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Der Oldtimer unter den Skiliften

Am 12. Dezember 1959 ist der Skilift Schilt in Mollis eröffnet worden. Andere Projekte wie etwa der Bau einer Bahn vom Tal aus scheiterten. Tobias Meili zeichnet in seiner Maturaarbeit die Entstehung des «schon fast historischen Skilifts» nach.

Südostschweiz
Freitag, 17. Januar 2020, 04:30 Uhr Maturarbeit
«Vielseitiges Skigebiet»: Tobias Meili untersucht in seiner Maturaarbeit die Entstehung des Skilifts Schilt auf der Fronalp oberhalb von Mollis.
SASI SUBRAMANIAM

Von Madeleine Kuhn-Baer

Er findet das Fach Geschichte cool, ebenso das Skigebiet Schilt auf der Fronalp oberhalb von Mollis. Da war es für Tobias Meili naheliegend, seine Maturaarbeit der Entstehung des Skilifts Schilt zu widmen. Der Jugend- und Sport-Leiter der Jugendorganisation des Skiclubs Mollis fährt sehr oft dort Ski – sofern Schnee liegt. «Das Skigebiet ist nicht megagross, man kennt die meisten Leute, es ist extrem vielseitig, und man muss kaum anstehen», schwärmt der 18-jährige Molliser. Und wenn er dann noch die Abfahrt bis ins Tal hinunter geniessen kann, ist der Skigenuss für ihn perfekt.

Die Entstehung des Skilifts Schilt nachzuzeichnen, war für ihn «megaspannend», wie er sagt. Vorher wusste er nur wenig über den «fast schon antiken Skilift». In seiner Arbeit schildert er zunächst die Hintergründe des Skisports im Glarnerland: erste Skirennen, erster Skiclub – aus der ersten Sektion des Schweizerischen Alpenclubs (SAC) hervorgegangen –, erste Schweizer Skifabrik, erster mit Skiern bestiegener Berg der Schweiz. «So etablierte sich das Skifahren in der Schweiz vom Glarnerland aus und nicht von den erwarteten, heutigen Touristenorten in Graubünden oder im Wallis», folgert Meili.

1893 hat Christof Iselin den Schilt erstmals mit Skiern bestiegen – laut SAC war dies die allererste Skibesteigung eines Schweizer Gipfels überhaupt. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es dann das Angebot der berühmten «Fünfliber-Tour»: Für rund fünf Franken konnte man von Zürich mit dem Zug nach Näfels fahren, von dort mit den Skiern über den Schilt, die Mürtschenalp und Robmen Richtung Obstalden sowie bei guten Verhältnissen bis nach Mühlehorn hinunter fahren und mit dem Zug wieder zurück.

Das Schiltgebiet war als Tourendestination gut etabliert. Nicht zuletzt deshalb wurde 1932 der Skiclub Mollis gegründet und 1934 im unteren Fronalp eine Skihütte gebaut; mitten im heutigen Skigebiet.

Bahn vom Tal aus verworfen

Über eine touristische Erschliessung des Fronalpgebietes dachte man bereits seit den 1930er Jahren nach. Viele Projekte wurden aber – wohl aufgrund des Krieges – nicht weiterverfolgt. So auch die Idee, das Dorf Mollis und das Fronalpstockgebiet mit einer Bahn zu verbinden.

Der Impuls für den Bau eines Skilifts ging 1957 vom Verkehrsverein Mollis aus. Begründet wurde er folgendermassen: Ein Skilift sei nötig, um Mollis am Leben zu halten. Ein attraktives Freizeitangebot solle helfen, junge Menschen in der Region zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln. Da Mollis mit der «Fünfliber-Tour» vor dem Krieg ein zentrales Reiseziel für Tourengänger aus Zürich gewesen sei und diese nach Kriegsende ausblieben, müsse man andere Arten finden, um den Tourismus wieder zurückzubringen.

1959 wurde ein Initiativkomitee gegründet, dem Posthalter Fritz Berger als Präsident sowie Robert Kamm, Alfred Gallati, Jakob Zweifel, Jacques Beglinger und Skiliftingenieur Karl Brändle aus Meilen angehörten. Letzterer plante auch den Skilift und leitete dessen Bau.

