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«Wir müssen nochmals über die Bücher»

«Wir müssen nochmals über die Bücher»

In einem Altersheim haben sich vier geimpfte Personen mit dem Coronavirus infiziert. Kantonsärztin Marina Jamnicki erklärt im Interview mit Radio Südostschweiz, was das für die Impfkampagne bedeutet.

Südostschweiz
vor 3 Monaten in
Ereignisse
Medientreffen Gesundheitsamt
Kantonsärztin Marina Jamnicki nimmt Stellung zum Corona-Ausbruch in einem Bündner Altersheim.
PHILIPP BAER

Frau Jamnicki, was ist im besagten Seniorenzentrum passiert?

Wir hatten einen Ausbruch. Es sind insgesamt acht Bewohnende erkrankt, vier Geimpfte und vier Ungeimpfte.

Wie geht es den Leuten momentan?

Soweit, so gut, wie ich gehört habe. Bei den Geimpften hatten wir allerdings einen Todesfall. Ein anderer Geimpfter hat Symptome, konnte aber bisher im Altersheim bleiben. Die anderen beiden sind komplett asymptomatisch, wurden aber positiv getestet.

Vier Personen haben sich also trotz der Impfung angesteckt. Sind die Impfungen doch nicht so wirksam?

Wir wussten im Voraus, dass die Impfung nur zu 95 Prozent wirksam ist. Das heisst, dass nicht alle Geimpften komplett geschützt sind. Es kann zu Fällen kommen. Was mir zu denken gibt, ist diese Häufung. Da schauen wir jetzt.

Wie?

Wir machen eine Sequenzierung, um herauszufinden, um welche Mutation es sich handelt. Vielleicht finden wir einen Hinweis, dass diese Impfung gegen die aktuelle Mutation nicht so gut wirkt. Ausserdem untersuchen wir die Immunantwort der Betroffenen. Was aber wichtig ist: Wir haben sehr viel Geimpfte und wenig Ungeimpfte. Prozentual sind bei diesem Ausbruch also viel mehr Ungeimpfte als Geimpfte erkrankt.

Haben Sie mit einem solchen Ausbruch trotz Impfung gerechnet?

Es erstaunt mich nicht wirklich, dass es zu einer solchen Häufung kommen kann.

Welche Konsequenzen zieht das Seniorenzentrum aus diesem Ausbruch?

Wir haben natürlich die ganzen Massnahmen wie Isolation und Quarantäne verordnet. Bis der Ausbruch vorbei ist, müssen zudem alle wieder eine Maske tragen, egal ob geimpft oder nicht. Für den Kanton bedeutet es, dass wir nochmals über die Bücher müssen und schauen müssen, ob die Lockerungen, die wir vor einem Monat eingeführt haben, noch vertretbar sind.

Was bedeutet der Ausbruch für die Impfkampagne in Graubünden?

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass wir uns bewusst sind, dass diese Impfung nur zu 95 Prozent wirksam ist. Gewisse Leute erkranken trotz Impfung. Wenn es zu einer Erkrankung kommt, verläuft diese in aller Regel milder. Die Impfung ist nach wie vor wirksam, und vor allem auch sicher.

Könnte sich jetzt dieser Ausbruch auf die Impfwilligkeit der Bevölkerung auswirken?

Ich hoffe nicht. Ich hoffe, ich kann trotzdem gut erklären, warum man sich impfen lassen soll. Wir sehen ja, dass die Impfung gewirkt hat. Leider nicht bei allen, aber bei 196 Geimpften hat sie gewirkt. Die sind nicht erkrankt.

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Dieser Bericht ist ja schön und gut, allerdings finde ich es etwas schade, dass nicht darüber berichtet wird, wie es den vier ungeimpften Personen geht, auch sie sind Menschen ... Meiner Meinung nach wäre das genauso wichtig, für die Vollständigkeit dieser Geschichte.
Freundliche Grüsse ...