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Abstimmungskampf am internationalen Frauentag

Abstimmungskampf am internationalen Frauentag

Das Frauenstreikkollektiv nutzt den internationalen Frauentag, um in Chur für das Referendum gegen die Abschaffung der Mutterschaftsbeiträge zu weibeln.

Simone
Janz
08.03.21 - 17:45 Uhr
Politik

Er ist ganz anders als in Zürich, der internationale Frauentag in Chur. Keine Fäuste in der Luft, keine Sprechchöre, kein violetter Demonstrationszug, keine Polizei in Vollmontur. Dafür zwei Einkaufswagen auf dem Alexanderplatz, verkleidet mit Karton, verziert mit einem Plakat mit zwanzig Nuggis drauf, einer davon schwarz – für jede 20. Familie, die auf jene Mutterschaftsbeiträge angewiesen ist, die der Grosse Rat in der letztjährigen Augustsession aufgehoben hat. Das Frauenstreikkollektiv ergriff dagegen gemeinsam mit Juso, SP, Gewerkschaftsbund und Avenir Social das Referendum.

Angela Thiele springt von der Seite ins Blickfeld. Es ist ihr Eisbrecher-Move, um den Passantinnen und Passanten die Flyer gegen die Abschaffung der Mutterschaftsbeiträge in die Hand zu drücken. Manche winken ab, sagen, sie hätten es pressant, andere lassen sich auf einen Schwatz ein. «Die, die bereits wissen, worum es geht, hab ich am liebsten», lacht Thiele. Sie ist Gewerkschafterin und schon seit dessen Gründung Teil des Frauenstreikkollektivs. Es sei wichtig, dass dieses auch nach dem Frauenstreik immer noch aktiv sei, um gegen solche Missstände auf Kosten der Frauen zu kämpfen. Sagts und rät zwei Touristen, den Flyer in der Ferienwohnung aufzuhängen. «Je mehr davon wissen, desto besser.»

Die Aktion des Frauenstreikkollektivs in Chur ist klein und überschaubar. Allgemeine Forderungen wie Lohngleichheit und Gleichstellung oder Solidaritätsbekundungen mit Frauen weltweit finden sich nirgends. Einzig ein Nuggi-Band flattert im Wind. Die Bündner Aktivistinnen nutzen die Gunst der Stunde und die erhöhte Aufmerksamkeit am internationalen Frauentag für ihren Abstimmungskampf. Wenn es keine Mutterschaftsbeiträge mehr gäbe, müssten armutsbetroffene Frauen direkt aufs Sozialamt, statt niederschwellige Hilfe zu erhalten, sagt Thiele. «Das wollen wir verhindern. Die Aufhebung dieses Gesetzes schadet insbesondere alleinerziehenden Müttern.» Über das Referendum stimmen die Bündnerinnen und Bündner am 13. Juni ab.  

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