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Der Stammtisch findet endlich wieder statt

Wie viele andere Restaurants und Cafés im Land kann auch das «Café Giacometti» in Lavin in einer Woche wieder den Betrieb aufnehmen. Das Lokal im Dorfkern ist ein geschätzter Treffpunkt für die Dorfbevölkerung.

Fadrina
Hofmann
Montag, 04. Mai 2020, 04:30 Uhr Corona-Lockerungen im Engadin
Allein am Tisch: Miranda und Arthur Thoma warten auf Stammgäste.
FADRINA HOFMANN

Schon an der Eingangstüre zur Bäckerei mit Caféstube «Giacometti» ist eine Veränderung sichtbar. Die Türklinke ist mit einer Türfallen-Hilfe ausgestattet. Entwickelt hat sie ein Münstertaler, damit in Coronazeiten die Türklinke nicht mehr mit den Händen angefasst werden muss. Mit einem leichten Druck mit dem Ellbogen öffnet sich die Türe. Im Ladenlokal der Bäckerei ist eine Plexiglasscheibe montiert, der hintere Teil des Lokals ist momentan noch verwaist. «Wir werden wohl ein paar Tische und Stühle entfernen müssen, um die Abstandsregeln einhalten zu können», sagt Miranda Thoma mit Blick auf den Cafébereich.

Das «Café Giacometti» ist ein Engadiner Stübli mit viel Holz und natürlich mit einem runden Stammtisch. An diesem treffen sich für gewöhnlich die Einheimischen oder die Bauarbeiter zum Kaffee. Die Touristen – vor allem Wanderer und Biker – zieht es eher zu den Plätzen an den hohen Fenstern mit Blick auf den Inn und im Sommer natürlich auf die Sonnenterrasse.

Es wäre ohnehin ruhiger jetzt

Kaffee oder Tee hat die Mitarbeiterin von Miranda und Arthur Thoma seit dem Lockdown Mitte März nicht mehr ausgeschenkt. Die beliebten Nusstorten und Birnbrote wurden nur noch über die Ladentheke oder via Versand verkauft und auch nicht mehr vor Ort konsumiert. «Für uns ist die Situation nicht so dramatisch, denn jetzt wäre ohnehin Zwischensaison und somit wäre es etwas ruhiger», sagt Arthur Thoma. Betroffen sind vielmehr die Lieferungen an Coop, die zurückgegangen sind. Das Ostergeschäft mit den Hotels fiel auch weg.

Das Giacometti-Team besteht aus zehn Personen. Für die Café-Mitarbeiterin musste Kurzarbeit für zwei Wochen beantragt werden. Danach half sie in anderen Abteilungen des Unternehmens aus. Die Mitarbeiter der Bäckerei haben Ferien bezogen und ihre Überstunden abgebaut. Die erzwungene Pause haben die Geschäftsinhaber ausserdem dafür genutzt, um zu bauen und zu sanieren – in der Bäckerei und in der privaten Wohnung.

Die Stammgäste haben gelitten

Für die einheimische Bevölkerung war die Schliessung des Cafés nicht einfach. «Die Stammgäste, die jeden Tag kommen, um ihren Kaffee zu trinken, die Zeitung zu lesen oder zu plaudern, haben gelitten», sagt Miranda Thoma. Sie macht sich keine Sorgen, dass die Sicherheitsbestimmungen im Café nicht eingehalten werden können. Zum Einen sorgt die Zwischensaison automatisch für weniger Laufkundschaft, zum Anderen ist Lavin eher ein Geheimtipp und kein Ort der Massen. Ausserdem vermutet sie, dass die Menschen zunächst noch etwas Respekt vor dem Besuch in einem Café oder Restaurant haben werden.

Für die Sommersaison ist das Ehepaar Thoma aber optimistisch. «Ich denke, die Schweizer werden kommen», meint Miranda Thoma. Im Unterengadin sind 80 Prozent der Gäste Schweizer, was in der aktuellen Situation ein Vorteil ist. Spüren wird die Bäckerei Giacometti das Fehlen der Gäste in den Hotels, die sie mit Brot beliefert. Im Ladenlokal und im Café könnten die Durchreisenden, die in Richtung Südtirol fahren, diesen Sommer fehlen.

In einer Woche startet der Cafébetrieb endlich wieder, dies vorerst von 7 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr.

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