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Zwischen Weltcup und Schulbank

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Fachhochschule
Graubünden

An der Fachhochschule Graubünden wird ausgebildet und geforscht. Über 2000 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog geben Studierende, Dozierende und Mitarbeitende Einblicke in den Hochschulalltag und in Themen, welche sie gerade beschäftigen.

Jonas Baumann

Seit meinem Maturaabschluss am Sportgymnasium in Davos im Jahre 2010 war ich für fünf Jahre Langlaufprofi. In den ersten Jahren als Profi habe ich lange nach einer Möglichkeit gesucht, Sport und Ausbildung zu vereinen. Mit dem Aufbau der Studienrichtung Sport Management an der FH Graubünden wurde ich dann endlich fündig. Im September 2015 nahm ich zusammen mit 39 weiteren sportbegeisterten Studierenden Anlauf in einen weiteren Lebensabschnitt. Ab diesem Zeitpunkt hiess es nicht nur Sport, sondern Sport und Studium.

Schon früh wurde mir klar, dass Studieren kein Selbstläufer ist. Es braucht viel Selbstdisziplin und eine gute Planung damit weder Sport, Erholung, oder die Ausbildung darunter leidet. Die FH Graubünden war von Beginn an sehr bemüht, eine Plattform zu bieten, die es möglich macht, Spitzensport und Studium zu vereinbaren. Mit der Plattform Moodle und der Videoaufzeichnung der Vorlesungen in Echtzeit, oder auch zeitversetzt im Nachgang, ist es mir möglich, den Schulstoff von überall auf der Welt zu verfolgen. Die Prüfungen finden ohne Rücksichtnahme auf die Trainingsplanung oder die Wettkämpfe statt. Damit ich trotz meiner sportlichen Aktivitäten die Prüfungen schreiben kann, gewährt mir die Studienleitung individuelle Prüfungstermine. Ohne diese Erleichterungen und vor allem ohne das Verständnis meiner Dozentinnen und Dozenten und das Verständnis meiner Mitstudierenden könnte ich mein Studium nicht erfolgreich absolvieren.

Das Jahr 2017 war kein einfaches für mich. Sportlich lief aufgrund einer Verletzung, welche mir in der Vorbereitung Probleme bereitete, und krankheitsbedingten Ausfällen nicht alles wie gewünscht. Zusätzlich war die schulische Belastung am Ende der Assessmentstufe extrem hoch. Für mich zu hoch. Ich erkrankte an einer stressbedingten Depression. Aber auch in dieser Situation konnte ich auf die Hilfe der Studienleitung zählen. Für mich war klar, dass ich Sport und Studium in diesem Umfang nicht weiter vereinbaren konnte. Zusammen mit der Studienleitung haben wir ein individuelles Curriculum erarbeitet, damit sich Studium und Sport wieder vereinbaren lassen. Das Studium dauert neu fünf Jahre anstelle von vier Jahren.

Als Sportler ist man viel unterwegs. Die Trainings und Wettkämpfe im Langlaufsport sind sehr energieintensiv. Auch das Reisen braucht Energie. Eine grosse Herausforderung für mich war nicht nur Zeit für Studium zu finden. Sondern die Zeit zu finden, in der ich konzentriert und effizient arbeiten konnte.

An der Studienrichtung Sport Management gefällt mir besonders die Praxisnähe. Wir bekommen viel Einblick in die Sportwelt, was im Hintergrund abläuft und wie die Theorie in der Praxis umgesetzt wird. Den Austausch mit den Mitstudierenden schätze ich am meisten.

Mittlerweile bin ich in meinem letzten Semester. Die Bachelorarbeit steht an. Mit der Geburt meiner Tochter im letzten November ist eine weitere Belastung (im positiven Sinne) dazugekommen. Die Planung und Koordination zwischen Sport, Studium und Familie ist noch schwieriger geworden. Aber das Ende ist in Sichtweite und ich bin froh, konnte ich Ausbildung und Sport vereinbaren.

 

Jonas Baumann studiert Sport Management im letzten Semester und ist professioneller Langläufer.

 

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