×

Eine Glaskrone wie vor 70 Jahren

Das Kunsthaus Glarus ist im Endspurt der Sanierung. Am 26. Oktober eröffnet es.

Claudia
Kock Marti
Sonntag, 18. August 2019, 04:30 Uhr Eröffnung verschoben

Ein Dutzend Handwerker-Autos steht vor dem eingerüsteten Kunsthaus. Man hört Schleifmaschinen, Bohrer und auch Rockmusik, die in irgendeinem Raum die Arbeit begleitet. Bauleiter Maximilian Fink bespricht sich gerade mit einer Gruppe von Bauleuten vor einer Sickergrube, bei der es ein Problem gibt. Dann hat er Zeit, um aufs Dach zu führen, das bereits mit den neuen Gläsern gedeckt ist.

Das Wichtigste: ein dichtes Dach

Das Dach zu erneuern, die Glaskrone des Hauses, sei die grösste Massnahme, erklärt Fink. Viele Gläser waren zersprungen. Es habe teilweise ins Haus getropft. Die Deckleisten seien vom Wetter zerstört gewesen.

Die neuen Kupferleisten strahlen in der Sonne. Ein Spezialist bessert den Dachrand aus, erneuert verrostete Armierungseisen. «Dieses Original-Drahtglas zu beschaffen war schwierig. Es gibt weltweit nur noch drei Produzenten», sagt Fink. Wichtig sei aber auch, Handwerker zu haben, die noch wüssten, wie früher gebaut wurde.

Geschütztes Zeugnis der Moderne

Das Kunsthaus Glarus mit seinen einfachen geometrischen Formen, der schlichten Dachkonstruktion und der Beschränkung auf die Materialien Backstein, Beton und Glas gilt auch nach fast 70 Jahren als eines der schönsten Ausstellungshäuser der Schweiz. Mit seiner der Moderne verpflichteten charakteristischen Architektur bietet das 1952 vom Glarner Architekten Hans Leuzinger erbaute Museum auf fast 700 Quadratmetern Fläche grosszügige und flexible Ausstellungsräume. Neben zwei Oberlichtsälen verfügt das Kunsthaus über einen Seitenlichtsaal und zwei fensterlose Räume im Untergeschoss sowie ein lichtdurchflutetes Foyer mit Cafeteria.

Im Jahr 2016 beschloss die Landsgemeinde, die Hälfte oder maximal 1,92 Millionen Franken an die dringende Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes beizutragen.

Die andere Hälfte hat der Kunstverein, dem das Kunsthaus gehört, über Beiträge der Denkmalpflege, Gemeindebeiträge sowie private, dem Kunsthaus Glarus zugewandte Kreise, Mitglieder, Gönner und Sponsoren zusammengetragen.

Die Baustelle von oben nach unten

Vor allem das neue Dach, eine rundum neue Haus-Technik und auch eine teils erneuerte Einrichtung stehen bei der Sanierung im Zentrum.

Mit Kaspar Marti, Kunstvereinspräsident und zugleich Vertreter der Bauherrschaft, geht es weiter durch die Baustelle. Im Seitenlichtsaal und auch im Foyer sind neue Fenster mit nicht-reflektierendem Glas bereits eingebaut. Der Saal scheint heller als zuvor zu sein. Vor den Fenstern sind neu Schienen für Vorhänge eingelassen. Wie zu Leuzingers Zeiten sollen solche künftig wieder zum Einsatz kommen.

Neu und eleganter soll die künftige Beleuchtung werden. Das Modell dafür hängt bereits. «Die Beleuchtung war eine unserer Herausforderungen», erklärt Marti. Die ersten 20 Jahre habe es im Kunsthaus nur eine Grundbeleuchtung gegeben. «Man schaute also Kunst nur bei Tageslicht respektive bei hellem Wetter an.»

Neu verlegt sind auch Strom- und WLAN-Anschlüsse. «Die Schwierigkeit des Arbeitens im denkmalgeschützten Gebäude liegt darin, dass man diese Eingriffe nicht sehen soll», sagt Marti. Der Besucher soll nur bemerken, dass der Saal nun frischer daherkomme.

Ein Handwerker ist im Foyer gerade daran, die Fugen eines neuen Fensters mit Silikon zu füllen. Auch im Foyer wird es nach der sanften Renovation nicht viel anders aussehen als zuvor. Beim Aufzug sind ebenfalls Spezialisten an der Arbeit. Die Innentür wird nach neuen Anforderungen modernisiert, alles andere bleibt, wie es war.

Im Oberlichtsaal wiederum braucht es nur noch die Gipser, damit der Raum wieder für die Kunst bereit ist. Unübersehbar ist das türgrosse Loch in der Aussenwand, welches künftig zur neuen Feuertreppe führt.

Im Untergeschoss gibt es eine Überraschung: Durch den Ausbau des früheren Tier-Panorama-Saals ergibt sich ein grosszügiger Raum, der als Schaudepot dienen wird. Interessierte können dort geführt etwa den Picasso oder Kirchner aus der Sammlung des Glarner Kunstvereins bewundern.

Die Arbeiten für den vorgeschriebenen neuen Notausgang, ein behindertengerechtes WC, ein erneuertes Office und auch ein weiteres WC im Kulturraum sind des Weiteren voll im Gang.

Wiedereröffnung am 26. Oktober

Ursprünglich war die Wiedereröffnung des Kunsthauses auf Ende September geplant. Verspätungen bei der Glasdacheindeckung führten dazu, dass sie um einen Monat verschoben wird. Umso mehr darf man sich ab dann auf Ausstellungen im sanierten Kunsthaus freuen. Neu gibt es ein Schaudepot für Werke aus der Sammlung.

Kommentar schreiben

Kommentar senden