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Das Ostergeschäft brummt – trotz (oder wegen) Corona

Ostern naht – und wie jedes Jahr sind Schoggihasen und Blumen gefragt. Dieses Jahr müssen die Konditoren und Floristen der Region aber besonders kreativ sein, um an Kunden zu gelangen.

Fabio
Wyss
Donnerstag, 09. April 2020, 17:55 Uhr Osterblumen und Schoggihasen
Hergestellt in einer Nachtschicht: Osterhasen sind dieses Jahr gefragte Mangelware.
BILD MARKUS TIMO RÜEGG

Auf den letzten Drücker fertigen Konditoren in diesen Tagen Schoggihasen an. «Am Dienstag war ich bis kurz vor Mitternacht noch dran, und am Mittwochmorgen startete ich wieder um sechs Uhr», sagt etwa Jasmine Löffel-Huber von der Gommiswaldner Bäckerei Huber.

Huber rechnete wie andere Bäckereien wegen Corona mit einem Nachfrageeinbruch. So schätzt etwa die Bäckerei Tschirky, dass sie rund einen Drittel weniger Hasen im Angebot hat als in üblichen Jahren. Die Bäckerei Wick hat bei Verkündung des Notstands gar die Hasenproduktion vorübergehend eingestellt.

Physisch und online überrannt

Nun zeigt sich aber: Die Nachfrage ist in etwa gleich hoch wie immer. Weniger sei es sicher nicht, lässt die Bäckerei Wick verlauten. «Seit einer Woche werden wir richtiggehend überrannt», heisst es von der Bäckerei Huber.

Bei der Bäckerei Tschirky hat man wegen des Notstands mehrere Tage investiert, um den schon bestehenden Online-Shop für das Ostergeschäft zu rüsten. Geschäftsleiter Silvan Tschirky wusste: «Online können jetzt Riesenzahlen generiert werden.»

Trotz der Vorbereitungen war das Team dem Ansturm nicht gewachsen. Man habe über 200 verschiedene Hasensorten angeboten. Die Mitarbeiter seien nicht mehr nachgekommen, weil ständig neue Sorten wieder ausverkauft waren, sagt Tschirky. «Als dann die Post noch mitteilte, dass es Lieferverzug geben könnte, stoppten wir den Online-Handel. Jetzt nehmen wir Bestellungen telefonisch entgegen.»

Es scheint, als hätten die Konditoren das Ostergeschäft unterschätzt. Nicht unterschätzt, sagen sie unisono, aber vorsichtig geschäftet. «Das Risiko war schlicht zu hoch, um am Ende auf so vielen Hasen sitzen zu müssen», sagt etwa Tschirky. Die Bäckerei Huber gibt an, dass es schade und teuer wäre, wenn Hasen am Ende eingeschmolzen werden müssten.

Dieses Risiko wollte auch die Bäckerei Wick nicht eingehen. Sie hat deshalb ein kleineres Sortiment als üblich. Gerade dieses Jahr seien aber Spezialwünsche gefragt, sagt Geschäftsführer Michael Wick:

"Wir haben schon einen tennisspielenden Schoggihasen gefertigt, der Roger Federer ähnelt. Ein Kunde freut sich so über die Ankunft des Stars in Rapperswil-Jona."

Was wegen des Veranstaltungsverbots aber fehlt, sind die Grossaufträge. Wick fragte deshalb aktiv Gemeinden an, ob sie ihren Bürgern Schoggihasen als Trostpflaster für sozialarme Ostern schicken wollten. Eine sagte zu, Wick bilanziert darum: «Im Grossen und Ganzen sind es für uns gute Ostern.»

Dass man wegen der Fehlkalkulierung nun in Eile Schoggihasen produzieren muss, stört die Konditoren nicht. Die Gommiswaldnerin Löffel-Huber sagt: «Wir sind froh, wenn wir mit Schoggihasen den Leuten eine Freude machen können.»

Floristen «sind überlastet»

Dass zu Ostern auch kalorienarm Freude bereitet wird, beweisen derzeit die Blumenverkäufer – obwohl sie ihre Läden schliessen mussten. Die wenigen, die trotzdem Blumen liefern, sind dafür am Anschlag. So zum Beispiel die Uzner Gärtnerei Fleischlin: «Wir sind überlastet. Der Nachfrage sind wir gar nicht gewachsen», sagt Geschäftsführer Martin Fleischlin. Er kenne Betriebe, die gar wieder schliessen mussten.

Das Problem dabei ist nicht die gestiegene Nachfrage; weil der Laden geschlossen ist, entstünden neue Aufwände: Via Telefon müssen Fleischlins Mitarbeiterinnen nun Gestecke beschreiben und danach Rechnungen schreiben. Trotz Stress ist Aufgeben für Fleischlin keine Option:

«Wir versuchen, die Wünsche zu erfüllen. Weil wir unter Druck sind, brauchen die Kunden aber etwas Geduld.»

Auch die Schännerin Cecilia Steiner gibt an, gefordert zu sein: «Ständig klingelt das Telefon und trudeln Mails rein.» Ihre Produkte von Blumen und Handwerk stiessen auf «ein riesiges Bedürfnis». Weil Bekannte und Verwandte nicht besucht werden können, schicke Jung und Alt dafür üppige Sträusse, sagt Steiner. Gleichzeitig müsse sie Blumenbörsen suchen, die überhaupt noch liefern.

Entlastung würden Selbstbedienungsstände schaffen, sagt sie. Leider seien diese aber nicht erlaubt. Beklagen will sich Steiner aber nicht: «Es ist schön, wenn es viel zu tun gibt in diesen Zeiten.»

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