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Starwings Basel:«Von Geisterspielen halte ich gar nichts»

Die Schweizer Basketball-NLA wird durch das Coronavirus stark herausgefordert. Nach Swiss Central könnten weitere freiwillige Abstiege folgen. Die Starwings Regio Basel sind jedoch solide aufgestellt.

Agentur
sda
Donnerstag, 14. Mai 2020, 16:05 Uhr Basketball

Die Schweizer Basketball-Landschaft bewegt sich selbst in guten Zeiten auf dünnem Eis, die Coronavirus-Krise verschärft die Herausforderungen nun noch zusätzlich. Beim Verband ist man sich des Ernsts der Lage bewusst. «Ich schätze, wir werden nächste Saison zwischen acht und zehn Teams in der NLA haben», erklärt Swiss-Basketball-Direktor Erik Lehmann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aktuell wären es nach dem freiwilligen Rückzug von Swiss Central Ende April noch deren elf. Lehmann rechnet also mit weiteren Klubs, die sich die oberste Liga nicht mehr leisten können oder wollen.

Nicht zu diesen gehören wird Starwings Regio Basket Basel. «Um uns muss man keine Angst haben», versichert Vizepräsident Pascal Donati. «Unsere Finanzen sind in Ordnung.» Der nunmehr einzige Deutschschweizer NLA-Klub kann auf treue Sponsoren zählen, die bisher kaum unter der Corona-Krise leiden und die jeweils für das ganze Kalenderjahr bezahlen. Bei Swiss Central, das fünf Jahre lang in der NLA spielte, war die Ausgangslage eine andere. «Die Mittelbeschaffung war für uns stets eine grosse Belastung», erklärte der abtretende Präsident Noldi Huber in der «Luzerner Zeitung». Das wäre in der aktuellen Situation mit Sicherheit nicht einfacher geworden. Entscheidender war aber der Abgang von gleich vier talentierten jungen Spielern, die nicht ersetzt werden könnten. Bereits in dieser Saison kam Swiss Central nur auf zwei Siege in zwanzig Spielen. Ein sportlicher Abstieg drohte dennoch nicht; aus der NLB will gar niemand aufsteigen.

Maximal 3500 Franken Lohn

Auch die Starwings aus Birsfelden wirtschaften bescheiden, aber doch auf einem deutlich höheren Niveau. Donati bedauert den Rückzug von Swiss Central. «Das ist ein toller Verein mit guter Nachwuchsarbeit», sagt er. Auch die Basler setzen auf junge Spieler aus der Region und der ganzen Deutschschweiz. Sie kämpfen stets um einen Platz in den Playoffs, mit den Spitzenteams aus Genf oder Freiburg können sie aber nicht mithalten. Alleine in den letzten vier Wochen verpflichteten die Lions de Genève drei Schweizer Nationalspieler und einen neuen Trainer.

Transfers von arrivierten Schweizer Spielern liegen in Basel nicht drin. Die Entschädigungen betragen zwischen 1100 und 1700 Franken im Monat, Ausländer erhalten den Mindestlohn von 3500 Franken. Bei den Spitzenklubs werden bis zu 10'000 Franken bezahlt. «Wir wollen Spieler, die neben dem Sport noch etwas machen und nicht mit 34 Jahren mit nichts da stehen», erklärt Donati. Für die kommende Saison wechselt zum Beispiel ein Spieler von Küsnacht zu den Starwings, der noch die Fachhochschule besucht.

Das Kader für die nächste Saison stehe zu etwa zwei Dritteln, sagt der Vizepräsident, der seit fast 40 Jahren im Basketball aktiv ist. «Wir müssen aber auch noch wissen, wie die Ausländerregelung sein wird.» Und wann die neue Saison beginnt. Am Mittwoch kehrten die Basler Spieler ins Training zurück, und aktuell plant die Liga mit dem üblichen Start Anfang Oktober, doch Donati ist skeptisch. «Ich bin etwas der Pessimist und rechne mit einer zweiten Welle. Die Frage ist, wie hoch sie ausfällt.»

Er plädiert deshalb eher für einen Saisonstart im Januar. «Wir könnten die Zwischenrunde weglassen und für eine Saison die Anzahl Ausländer reduzieren. Ich glaube, die Sponsoren würden das akzeptieren.» Von einem Start mit Geisterspielen hält der Basler gar nichts. «Es geht nicht nur um die Zuschauer, sondern auch um die Spieler.» Gerade im Herbst sieht er eine dreifache Gefahr: die zweite Corona-Welle, die normale Grippe-Welle und Erkältungen. «Eine notwendige Quarantäne würde die Meisterschaft gewaltig verfälschen», gibt Donati zu bedenken.

Doch egal, was passiert: Der letzte verbliebene Deutschschweizer NLA-Klub wird dabei sein. In Gefahr sind wohl andere. Zum Beispiel Vevey, das in den letzten Jahren verschiedentlich mit Finanzsorgen kämpfte. Oder vor allem die beiden Tessiner Klubs Lugano und Massagno, da die Wirtschaft in ihrem Kanton von der Krise besonders hart getroffen wurde.

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