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Wurzeln schlagen – und sie wieder verlieren

Der Foto- Kolumnist, Sasi Subramaniam, arbeitet bei den «Glarner Nachrichten». Seine Fotokolumne zeigt jeweils, was er in seiner Freizeit erlebt. Heute geht es um eine Geschichte, die das Herz berührt: Er erzählt von einem Freund und der Heimat.

Sasi
Subramaniam
Samstag, 18. Januar 2020, 04:30 Uhr Der Foto-Kolumnist

Vor Kurzem hat mich ein Kollege gebeten, ihn bei der Werbung für einen Anlass in Ennenda zu unterstützen. Es war Dylan Wickrama, den ich schon lange kenne. Er stammt wie ich aus Sri Lanka und lebte lange Zeit im Glarnerland.

Wir haben uns etwas aus den Augen verloren, als er vor etwa zehn Jahren aus dem Glarnerland weggezogen ist, um die Welt zu entdecken. Natürlich habe ich mich über seinen Anruf gefreut und habe ihm geholfen, Werbung zu machen für den Abend, an dem er in Ennenda seinen Film vorstellen wird.

Es ist eindrücklich: Dylan hat auf seiner Reise nicht nur die Welt entdeckt, sondern nichts weniger als den Sinn des Lebens gesucht.

Nach getaner Arbeit habe ich Dylan und seine Schweizer Frau zu mir eingeladen: Ein Abendessen unter Freunden. Natürlich haben wir über die Politik in unserer ehemaligen Heimat gesprochen. Interessanter war es aber, als wir über unsere gemeinsame neue Heimat, das Glarnerland gesprochen haben. Ich habe schnell gemerkt, dass Dylan etwas zu sagen hat. Darum bin ich auf die Idee gekommen, dass doch für einmal mein Gegenpart über diese schöne Begegnung etwas schreiben könnte. Das tat Dylan auch, und er hat mit jeder Zeile recht:

«Vor etwas mehr als elf Jahren bin ich Sasi und seiner Frau Sunethra in Glarus zum ersten Mal begegnet. Ich weiss noch sehr genau, wie sie mir von ihrer politischen Verfolgung in Sri Lanka erzählt haben. Damals waren die beiden im Glarnerland komplett fremd, während ich mich sehr zu Hause fühlte.

Zehn Jahre später treffe ich Sasi wieder in Glarus, diesmal ist er der Einheimische und ich der Fremde. Obwohl ich noch einige Menschen hier kenne, hat sich seit meinem Wegzug vor zehn Jahren einiges verändert.

Es ist spannend zu beobachten, wie Sasi und seine Familie im Glarnerboden tiefe Wurzeln geschlagen haben, wie er die Menschen, denen wir in der Stadt begegnen, fast alle kennt, wie er in den Buchhandlungen freudig begrüsst wird und von anderen Passanten wiederum auf seine Buchprojekte angesprochen wird.

Und dann schliesslich auch zu sehen, wie die Kinder von Sunethra und Sasi am Tisch zu srilankischem Curry zwischen Schweizerdeutsch und der Muttersprache ihrer Eltern fliessend hin und her wechseln.

Es ist wunderschön zu sehen, wie sie Teil meiner einstigen Heimat geworden sind. Während mich mein Weg von Glarus hinaus in die Welt gebracht hat, so überkommt mich auch heute noch mit jedem Besuch ein Gefühl des Nachhausekommens.»

Dylans Vortrag findet am 23. Januar ab 20 Uhr im GH in Ennenda statt. Gezeigt wird sein Film «Am Ende der Strasse – verloren auf dem Pazifik». Dylan wird erzählen, weshalb aus der Suche nach dem Sinn des Lebens nicht nur eine Reise, sondern auch ein Film und ein Buch geworden ist.

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