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Besuch im Reich der Toten

Besuch im Reich der Toten

Hans Peter
Danuser
30.11.21 - 04:30 Uhr
Bild Yanik Buerkli

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Dies dürfte einer meiner letzten Blogs sein - nach gegen 600 weiteren solchen in gut elf Jahren. Da ist es durchaus angebracht, nochmals über Friedhöfe zu berichten. Corona hat in den vergangenen zwei Jahren dafür gesorgt, dass auch in der Schweiz die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung erstmals seit vielen Jahren gesunken ist, – was dem Tod statistisch eine etwas höhere Aktualität verschafft – bei allen von uns.

Zufällig fiel mir jüngst ein Artikel über «die letzte Reise» in die Hand (NZZ vom 11.11.2013, S. 58). Er schildert die hinduistische Feuerbestattung auf Bali, «die auch Touristen beeindruckt». Auf der Rückseite folgt ein Beitrag über Varanasi, die heiligste Stadt Indiens, «letzter Ort vor der Himmelspforte», die «Abkürzung zum Himmel». Darunter thematisiert die Zeitung eine Erhebung von Tripadvisor über Europas beliebteste Friedhöfe. Den Titel der kleinen Story, «Besuch im Reich der Toten» habe ich mir für diesen Blog ausgeliehen.

Im Vergleich zu den «Top Ten» der Grabstätten Europas des bekannten Internetportals sind meine früher hier empfohlenen Lieblingsfriedhöfe «kleine Brötchen»: die wunderschön gelegenen Gräber und Kraftorte von Soglio im Bergell, von Varenna am Comer See sowie Morcote am Luganer See. Zusätzlich erwähne ich heute noch jene von Maloja (G. Segantini) und Pontresina, wo jährlich im Mai gewaltige Steinbock-Patriarchen die Seelen der hier beerdigten Bergführer und -steiger besuchen.

Kein einziger meiner favorisierten «ewigen Jagdgründe» ist auf Tripadvisors Liste zu finden. Dafür aber viel Prominenz aus der europäischen Geistes- und Musikgeschichte:

  1. der protestantische Friedhof von Rom mit den beiden grossen Lyrikern der britischen Romantik, John Keats und Percy Shelley.
  2. Arnos Vale in Bristol, einer der ältesten viktorianischen Gartenfriedhöfe Grossbritanniens.
  3. der «Fröhliche Friedhof» von Sapanta mit den von einem Künstler geschnitzten und blau bemalten Kreuzen – ein «bizarrer und ungewöhnlicher Ort».
  4. der Wiener Zentralfriedhof mit Mozart, Schubert, Beethoven, Falco – mit fast 2,5 Mio. m2 eine der grössten Grabstätten Europas.
  5. der Petersfriedhof von Salzburg, einer der ältesten des Kontinents.
  6. Père-Lachaise in Paris mit Edith Piaf, Maria Callas, Frederic Chopin, Oscar Wilde und Marcel Proust.
  7. der Lytschakiwski-Friedhof von Lwiw in der Ukraine, ein UNESCO-Weltkulturerbe.
  8. der Mirogoj-Friedhof in Zagreb
  9. der Friedhof von Zakopane in Polen
  10. der «Assistenzfriedhof» von Kopenhagen mit dem Philosophen S. Kirkegaard und dem Dichter Hans Christian Andersen.

Bei all der etwas morbiden Begeisterung für diese Friedhöfe und grossartigen Ruhestätten bleibt uns vorläufig die bewährte Devise: La vita e piu bella! – Das Leben ist schöner!

 

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