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Kantonale Impfkampagnen: «Die letzten Meter sind die schwierigsten»

Kantonale Impfkampagnen: «Die letzten Meter sind die schwierigsten»

Walk-in-Zentren, Impftrucks oder Informationskampagnen für Migrantinnen und Migranten: Die Kantone unternehmen viel, um ihre Impfquote zu steigern. Diese Massnahmen zeigen zwar Wirkung und trotzdem bleiben die Zahlen zwei- bis dreimal tiefer als noch im Mai oder Juni.

Agentur
sda
vor 1 Monat in
Politik
Der umgebaute doppelstöckige Impfbus in Basel ist vor allem bei Jugendlichen beliebt, eine der Zielgruppe der Impfkampagnen in den Kantonen. (Archivbild)
Der umgebaute doppelstöckige Impfbus in Basel ist vor allem bei Jugendlichen beliebt, eine der Zielgruppe der Impfkampagnen in den Kantonen. (Archivbild)
KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Zwar steigen die Impfzahlen schweizweit seit den Sommerferien wieder leicht an. Letzte Woche wurden rund 220'000 verabreicht und damit 17 Prozent mehr als in der Vorwoche. Doch im Vergleich zum Beginn der Kampagne im Frühsommer, als im ganzen Land wöchentlich zeitweise über 600'000 Dosen verteilt wurden, ist der Unterschied weiterhin gross.

Kantone strengen sich an

Nichts desto trotz unternehmen die Kantone Einiges, um die Impfquote weiter zu steigern: So gibt es zahlreiche mobile Impfteams, die in Einkaufszentren, Schulen, Gemeindesälen, Kulturzentren oder bei Firmen unterwegs sind. Ausserdem kurven rund ein Dutzend Impfbusse - in Zürich dazu noch das Impftram - durch die Gegend.

In Basel sei der umgebaute englische Doppelstöcker besonders bei jüngeren Jahrgängen beliebt, hiess es beim dortigen Gesundheitsdepartement auf Anfrage. Damit werde das Hauptziel erreicht: Diese Bevölkerungsgruppe mit der bisher tiefsten Quote für eine Impfung zu gewinnen.

Auch die Walk-in-Angebote wurden schweizweit erweitert, damit sich die Menschen auch ohne Voranmeldung zu einer ersten Dosis entscheiden können. Impfungen werden mittlerweile nebst in Zentren auch in Apotheken, beim Hausarzt oder in Heimen angeboten.

In Zug können sich ganze Gruppen, Vereine oder Betriebe ohne Voranmeldung eine Spritze setzen lassen. In Luzern organisiert die IG Kultur zusammen mit dem Kanton eine Informationskampagne für das Partyvolk. Und auch in Lausanner Ausgehviertel Flon wurde für die jüngeren Nachtschwärmer ein Impfcenter aufgebaut.

Migrantinnen ansprechen

Weil sich nach den Sommerferien gezeigt hatte, dass die Migrantinnen und Migranten für einen überproportional hohen Anteil an Fällen und Hospitalisierungen verantwortlich sind, wurden zusätzlich die Angebote für diese Bevölkerungsgruppe ausgeweitet:

So gibt es in Bern seit Anfang August eine Informationskampagne in 20 Sprachen, darunter etwa Tibetisch, Tigrinisch, Tamilisch, Chinesisch oder Somalisch. In Basel hat der Kanton Audiodateien in 20 Sprachen verfasst, die von den jeweiligen Vertreterinnen auf Whatsapp verbreitet werden sollen. Dazu plant der Kanton, Briefe an die fremdsprachigen Bewohnerinnen und Bewohner in 12 Sprachen zu verschicken.

Auch in St. Gallen sind Informations- und Erklärvideos in 25 Sprachen abrufbar. Und in Luzern werden Fremdsprachige, die sich an die Corona-Hotline wenden, in ihrer Muttersprache zurückgerufen.

Im Glarnerland werden Menschen mit Migrationshintergrund über eine SMS in ihrer Sprache darüber informiert, wie und wo sie sich impfen lassen können. Und in Schaffhausen konnten sich die Gläubigen in einer Moschee direkt nach dem Freitagsgebet für eine Impfung entscheiden.

Kantone sprechen von Erfolg

Diese Massnahmen waren nach Angaben der jeweiligen Kantone bisher auch ziemlich erfolgreich. In Solothurn habe die grosse Nachfrage nach niederschwelligen Impfmöglichkeiten sogar «alle Erwartungen übertroffen», hiess es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

In St. Gallen müssen Impfwillige zum Teil wieder bis zu zwei Wochen auf eine erste Dosis warten. Der Kanton erhöhte deshalb die Kapazitäten und auch Thurgau baute diese auf fast das Doppelte aus.

50 Prozent Einfluss auf Impfquote

Doch wie viel all diese kantonalen Anstrengungen bewirken, ist schwierig zu beziffern. Dies weil nach den Sommerferien die Fall- und Hospitalisierungszahlen wieder in die Höhe schossen und der Bundesrat kurze Zeit später das Ende der Gratis-Tests für Ende Oktober und - noch einschneidender - die Zertifikatspflicht in Restaurants und an öffentlichen Anlässen - beschloss.

Während die Gesundheitsbehörden in Luzern, Aargau und Basel-Stadt eher davon ausgehen, dass die höhere Impfbereitschaft auf die Einführung der Zertifikatspflicht zurück zu führen ist, schätzt Gundekar Giebel, Kommunikationschef der Berner Gesundheitsdirektion den Anteil der Massnahmen an der gestiegenen Impfquote immerhin auf rund die Hälfte.

Doch vergleichbar mit den Zahlen vom Mai, Juni oder Juli sei der Impffortschritt bei weitem nicht, sagte Jérôme Weber von der Zürcher Gesundheitsdirektion. Es gehe jetzt denn auch vor allem noch darum, den ungeimpften Teil der Bevölkerung zu zu einer Impfung zu bewegen: Und «die letzten Meter sind immer die schwierigsten».

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