Geplant war eine Anlage nach dem «System Constam». Diese Art von Schlepplift kann heute «schon fast als ein Oldtimer unter den Skiliften» bezeichnet werden. Erstmals wurde er 1934 in Davos gebaut. «Das Spannende in Mollis ist, dass die Anlage, abgesehen von den Bügeln, nie erneuert oder renoviert wurde. Für die Geschichte des Skisports ist der heutige Skilift Schilt demnach schon fast historisch. Besonders weil er der einzige originale Constam-Skilift ist, der noch in Betrieb gehalten wird.» Obwohl sie eigentlich am Fronalpstock liegt, wurde die Anlage «Skilift Schilt» genannt. Dies, weil im Kanton Schwyz bereits ein Skilift Fronalp existierte.

«Gute Kapitalanlage»

«Überraschenderweise war es überhaupt kein Problem, die nötigen finanziellen Mittel zu beschaffen. Das Interesse für einen Molliser Skilift war in der Bevölkerung offenbar riesig», heisst es in der Arbeit. Statt wie geplant 680 Aktien à 250 Franken wurden von Ende April bis Ende Mai 1959 deren 880 gezeichnet. Zum Aktienkapital von 220 000 Franken kam ein Darlehen über 80 000 Franken.

«Eine solche Methode hat aber nur einmal funktioniert», schreibt der Maturand. Im von ihm kritisch durchleuchteten Emissionsprojekt wurde mit den Argumenten «bescheidene Anlagekosten, billiger Betrieb, gesicherte Rentabilität» geworben. Der wirtschaftliche Nutzen stand im Vordergrund, und die Investition wurde als gute Kapitalanlage angepriesen.

Zielpublikum waren vor allem Skibegeisterte aus dem Glarnerland, den Nachbarkantonen und aus Zürich. «Ich kann mir vorstellen, dass vor allem auswärtige Anleger nach den ersten Jahren mit Dividenden wie ‘vier Gratisfahrten’ nicht mehr wirklich zufrieden waren. Geschweige denn, dass sie nochmals in den Skilift Schilt investiert hätten», so der Molliser.

«Überraschenderweise war es überhaupt kein Problem, die nötigen finanziellen Mittel zu beschaffen. Das Interesse für einen Molliser Skilift war in der Bevölkerung offenbar riesig.»

Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, waren doch die Politiker nicht von Anfang an mit von der Partie. Von den ersten Gesuchen des Initiativkomitees am 6. Februar 1959 bis zur endgültigen Annahme des Kauf- und Dienstbarkeitsvertrags an der Gemeindeversammlung vom 20. Juni 1959 dauerte es mehr als vier Monate. Doch schliesslich zogen alle an einem Strang.

400 Höhenmeter in 450 Sekunden

Die reine Bauzeit umfasste lediglich ein knappes halbes Jahr. Obwohl sich Skiliftingenieur Karl Brändle wiederholt über die schlecht geschulten einheimischen Arbeitskräfte beklagte, konnte der Skilift pünktlich am 12. Dezember 1959 eröffnet werden.

Die Fahrzeit von der Talstation «Ochsenberg» auf 1200 Metern über Meer (m ü. M.) bis zur Bergstation «Ranegg» auf 1600 m ü. M. dauerte rund siebeneinhalb Minuten. Der Skilift mit einer Förderleistung von 300 bis 400 Personen pro Stunde wurde auf einem Werbeplakat als «modernste Hochleistungsanlage» angepriesen.

«Auch wenn anfangs noch grössere Ambitionen für das Skigebiet Schilt vorhanden waren, erhielt der Skilift selbst dann doch nur eine sehr regionale Bedeutung. Er konnte nur mit der Unterstützung aller Parteien realisiert werden und dank dieser Unterstützung bis heute in Betrieb bleiben. Das mag wohl auch der Grund dafür sein, dass dieser Lift mittlerweile als einziger seiner Art verbleibt», so das Fazit von Tobias Meili.

Der junge Molliser wird nach der Matura die Rekrutenschule absolvieren. Anschliessend plant er, Kommunikationswissenschaft an der Universität Zürich zu studieren.

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