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Die Glarner wollen den Winter nicht übersommern

«Snowfarming»: Vom Schnee von gestern will man im Glarnerland nichts wissen. Das «weisse Gold» soll im Kanton nicht mit Schneekanonen auf Vorrat produziert und gebunkert werden.

Martin
Meier
Freitag, 17. Januar 2020, 04:30 Uhr «Weisses Gold»
Eingesommert: Davos setzt mit seiner Schneefarm auf Schnee aus dem letzten Winter.
ARCHIVBILD

Meteorologen befürchten den Totalausfall des Winters. Weil das Weiss fehlt, sehen viele schwarz. Und wenn jetzt auch noch der Restschnee wegschmilzt, geht der Geldfluss bachab. Mit allen Mitteln wird in Skidestinationen im In- und Ausland daher versucht, Frau Holle ein Schnippchen zu schlagen. Die jüngste «Erfindung» sind Schneefarmen, die den Winter übersommern sollen.

Es sind die Wissenschaftler des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung Davos (SLF), welche das «Snowfarming» optimiert haben: Der Schnee wird aufgehäuft und mit Sägemehl und Folie bedeckt. Bei idealen Bedingungen bleiben so bis zum Start der nächsten Wintersaison vier Fünftel des «weissen Goldes» erhalten. Das Grundprinzip ist der Natur abgeschaut: So überlebt auf der Höhe des Heuzugs auch der mit Holz und Laub bedeckte Lawinenkegel im Klöntal auf rund 800 Metern über Meer.

Für «Snowfarming» fehlt in Braunwald der Platz

Trotzdem ist auf der Sonnenterrasse Braunwald eine Schneefarm kein Thema: «Eine solche käme ohnehin nur im Bächital infrage», meint André Huser, der Direktor der Sportbahnen. «Weil dort der Einfallswinkel der Sonne am flachsten ist.»

Hinzu kämen Schwierigkeiten, die kaum aus dem Weg zu räumen seien: «Es fehlt der Platz.» Das Land werde schliesslich für die Alpbewirtschaftung gebraucht. Des Weiteren sei der Sessellift weit über einen Kilometer lang. «Da würden wir Unmengen von Farmschnee benötigen, um nur eine Piste zu präparieren», sagt Huser.

«Anders würde es aussehen, wenn wir im Bächital einen kurzen Skilift hätten.» Dann käme allerdings, fährt Huser fort, ein weiteres Problem hinzu. «Im Bächital fehlt eine Beschneiungsanlage.» Kunstschnee sei aber notwendig, um eine Schneefarm erst machen zu können.

Eventuell für spezielle Events

Derzeit behelfe man sich mit anderen Mitteln, wenn es darum gehe, apere Stellen mit Schnee zu überbrücken. «So haben wir beispielsweise in dieser Saison mit Raupenfahrzeugen und Schneeschleudern dafür gesorgt, dass man von der Bergstation der Standseilbahn nach Niederschlacht zur Talstation der Gondelbahn hinunterfahren kann.» Auch auf die Schlittelbahn habe man Schnee geführt. Huser: «Das hat uns 4500 Franken gekostet.»

Huser hofft jetzt auf Schnee von morgen: «Am Samstag soll es 18 Millimeter Niederschlag geben, macht 18 Zentimeter Neuschnee.» Gleich tönt es aus Elm: «‘Snowfarming’ ist im Moment bei uns kein Thema», sagt Bruno Landolt, der Direktor der dortigen Sportbahnen. Und nennt dieselben Gründe wie André Huser. «Anders sähe es aus», so Landolt, «wenn ein Wintersportort einen speziellen Event plant. Wie beispielsweise das italienische Skiresort Livigno, das mitten im Sommer ein Langlaufrennen veranstaltet.»

In solchen Fällen mache eine Schneefarm durchaus Sinn. Eine Loipe benötige jedoch ein schmaleres Schneepolster als eine Skipiste. «Weniger Schnee braucht auch ein Schlittelweg», meint Landolt. Die Elmer Piste wurde deshalb aufgepeppt: mit herbeigeführtem Schnee von der Wichlenalp.

Erfunden haben das «Snowfarming» im Übrigen nicht die Schweizer, sondern die Finnen. So, wie es die Deutschen waren, die Anfang Jahrtausend den fehlenden Schnee als Erste mit Dutzenden von Lastwagen in den Schwarzwald karrten. Dies immerhin aus der Schweiz – für das Skispringen in Titisee-Neustadt.

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Die Natur kann man nur teilweise überlisten. Mit Schneekanonen wenn es genug kalt ist und Schnee unter Sägemehl .Trotzdem ,macht die Natur was sie will und nicht was der Schilift will. Vermutlich müssen wir uns auf wärmere Winter einstellen oder dieses Jahr sei eine Ausnahme.