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Bündner Literaturpreis geht ins Engadin

Die Bündner Autorin Romana Ganzoni wird für ihre sprachliche Virtuosität und für die überraschenden Wendungen ihrer Geschichten ausgezeichnet. Sie erhält den Bündner Literaturpreis 2020.

Südostschweiz
Freitag, 17. Januar 2020, 04:30 Uhr Mehrsprachige Autorin ausgezeichnet
Romana Ganzoni arbeitet bereits an ihren nächsten Werken.
ZVG/ANNA POSITANO

Jedes Jahr werden im Kanton Menschen für ihre besonderen Verdienste um die Literatur Graubündens ausgezeichnet. Der sogenannte Bündner Literaturpreis ist mit 10'000 Franken dotiert und wird seit 1999 verliehen. Ins Leben gerufen hat ihn die Churerin Milly Enderlin, die eine entsprechende Stiftung errichtete.

Dieses Jahr geht der Literaturpreis an die mehrsprachige Autorin Romana Ganzoni, wie es in einer Mitteilung der Stiftung heisst. Sie erhalte die Auszeichnung in Anerkennung ihres vielseitigen und kontinuierlichen literarischen Schaffens, ihrer sprachlichen Virtuosität und der überraschenden Wendungen ihrer Geschichten. Besonders berücksichtigt wurden dabei ihre letzten zwei Werke «Granada Grischun» aus dem Jahr 2017 und «Tod in Genua», das 2019 veröffentlicht wurde.

Eng mit Graubünden verbunden

«Mir bedeutet diese Auszeichnung sehr viel», sagt Ganzoni gegenüber Radio Südostschweiz. «Es ist eine Anerkennung in meiner Heimat. Damit kann man ja bekanntlich laut Sprichwort nicht wirklich rechnen. Es ist also eine besondere Freude.»

Die mehrsprachige Autorin freut sich über die Auszeichnung.
ZVG/ANNA POSITANO

Ganzoni ist in Scuol geboren und lebt jetzt in Celerina/Schlarigna. «Ich bin familiär und auch historisch sehr mit dem deutschen und dem romanischen Teil von Graubünden verbunden», sagt sie. Nachdem Ganzoni das Hochalpinen Institut Ftan besuchte, hat sie an der Universität Zürich Allgemeine Geschichte und Germanistik studiert. Danach hat sie an verschiedenen Gymnasien in Zürich und im Engadin unterrichtet.

Seit sieben Jahren als Autorin aktiv

Als Ganzoni erfuhr, dass sie den Preis erhalten wird, sei ihr ganz warm ums Herz geworden und sie habe gewusst, dass die Auszeichnung ihrem weiteren Schaffen und Schreiben guttun würde. «Es hat sich sehr schnell gezeigt, dass mich das motiviert und in meiner Identität als Autorin festigt», so die Engadinerin.

Ganzoni ist erst seit 2013 als Autorin unterwegs. In diesen Jahren habe sie sich und den Autorenberuf einige Male hinterfragt. «Man fragt sich, was heisst es eigentlich, Autorin zu sein? Was macht sie? Wie kann sie sich verbessern?» Veröffentlicht hat Ganzoni in dieser Zeit fünf Einzelpublikationen. Darunter die zwei bei der Vergabe des Preises besonders beachteten Werke.

Auch in Zukunft wird es um die Engadiner Autorin nicht ruhig werden. Kommendes Jahr wird ein Kinderbuch von ihr erscheinen und auch die Idee für einen neuen Roman hat sie bereits gefasst. Aktuell arbeitet Ganzoni jedoch an zwei Büchern, die noch in diesem Jahr erscheinen sollen. Zum einen an einem Jugendroman in einfacher Sprache. «Das Thema dabei ist Mut, Ermutigung, Mut machen», verrät die Autorin. Zum anderen arbeitet sie an ihrem ersten romanischen Buch, das Kurztexte und Gedichte beinhalten wird.

Die öffentliche Preisverleihung findet in der Kantonsbibliothek Chur, am Mittwoch, 12.02., um 18 Uhr statt.

Vergangenes Jahr erhielt der Autor Andri Perl den Bündner Literaturpreis:

Alle bisherigen Gewinner im Überblick:

Bündner Literaturpreis 1999-2019:

•             1999: Cathomas/Fischbacher/Jecklin, u.a. (Hg.)
•             2000: Kurt Wanner, Splügen
•             2001: Rut Plouda, Ftan
•             2002: Robert Vieli, Chur
•             2003: Bernadette Lerjen-Sarbach, Zizers
•             2004: Cesare Santi, Soazza-Chiasso
•             2005: Vincenzo Todisco, Rhäzüns
•             2006: Andrea Bellasi und Ursula Riederer, Thusis
•             2007: Benedetto Vigne, Zürich-Salouf
•             2008: Margrit Sprecher, Zürich-Chur
•             2009: Leo Tuor, Surrein
•             2010: Peter Michael-Caflisch, Arezen
•             2011: Leta Semadeni, Lavin
•             2012: Andrea Paganini, Chur/Poschiavo
•             2013: Silvio Huonder, Schwielowsee (b. Berlin)/Chur
•             2014: Oscar Peer, Chur/Lavin
•             2015: Angelika Overath, Sent
•             2016: Mariella Mehr, Zürich-Leimbach/Almens
•             2017: Massimo Lardi, Poschiavo/Le Prese
•             2018: Melitta Breznik, Scuol
•             2019: Andri Perl, Chur

(rac)

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