen. Ich bin mir sicher: Sobald das Thermometer noch weiter ansteigt und uns Alain Berset mit einem Lächeln wieder in die Normalität schickt, werden meine Frühlingsgefühle erwachen und ihr dürft euch wieder mein Gejammer durchlesen.

Bis dahin: Bleibt daheim, bleibt gesund und liebt euch selbst ein bisschen!

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